EU besteuert Shein, Temu und AliExpress mit neuer Paketgebühr
Brüssel beschlossen: Ab November gilt eine neue Bearbeitungsgebühr für alle Online-Importe aus Drittstaaten.

Die Europäische Union verschärft den Kampf gegen die Billigwaren-Flut aus Fernost. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Mitgliedstaaten einigten sich in Brüssel auf eine neue Bearbeitungsgebühr, die ab dem 1. November für sämtliche online bestellten Produkte aus Nicht-EU-Ländern gilt. Die Abgabe wird von den nationalen Zollbehörden erhoben und soll die steigenden Kontrollkosten an den EU-Außengrenzen decken.
Die genaue Höhe der Gebühr legt die EU-Kommission noch fest. Hintergrund ist der dramatische Anstieg kleiner Sendungen: Laut EU-Kommission kamen allein im Jahr 2024 täglich rund zwölf Millionen Pakete in der Europäischen Union an – deutlich mehr als in den Vorjahren. Plattformen wie Shein, Temu, AliExpress und auch Amazon stehen dabei im Fokus der Regulierer.
Zollfreigrenze fällt schrittweise weg
Die neue Bearbeitungsgebühr ist nur ein Teil eines umfassenderen Reformpakets. Bereits ab Juli gilt für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine pauschale Abgabe von drei Euro – bislang konnten solche Sendungen zollfrei eingeführt werden. Diese Übergangsregelung soll bestehen bleiben, bis eine neue digitale Zollplattform in Betrieb geht, voraussichtlich im Jahr 2028. Dann werden alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig.
Das erklärte Ziel der EU: gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Händler, unabhängig davon, wo sie ihren Sitz haben. Ob die Mehrkosten letztlich auf die Verbraucher umgelegt werden, ist offen. Theoretisch könnten auch Hersteller oder Importeure die Zusatzkosten schultern.
Milliardenmarkt für chinesische Plattformen
Die wirtschaftliche Dimension des Themas ist erheblich. Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden täglich rund 400.000 Pakete von Shein und Temu allein an deutsche Kunden verschickt. Der kombinierte Umsatz beider Plattformen in Deutschland belief sich 2024 auf geschätzte 2,7 bis 3,3 Milliarden Euro. Mehr als 14 Millionen Deutsche kauften im vergangenen Jahr bei einem der beiden Anbieter ein.
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Zur AktienanalyseTemu ist seit Frühjahr 2023 in Deutschland aktiv und betreibt einen offenen Marktplatz, auf dem zahlreiche Händler ihre Waren anbieten – häufig direkt vom Hersteller zum Endkunden. Shein, ursprünglich in China gegründet und heute in Singapur ansässig, agiert gleichzeitig als Hersteller, Händler und Marktplatz. Beide Konzerne stehen unter Dauerbeobachtung: Kritiker aus Politik, Handel und Verbraucherschutz bemängeln Produktqualität, unzureichende Sicherheitskontrollen und unfaire Wettbewerbsvorteile gegenüber europäischen Anbietern.
Neben der neuen Bearbeitungsgebühr sieht die EU-Zollreform weitere Maßnahmen vor: den globalen Handel erleichtern, die Zollerhebung effizienter gestalten und die Kontrolle unsicherer oder nicht konformer Waren deutlich verschärfen.


