ESG-Druck wächst: Südafrikas Unternehmen rücken Wertschöpfungsketten in den Fokus
Südafrikanische Unternehmen stehen unter zunehmendem ESG-Druck und müssen Nachhaltigkeit tief in ihre Wertschöpfungsketten integrieren.

Angesichts weltweit wachsender Bedeutung von ESG-Prinzipien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) stehen südafrikanische Unternehmen vor der Aufgabe, Nachhaltigkeit kreativ in ihr Tagesgeschäft einzubinden. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel in den Wertschöpfungsketten. Unternehmen sehen sich mit steigendem Druck konfrontiert, verantwortungsbewusste Beschaffung nachzuweisen, die CO2-Intensität zu senken und für mehr Transparenz in ihren Abläufen und Lieferantennetzwerken zu sorgen.
Treiber dieses Wandels sind unter anderem die CO2-Grenzausgleichssysteme der EU, das südafrikanische Klimaschutzgesetz sowie steigende Erwartungen von Investoren und Banken. Für Unternehmen ist Dekarbonisierung damit zur strategischen Notwendigkeit geworden. Tshepo Ntsane, Berater für nachhaltige Finanzierung und ESG bei der Rand Merchant Bank (RMB), brachte es auf den Punkt: „Dekarbonisierung ist nicht mehr nur eine Frage der Vermeidung oder Minimierung von CO2-Steuern; sie ist tatsächlich entscheidend für den Fortbestand des Geschäftsbetriebs. Sie ist heute eine Grundvoraussetzung für die Geschäftstätigkeit."
Ntsane äußerte sich im Rahmen eines ESG-Webinars, das kürzlich von Creamer Media veranstaltet wurde. Unter der Leitung von Mark Robertson, Principal für Shared Value und Impact Practice bei Genesis, diskutierten Experten aus Bergbau, Energie und Finanzwesen, wie Unternehmen ESG-Aspekte in Beschaffungs-, Produktions- und Betriebssysteme integrieren und Nachhaltigkeitsziele in messbare Maßnahmen umsetzen können.
Scope-3-Risiken werden unterschätzt
Johan Oosthuizen, Associate Director bei SLR Consulting, hob hervor, dass lokale Unternehmen ihre Scope-3-Risiken – also die indirekten Emissionen entlang der Lieferkette – häufig unterschätzen. Er kritisierte, dass Unternehmen Wertschöpfungsketten unnötigerweise lediglich als Risikoverstärker betrachten, anstatt deren Potenzial als Chancenträger zu erkennen. Zudem implementierten viele Unternehmen Managementsysteme, die nicht über die eigenen Unternehmensgrenzen hinausgehen und damit Chancen einschränken.
Oosthuizen betonte die Wichtigkeit, Scope-3-Emissionen zu verstehen und zu steuern – getrieben durch gesetzliche Vorgaben, aber auch durch einen Wandel weg von der alleinigen Verantwortung der Lieferanten hin zu Unternehmen als aktiven Mitgestaltern von Wirkung. Er ermutigte Unternehmen, über Risiken hinauszublicken und Wertschöpfungsketten als sogenannte Impact-Multiplikatoren zu nutzen: „Was wir investieren, ist das Doppelte, Dreifache oder Vierfache dessen, was wir zurückerhalten. Wenn man also den richtigen Schwerpunkt auf seine Liefer- oder Wertschöpfungsketten legt, wird man das Vier- oder Fünffache daraus ziehen."
Dr. Tsakani Mthombeni, Executive für nachhaltige Entwicklung bei Implats, betonte aus der Bergbauperspektive die Bedeutung, die Wesentlichkeit, Anwendbarkeit und Relevanz von ESG-Systemen für das jeweilige Geschäftsumfeld zu verstehen. Märkte und Stakeholder forderten heute mehr Intentionalität von Unternehmen ein. Oosthuizen ergänzte, dass ESG-Ambitionen stets mit der materiellen Situation des Unternehmens in Einklang gebracht werden müssen – und dass eine umfassende Datenerhebung entscheidend sei, um sinnvolle Wirkung zu erzielen, anstatt „ESG um des ESG-Willens" zu betreiben.
Soziale Wirkung als langfristige Strategie
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Zur AktienanalyseTshifhiwa Dzhaudzhau, Spezialist für Umwelt und Soziales bei Pele Green Energy, schloss sich diesen Ansichten an und argumentierte, dass soziale Auswirkungen nicht als bloße Compliance-Übung betrachtet werden sollten. Stattdessen könnten sie so gestaltet werden, dass sie dauerhaften Wert schaffen und Gemeinschaften eine langfristige Teilnahme an Projekten ermöglichen. Die Einführung von Strukturen für Gemeinschaftseigentum, lokale Beschaffungsmöglichkeiten und Kompetenzentwicklung seien dabei zentrale Hebel.
Dzhaudzhau betonte zudem die Bedeutung der Messung von Ergebnissen statt der bloßen Erfassung von Aktivitäten. Soziale Wirkung entstehe durch Konsistenz, Transparenz und langfristige Beteiligung über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts – nicht durch isolierte Einzelmaßnahmen. „ESG ist keine einmalige Initiative; es muss über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts eingebettet sein, wenn es ein sinnvolles und nachhaltiges Ergebnis liefern soll. Es kann keine einmalige Implementierung sein", sagte er.
Für ein Energieunternehmen wie Pele Green Energy bedeute ESG konkret, wie das Unternehmen seine Projekte umsetzt – von der Entwicklung über die Ausführung und den Betrieb bis hin zur Beauftragung von Subunternehmern. Die Diskussion verdeutlicht: ESG ist in Südafrika längst kein optionales Thema mehr, sondern ein integraler Bestandteil unternehmerischer Verantwortung und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit.


