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Ethisches Dilemma: Rüstungsinvestitionen im Wandel der Zeit

Vom Anstieg der Rüstungsaktienkurse bis zur ethischen Verantwortung der Anleger

Ethisches Dilemma: Rüstungsinvestitionen im Wandel der Zeit

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im vergangenen Jahr hat sich die Wahrnehmung der Rüstungsbranche in der Finanzwelt drastisch verändert. Die Börsenkurse deutscher Rüstungskonzerne, wie Rheinmetall und Hensoldt, sind in die Höhe geschossen. Rheinmetall-Aktien haben sich von etwa 90 Euro auf fast 270 Euro fast verdreifacht, was dazu führte, dass das Unternehmen in den DAX aufstieg. Auch Hensoldt verzeichnete einen erheblichen Anstieg im Aktienwert.

Lange Zeit galten Rüstungsaktien bei Investoren als heikle Anlagen, oft vermieden sie diese sogar. Doch seit dem Ukrainekrieg hat sich die Wahrnehmung verschoben. Klaus Gabriel, ein österreichischer Finanzethiker, erklärt diese Veränderung: "Rüstung wird zunehmend als etwas Positives gesehen einfach aus dem Grund heraus, dass man erkannt hat, dass die Verteidigung eines Hoheitsgebietes erforderlich ist oder auch die Abschreckung gegenüber möglichen Aggressionen notwendig ist."

Selbst Anbieter nachhaltiger Fonds erwägen nun, ihre Investitionen in Rüstungstitel auszuweiten, da sich die öffentliche Meinung zu Rüstungsunternehmen geändert hat. Eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox aus dem letzten Jahr zeigt, dass sich die Meinungen in der Bevölkerung nach dem Ukraine-Krieg verschoben haben. Während vor dem Krieg eine Mehrheit der Deutschen Rüstungsinvestitionen als moralisch verwerflich ansah, änderte sich diese Einstellung nach dem Konflikt. Knapp zwei Drittel der zuvor ablehnenden Personen gaben an, Rüstungsinvestitionen nun in Ordnung zu finden oder ihre Haltung dazu zu überdenken.

Die Frage, ob Investitionen in Rüstungsunternehmen ethisch oder nachhaltig sind, bleibt jedoch umstritten. Die Europäische Union hat indirekt signalisiert, dass sie Rüstungsunternehmen als nachhaltig betrachtet, solange sie bestimmte Kriterien erfüllen. In ihrer Nachhaltigkeitstaxonomie werden zwar keine expliziten Vorgaben für die Rüstungsbranche gemacht, doch EU-Kommissarin Mairead McGuiness betonte, dass Initiativen zur nachhaltigen Finanzierung die europäische Verteidigungsindustrie unterstützen sollten.

Die ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Governance) werden für Investoren immer wichtiger. Einige Fondsgesellschaften, wie Union Investment, schließen Rüstungsunternehmen dennoch aus ihren nachhaltigen Fonds aus. Henrik Pontzen, Leiter ESG bei Union Investment, argumentiert, dass nur als nachhaltig bezeichnet werden sollte, was keine wesentlichen negativen Auswirkungen habe. Rüstungsunternehmen erfüllen dieses Kriterium seiner Ansicht nach nicht, da Waffen immer Tod und Leid mit sich bringen.

Obwohl die öffentliche Meinung zu Rüstungsinvestitionen im Wandel ist, bleibt die ethische Frage bestehen. Einige argumentieren, dass der Profittrieb der Hauptantrieb für das gestiegene Interesse an Rüstungsaktien sei, während ethische Anleger nach wie vor von solchen Investitionen Abstand nehmen sollten, um nicht vom Leid und der Zerstörung, die Kriege und Waffeneinsätze mit sich bringen, zu profitieren. Ethisches Investieren erfordert oft, auch mal auf finanziell attraktive Optionen zu verzichten.

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