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Ethereum 65% unter Allzeithoch: Jetzt kaufen oder warten?

Ethereum notiert weit unter seinem Höchststand – doch strukturelle Probleme bei Tokenomics und Gebühren trüben die Investmentthese erheblich.

Ethereum 65% unter Allzeithoch: Jetzt kaufen oder warten?

Ethereum (ETH) liegt derzeit rund 65 Prozent unter seinem Allzeithoch von 5.000 US-Dollar, das die Kryptowährung im vergangenen August erreicht hatte. Für viele Anleger mag das wie eine attraktive Einstiegsgelegenheit wirken. Doch ein genauerer Blick auf die Mechanismen hinter dem Asset zeigt, dass die Lage komplizierter ist, als der Preisrückgang vermuten lässt.

Ethereum gilt als dominantes Zentrum für dezentrale Finanzen (DeFi), als meistgenutzte Smart-Contract-Plattform und als führende Blockchain für die Tokenisierung realer Vermögenswerte – einem wachsenden Segment im Kryptomarkt. Diese fundamentale Stärke des Netzwerks steht jedoch in einem deutlichen Widerspruch zur aktuellen Entwicklung des ETH-Tokens selbst.

Warum der Coin kaum vom Netzwerkerfolg profitiert

Das zentrale Problem: Der Mechanismus, der Netzwerkaktivität in bessere Renditen für Token-Inhaber umwandeln soll, funktioniert derzeit nicht wie vorgesehen. Eigentlich sollte das Halten von Ether auf drei Arten Erträge bringen – durch einen Anteil an verbrannten Transaktionsgebühren, durch eine Staking-Rendite von 3 bis 4 Prozent sowie durch die Teilhabe am Wachstum des Netzwerks. Keiner dieser drei Mechanismen arbeitet derzeit wie angekündigt.

Statt dass Transaktionsgebühren genügend Token verbrennen, um das Angebot deflationär zu gestalten, überwiegen die neu geschaffenen Token zur Belohnung der Staker. Das Ergebnis: eine Netto-Angebotsinflation von rund 0,8 Prozent pro Jahr. Das bedeutet, dass das Gesamtangebot an ETH wächst – ein Umstand, der dem ursprünglichen Versprechen einer deflationären Kryptowährung widerspricht.

Zwar können Anleger technisch gesehen noch die Staking-Rendite erzielen, doch diese fällt bei vergleichsweise hohem Risiko mager aus. Und was das Plattformwachstum betrifft: Da pro Aktivitätseinheit so wenige Gebühren verbrannt werden, wäre eine enorme Menge an neuer Aktivität nötig, um einen spürbaren Unterschied zu machen.

Glamsterdam-Upgrade soll Gebühren weiter senken

Das nächste große Netzwerk-Update namens Glamsterdam soll Ende August an den Start gehen. Es wird die parallele Transaktionsausführung ermöglichen und enthält ein Repricing-Paket, das die Gebühren voraussichtlich noch weiter senken wird. Einerseits macht das die Blockchain günstiger und damit attraktiver für Nutzer und Entwickler. Andererseits verschärft es die bereits bestehenden Probleme bei der Tokenomics weiter.

Für die Investmentthese bedeutet das: Sollte in den zwei Quartalen nach der Einführung von Glamsterdam die reguläre Burn-Rate hoch genug sein, um das Netto-Angebotswachstum wieder in Richtung null zu drücken, wäre die These für den Kauf von Ether ein Stück weit rehabilitiert. Steigt das Angebot hingegen weiter an, muss strukturell etwas korrigiert werden, bevor der Preis des Coins dauerhaft zulegen kann.

Fazit: Geduldige Anleger mit langem Zeithorizont

Eine langsame Akkumulation bei Tiefstständen könnte für Käufer mit einem mehrjährigen Zeithorizont sinnvoll sein. Die problematischen Tokenomics könnten theoretisch irgendwann zugunsten der Halter geändert werden. Kurzfristig orientierte Anleger sollten jedoch die strukturellen Schwächen nicht unterschätzen.

Natürlich können Anleger auch von Käufern profitieren, denen diese Zusammenhänge nicht bewusst sind und die bereit sind, ungeachtet der Probleme höhere Preise für Ether zu zahlen. Das ist jedoch eine spekulative Wette auf Marktstimmung – keine Investition in fundamentale Stärke.

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