EU-CO2-Steuer trifft Billigflieger und ihre Passagiere hart
Ab 2029 weitet die EU ihre CO2-Abgabe auf internationale Flüge aus – mit spürbaren Folgen für preissensible Reisende.

Die Europäische Union plant, ihr Emissionshandelssystem ab 2029 auf internationale Flüge auszuweiten. Betroffen sind alle Ziele in einem Umkreis von 5.000 Kilometern um den Frankfurter Flughafen. Die Einnahmen sollen Investitionen in grüne Luftfahrttechnologien und nachhaltige Kraftstoffe finanzieren.
Für viele Passagiere wird die Neuerung kaum spürbar sein. Wer regelmäßig auf der Langstrecke oder in der Business Class fliegt, dürfte die Mehrkosten kaum bemerken. Anders sieht es für Familien aus, die einmal im Jahr mit einer Billigfluggesellschaft in den Strandurlaub aufbrechen.
Wie hoch sind die Mehrkosten?
Die Klimaschutzorganisation Transport & Environment (T&E) schätzt, dass das neue System den Preis für einen Flug von Paris nach Istanbul um rund 24 Euro erhöhen würde. Die Gesamtkosten aller betroffenen Flüge würden demnach um weniger als 10 Prozent steigen. Grundlage dieser Berechnung ist der aktuelle Marktpreis für CO2-Zertifikate, der derzeit bei über 80 Euro pro Tonne liegt – und voraussichtlich weiter steigen wird. Zum Vergleich: Die Verbrennung einer Tonne Kerosin setzt etwas mehr als drei Tonnen CO2 frei.
Für etablierte Langstreckenfluggesellschaften wie Air France-KLM und Lufthansa könnte die Regelung sogar Vorteile bringen. Bisher begünstigte die CO2-Bepreisung innerhalb der EU jene Carrier, die von Drehkreuzen außerhalb des Blocks operierten – etwa Turkish Airlines aus Istanbul oder Emirates aus Dubai. Durch die Ausweitung der Abgabe werden diese Wettbewerbsverzerrungen zumindest teilweise abgebaut. Lufthansa begrüßte diesen Aspekt ausdrücklich, zeigte sich aber gleichzeitig unzufrieden mit den zusätzlichen Kosten.
Billigflieger in der Zwickmühle
Für Kurzstreckenanbieter wie Ryanair oder easyJet ist die Lage deutlich heikler. Ihre kostengetriebenen Geschäftsmodelle stehen bereits unter erheblichem Druck durch Kerosinpreise, die noch weit über dem Vorkriegsniveau liegen. Hinzu kommt, dass Billigfluggesellschaften Kostensteigerungen erfahrungsgemäß schneller und vollständiger an ihre Passagiere weitergeben als Langstreckenanbieter.
Forscher der Universität Barcelona haben ermittelt, dass beim bestehenden EU-CO2-Steuersystem der gesamte Betrag auf die Ticketpreise der Kurzstreckenanbieter aufgeschlagen wurde – im Vergleich zu 87 Prozent bei Langstreckenflügen. Das zeigt: Die Kunden der Billigflieger tragen die Last überproportional.
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Zur AktienanalyseBesonders brisant ist dabei die hohe Preissensibilität dieser Kundschaft. Forscher der Universität Antwerpen ermittelten für Ryanair-Kunden eine Preiselastizität der Nachfrage von bis zu -2,07. Das bedeutet: Ein Preisanstieg von 10 Prozent würde einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent auslösen. Zum Vergleich: Die angenommene Standardelastizität für Flugreisen in der EU liegt bei -1,4 – Ryanair-Kunden reagieren also deutlich empfindlicher auf Preiserhöhungen als der Durchschnitt.
Ryanair-Chef Michael O'Leary kommentierte die Entwicklung mit der Aussage, dass Europas „dumme Umweltsteuern" mehr Reisende zu Billigfliegern treiben würden. Ein gewisser Trost für die Branche – doch er ändert nichts daran, dass die bestehenden Fluggäste der Billigairlines, die ohnehin schon mit steigenden Ticketpreisen konfrontiert sind, künftig noch tiefer in die Tasche greifen müssen.


