EU-Eigentumsregeln gefährden Apollos 5,7-Milliarden-Pfund-Gebot für easyJet
EasyJet-Aktien brechen um bis zu 14 Prozent ein, nachdem die EU eine Überprüfung der Eigentumsregeln für Fluggesellschaften ankündigt.

Die Aktien von easyJet sind am Mittwoch massiv unter Druck geraten. Auslöser war die Nachricht, dass die Europäische Union plant, ihre Eigentumsregeln für Fluggesellschaften zu überprüfen – ein Schritt, der erhebliche Zweifel an der geplanten Übernahme durch den US-Vermögensverwalter Apollo aufwirft. Die Papiere des britischen Billigfliegers verloren zeitweise bis zu 14 Prozent, bevor sie sich etwas erholten und im späten Nachmittagshandel noch rund 10 Prozent im Minus lagen.
Im Zentrum des Geschehens steht ein Übernahmegebot von Apollo in Höhe von 5,7 Milliarden Britischen Pfund, das der easyJet-Vorstand noch in diesem Monat empfohlen hatte. Das Angebot übertraf ein früheres Gebot der US-Privatkreditgruppe Castlelake über 5,5 Milliarden Britische Pfund. Nun droht der gesamte Deal durch regulatorische Unsicherheiten ins Wanken zu geraten.
EU will Kontrolle über ausländische Airline-Investoren klären
Ein EU-Beamter erklärte, die Union strebe danach, die Bestimmungen über die Kontrolle von Fluggesellschaften durch ausländische Investoren zu „klären", um die „strategische Autonomie" zu schützen. Gleichzeitig betonte der Beamte, die Prüfung stehe nicht im direkten Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot von Apollo. Sie sei vielmehr Teil einer umfassenderen Überarbeitung der EU-Luftverkehrsverordnungen, die auch Regeln wie gemeinwirtschaftliche Verpflichtungen für Randgebiete der EU umfasse. Über die Prüfung hatte zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Die geltenden EU-Regeln schreiben vor, dass Fluggesellschaften zu mehr als 50 Prozent im Besitz von EU-Mitgliedstaaten oder deren Staatsangehörigen sein müssen, um eine Betriebsgenehmigung zu erhalten. Zudem müssen Europäer die Fluggesellschaft kontrollieren, was bedeutet, dass sie einen „entscheidenden Einfluss" auf die Unternehmensführung ausüben. Diese Regeln sind für easyJet besonders relevant, da der Billigflieger nach dem Brexit eine Tochtergesellschaft in Österreich gegründet hat, um weiterhin Flüge innerhalb der EU durchführen zu können.
Historisch schwieriges Umfeld für Airline-Übernahmen in Europa
Übernahmen von Fluggesellschaften gestalten sich in Europa traditionell als äußerst komplex. Ein prominentes Beispiel: IAG, die Muttergesellschaft von British Airways, zog sich im Jahr 2024 von einem Gebot zum Kauf von 80 Prozent der spanischen Fluggesellschaft Air Europa zurück, nachdem die Europäische Kommission wettbewerbsrechtliche Bedenken angemeldet hatte.
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Zur AktienanalyseLuis Gallego, Vorstandsvorsitzender von IAG, hatte der FT im vergangenen Monat erklärt, er halte eine Übernahme von easyJet aufgrund der bestehenden Regeln für wahrscheinlich „sehr, sehr schwierig". Willie Walsh, Chef des Branchenverbands Iata und Gallegos Vorgänger bei IAG, äußerte sich ebenfalls kritisch: Fluggesellschaften unterlägen „bereits einigen der strengsten Eigentumsregeln", und alle Änderungen „sollten auf einer breiten Konsultation mit Fluggesellschaften basieren, die ihre Geschäfte innerhalb des bestehenden Rahmens aufgebaut haben".
easyJet und Apollo lehnten eine Stellungnahme ab. Castlelake reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Eine der Fluggesellschaft nahestehende Person teilte mit, dass sich EU-Regulierungsbehörden bezüglich der vorgeschlagenen Deals mit Apollo und Castlelake bislang nicht mit dem Unternehmen in Verbindung gesetzt hätten. Für Anleger bleibt die Lage damit vorerst unübersichtlich – der Ausgang des Übernahmedramas ist weiterhin offen.

