ESOPs als Steuerstrategie für US-Cannabisunternehmen gegen 280E
Mitarbeiterbeteiligungspläne helfen Cannabis-Firmen, die erdrückende Steuerlast durch Section 280E des US-Steuerrechts zu umgehen.

Für US-amerikanische Cannabisunternehmen stellt Section 280E des Internal Revenue Code eine massive steuerliche Belastung dar. Das Gesetz verbietet Standard-Betriebsausgabenabzüge für Unternehmen, die mit Substanzen der Liste I handeln – zu denen Freizeit-Cannabis weiterhin zählt. Als strategische Antwort darauf gewinnen Employee Stock Ownership Plans (ESOPs), also Mitarbeiterbeteiligungspläne, im Cannabissektor zunehmend an Bedeutung. Scott H. Moskol, Partner und Co-Vorsitzender der Cannabis-Praxis bei der Kanzlei Blank Rome, erläutert, warum diese Strukturen wegweisend sein können.
Zwar hat die Umstufung von medizinischem Marihuana in die Liste III eine gewisse steuerliche Entlastung gebracht, doch Cannabis für den Freizeitgebrauch bleibt weiterhin als Substanz der Liste I eingestuft. Das bedeutet: Die Belastung durch 280E trifft den Großteil der Branche nach wie vor hart. In Bundesstaaten mit Märkten für medizinische Zwecke und Freizeitgebrauch macht der medizinische Bereich laut Moskol in der Regel nur 20 bis 25 Prozent des Gesamtumsatzes aus – der Rest bleibt von 280E betroffen.
ESOP-Struktur und steuerliche Vorteile
ESOPs wurden vom US-Kongress in den 1970er Jahren eingeführt, um die Mitarbeiterbeteiligung durch steuerbegünstigte Altersvorsorge-Trusts zu fördern. Für Cannabisunternehmen bieten sie einen entscheidenden Hebel: Eine S-Corporation im Besitz eines ESOP kann die Bundeseinkommensteuer auf ihren Gewinnanteil vermeiden, indem sie Einkünfte an einen steuerbefreiten Trust weiterleitet. Bei einer 100-prozentigen ESOP-Beteiligung kann die Steuerlast auf Unternehmensebene damit vollständig eliminiert werden.
C-Corporations verfügen nicht über diesen sogenannten Durchlaufvorteil, können aber dennoch ihr zu versteuerndes Einkommen reduzieren, indem sie qualifizierte ESOP-Beiträge absetzen. Wichtig dabei: Die Steuervorteile sind an Compliance-Anforderungen geknüpft. Teilnehmer zahlen bei Renteneintritt normale Einkommensteuer auf Ausschüttungen, und S-Corp-ESOPs müssen Regeln gegen unzulässige Zuteilungen einhalten, die verhindern, dass hochbezahlte Mitarbeiter und Familienmitglieder unverhältnismäßig hohe synthetische Eigenkapitalanteile halten.
Moskol bezeichnete ESOPs als „besonders relevant für die Cannabisindustrie", da sie effektiv den Cashflow wiederherstellen, den 280E ansonsten entziehen würde. Als konkrete Beispiele nannte er die in Massachusetts ansässigen Betreiber Canna Provisions und Theory Wellness, die ESOP-Transaktionen abgeschlossen haben und „weiterhin wachsen". Auch mindestens ein Unternehmen in Maine hat eine solche Struktur umgesetzt – dort machen höhere staatliche Einkommensteuersätze den ESOP-Steuervorteil noch bedeutsamer. Das Unternehmen Illicit, das bei seiner ESOP-Transaktion von einem Kreditgeber-Mandanten von Moskols Kanzlei unterstützt wurde, plant nach Abschluss des ESOP, den frei gewordenen Cashflow zu nutzen, „um bestimmte strategische Akquisitionen zu tätigen".
Die durch ESOPs erzielten Steuereinsparungen können vielfältig eingesetzt werden: zur Stärkung des Betriebs, zum Erwerb neuer Vermögenswerte, zum Schuldenabbau oder sogar zum Kauf bisher gemieteter Immobilien. All diese Schritte können das EBITDA stärken, Bilanzen verbessern und ein Unternehmen für einen künftigen Verkauf oder Börsengang attraktiver machen.
Nicht-steuerliche Vorteile und Wettbewerbsvorteile
Neben den steuerlichen Aspekten bieten ESOPs auch strukturelle Vorteile in regulierten Märkten. In Massachusetts gab es bis vor kurzem eine Regelung – von Moskol als „Three Cap" bezeichnet –, die Betreiber auf maximal drei Einzelhandelslizenzen beschränkte. Das reduzierte die Zahl potenzieller Käufer bei Unternehmensverkäufen künstlich. Moskol erklärte dazu: „Aufgrund dieser Obergrenzen gibt es eine künstlich niedrige Zahl potenzieller Käufer. Infolgedessen bietet ein ESOP auch einen hervorragenden Mechanismus für den Verkaufsprozess, da das Unternehmen im Wesentlichen an sich selbst verkauft und sich daher nicht zwangsläufig mit Bedenken hinsichtlich Obergrenzen oder Konzentration auseinandersetzen muss."
Hinzu kommt der eingeschränkte Zugang zu Kapitalmärkten und die restriktive Bankkreditvergabe an die Cannabisbranche. Vielen potenziellen Käufern fehlt es schlicht an Barmitteln oder Bankfinanzierungen für traditionelle Übernahmen. ESOPs können diesen engen Käuferkreis ersetzen. Für Verkäufer bieten sie zudem den Vorteil, dass kein Zwang besteht, illiquide Cannabis-Aktien eines anderen Betreibers als Teil des Verkaufspreises zu akzeptieren – was bei normalen M&A-Strukturen in der Branche häufig vorkommt.
Nicht zuletzt spielt der Faktor Humankapital eine Rolle. Daten aus Jahrzehnten außerhalb der Cannabisbranche zeigen, dass ESOP-Unternehmen in der Regel eine höhere Mitarbeiterbindung und ein höheres Engagement verzeichnen. In einer stark regulierten und operativ komplexen Branche ist das Halten von erfahrenem Personal ein klarer Wettbewerbsvorteil.
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Zur AktienanalyseAusblick: Politische Unsicherheit bremst die Verbreitung
Derzeit werden ESOPs im Cannabissektor noch zu wenig genutzt. Als Gründe nennt Moskol die hohen Transaktionskosten sowie die anhaltende politische Unsicherheit bezüglich der Neuklassifizierung von Cannabis auf Bundesebene. Die entsprechenden Anhörungen sollen im Juni wieder aufgenommen werden, doch jahrelange Versprechungen über eine Neuklassifizierung haben eine abwartende Haltung gefördert – insbesondere bei Betreibern, die ESOPs primär als Umgehungslösung für 280E betrachten.
Für Unternehmen jedoch, die ESOPs als langfristige strategische Struktur und nicht nur als vorübergehende Lösung für 280E sehen, können die Vorteile weit über jede Änderung der bundesstaatlichen Einstufung hinaus bestehen bleiben. Die Kombination aus Steueroptimierung, verbesserter Mitarbeiterbindung und erleichtertem Unternehmensverkauf macht ESOPs zu einem Instrument, das unabhängig vom regulatorischen Ausgang der Cannabis-Debatte seinen Wert behalten dürfte.


