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ESG muss fest im Tagesgeschäft von Unternehmen verankert sein

Experten fordern bei einem Webinar die vollständige Integration von ESG-Praktiken in Beschaffung, Produktion und Betrieb.

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ESG muss fest im Tagesgeschäft von Unternehmen verankert sein

Unternehmen stehen weltweit unter wachsendem Druck, Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) nicht länger als Randthema zu behandeln, sondern fest in ihre Geschäftsstrategie zu integrieren. Beim ESG-Webinar von Creamer Media am 17. Juni diskutierten Experten aus Bergbau, Energiewirtschaft, Beratung und Finanzwesen, wie dieser Wandel gelingen kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Nachhaltigkeitsambitionen in messbare Maßnahmen umgesetzt werden können.

Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Mark Robertson, Principal für Shared Value und Impact Practice bei Genesis. Teilnehmer waren Dr. Tsakani Mthombeni (Implats), Tshifhiwa Dzhaudzhau (Pele Green Energy), Johan Oosthuizen (SLR Consulting) sowie Tshepo Ntsane von der Rand Merchant Bank (RMB). Sie alle betonten: ESG ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

ESG als dauerhafter Bestandteil des Projektlebenszyklus

Tshifhiwa Dzhaudzhau von Pele Green Energy brachte es auf den Punkt: „ESG ist keine einmalige Initiative; es muss über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts hinweg verankert sein, wenn es ein aussagekräftiges und nachhaltiges Ergebnis liefern soll. Es darf keine einmalige Implementierung sein." Soziale Auswirkungen dürften nicht als reine Compliance-Übung verstanden werden, sondern müssten darauf ausgelegt sein, dauerhaften Wert zu schaffen.

Dzhaudzhau hob hervor, dass gemeinschaftliche Eigentumsstrukturen, lokale Beschaffungsmöglichkeiten und Kompetenzentwicklung entscheidend seien, um Gemeinschaften langfristig in Projekte einzubinden. Dabei komme es nicht auf die bloße Messung von Aktivitäten an, sondern auf die Messung tatsächlicher Ergebnisse. Nachhaltige soziale Wirkung entstehe durch Konsistenz, Transparenz und langfristige Beteiligung – nicht durch isolierte Einzelmaßnahmen.

Aus der Bergbauperspektive erklärte Dr. Tsakani Mthombeni von Implats, dass Märkte und Stakeholder zunehmend mehr Intentionalität bei ESG sowie eine stärkere Integration in die Geschäftsstrategien einforderten. Bergbauunternehmen konzentrierten sich nun verstärkt auf wesentliche Risiken für das Geschäft und für Stakeholder, einschließlich der betroffenen Gemeinschaften. Dabei sei es entscheidend, die Wesentlichkeit, Anwendbarkeit und Relevanz von ESG-Systemen für das jeweilige Geschäftsumfeld zu verstehen.

ESG macht Unternehmen bankfähig

Tshepo Ntsane von der Rand Merchant Bank betonte einen oft unterschätzten Aspekt: ESG-Integration macht Unternehmen bankfähig. Banken bewerteten Unternehmen positiv, die ihre ESG-Strategien erkennbar umsetzten – und Unternehmen nähmen diese Haltung zunehmend an. Ntsane empfahl daher, durch eine Wesentlichkeitsanalyse zunächst den eigenen ESG-Status zu ermitteln.

Sobald die Ausgangslage und der ökologische Fußabdruck eines Unternehmens klar seien, könnten zukunftsorientierte Ziele gesetzt und durch konkrete Initiativen unterstützt werden. Ntsane verwies dabei auf das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit: Unternehmen müssen verstehen, wie ihre Aktivitäten die Umwelt und die Gesellschaft beeinflussen – und gleichzeitig, wie nachhaltigkeitsbezogene Risiken und Chancen die eigene Organisation betreffen.

Scope-3-Emissionen und Lieferketten als Wirkungsmultiplikatoren

Johan Oosthuizen von SLR Consulting warnte, dass lokale Unternehmen ihre Exposition gegenüber sogenannten Scope-3-Risiken – also Emissionen entlang der Lieferkette – häufig unterschätzten. Viele Managementsysteme gingen nicht über die eigenen Betriebsgrenzen hinaus, was nicht nur Risiken, sondern auch Chancen begrenze. Wertschöpfungsketten sollten daher als Risikoverstärker, aber auch als Wirkungsmultiplikatoren verstanden werden.

Oosthuizen sieht in der gezielten Steuerung von Lieferketten großes Potenzial: etwa durch die Einbindung lokaler Lieferanten oder die Förderung von Unternehmen in Frauenhand. Er unterstrich dies mit einem eindrücklichen Bild: „Was wir investieren, ist das Doppelte, Dreifache oder Vierfache dessen, was wir zurückerhalten. Wenn man also den richtigen Schwerpunkt auf seine Liefer- oder Wertschöpfungsketten legt, wird man das Vier- oder Fünffache daraus ziehen. Es geht wirklich darum, die eigene Hebelwirkung zu verstehen und diese dann für positive Auswirkungen in der Zukunft zu nutzen."

Die Botschaft des Webinars war eindeutig: ESG ist kein Marketinginstrument, sondern ein strategischer Rahmen, der – konsequent umgesetzt – sowohl wirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Mehrwert schafft. Für Unternehmen, die auf internationalen Märkten wettbewerbsfähig bleiben wollen, ist die Integration von ESG in das Tagesgeschäft keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.

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