EU beobachtet Chinas wachsende Industriebasis in Marokko mit Sorge
Chinesische Autoteilehersteller siedeln sich in Tanger an – die EU verfolgt diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis.

In den Hügeln vor der marokkanischen Hafenstadt Tanger entsteht auf einem 500 Hektar großen Gelände ein neues Zentrum chinesischer Industriemacht. Das Areal, das aus ehemaligem Ackerland gewonnen wurde, beherbergt die Mohammed VI Tanger Tech City – ein aufstrebendes Cluster chinesischer Zulieferer für die Automobilindustrie. Noch grasen Schafe direkt an den hohen Mauern des Geländes, doch das Wachstum dahinter ist rasant.
Innerhalb der Anlage siedeln sich chinesische Hersteller von Autoteilen an – von Bremsen bis hin zu Batteriekomponenten. Ihr erklärtes Ziel: die europäische Elektroauto-Revolution mit günstig produzierten Komponenten zu beliefern. Marokko bietet dabei als Standort entscheidende Vorteile, darunter die geografische Nähe zu Europa und bestehende Freihandelsabkommen.
Brüssel blickt mit Skepsis auf die Entwicklung
In Brüssel wächst die Sorge über diese Entwicklung. Die EU beobachtet, wie China systematisch eine Industriebasis in Nordafrika aufbaut, die es chinesischen Herstellern ermöglichen könnte, europäische Zölle und Handelsbeschränkungen zu umgehen. Hintergrund ist, dass die Europäische Union in den vergangenen Jahren erhebliche Zusatzzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge eingeführt hat, um die heimische Industrie zu schützen.
Die Ansiedlung chinesischer Zulieferer in Marokko ist Teil einer breiteren Strategie, mit der Peking versucht, seine Exportmöglichkeiten nach Europa trotz wachsender Handelsbarrieren aufrechtzuerhalten. Durch die Produktion in Drittländern wie Marokko könnten Waren als nicht-chinesischen Ursprungs deklariert werden – ein Vorgehen, das in Brüssel als sogenanntes „Tariff Shopping" oder Ursprungslandumgehung bekannt ist.
Marokko als Brücke zwischen China und Europa
Das Königreich Marokko hat sich in den vergangenen Jahren gezielt als Produktionsstandort für die europäische Automobilindustrie positioniert. Die Tanger Tech City ist dabei ein Schlüsselprojekt. Das 500 Hektar große Gelände symbolisiert den Ehrgeiz sowohl Marokkos als auch chinesischer Investoren, von der wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Europa zu profitieren.
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Zur AktienanalyseFür deutsche Privatanleger und Beobachter der Automobilbranche ist diese Entwicklung von besonderer Relevanz. Deutsche Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz stehen ohnehin unter erheblichem Wettbewerbsdruck durch chinesische Elektroauto-Marken. Sollte es chinesischen Zulieferern gelingen, über Marokko kostengünstig in den europäischen Markt einzudringen, könnte dies den Druck auf die gesamte europäische Automobilzulieferkette weiter erhöhen.
Die EU steht damit vor einer komplexen Herausforderung: Einerseits will sie ihre Industrie vor unfairem Wettbewerb schützen, andererseits sind die Handelsbeziehungen zu Marokko und China vielschichtig und politisch sensibel. Wie Brüssel auf die wachsende chinesische Präsenz in Nordafrika reagieren wird, bleibt eine der zentralen handelspolitischen Fragen der kommenden Monate.


