Erneuerbare Energien überholen Kohle weltweit
Solar- und Windkraft decken Nachfragewachstum, China treibt den Ausbau entscheidend voran

Zum ersten Mal in der Geschichte ist im ersten Halbjahr 2025 weltweit mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt worden als aus Kohle. Der entscheidende Faktor für diesen Wandel war der starke Ausbau der Solarenergie, der vor allem in China enorme Fortschritte machte. Nach einer Auswertung der Denkfabrik Ember stieg die weltweite Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast acht Prozent auf 5.072 Terawattstunden. Gleichzeitig sank die Stromproduktion aus Kohle um knapp ein Prozent auf 4.896 Terawattstunden. Der Anteil der Erneuerbaren am globalen Strommix erhöhte sich dadurch auf 34,3 Prozent, während der Kohleanteil auf 33,1 Prozent zurückging.
Die globale Stromnachfrage wuchs in den ersten sechs Monaten des Jahres um 369 Terawattstunden. Dieses Plus konnte vollständig durch den Ausbau von Solar- und Windkraft gedeckt werden. Allein die Solarenergie trug mit einem Zuwachs von 306 Terawattstunden den größten Teil dazu bei, Windkraft steuerte 97 Terawattstunden bei. China war mit 55 Prozent des weltweiten Solarwachstums der wichtigste Treiber, gefolgt von den USA mit 14 Prozent, der Europäischen Union mit 12 Prozent, Indien mit knapp sechs Prozent und Brasilien mit gut drei Prozent. Während Solar- und Windkraft stark zulegten, verzeichneten Wasserkraftwerke einen deutlichen Rückgang, und auch Bioenergie trug weniger zur Stromerzeugung bei. Atomkraft lieferte leicht mehr Strom, fossile Brennstoffe insgesamt etwas weniger.
Fachleute werten diese Entwicklung als frühes Anzeichen eines Wendepunkts. Erstmals wachsen Wind- und Solarenergie so stark, dass sie den steigenden Strombedarf weltweit ausgleichen können. In einzelnen Ländern fällt der Anteil erneuerbarer Energien noch höher aus: In Deutschland lag er im ersten Halbjahr bei 62 Prozent, während Kohle dort nur noch 21 Prozent des Strommixes ausmachte.
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass sich regionale Unterschiede verstärken. China treibt den Umbau des Energiesystems entschlossen voran, während in den USA und Teilen Europas der Rückgriff auf fossile Energieträger erneut zunimmt. Laut Internationaler Energieagentur wird diese Kluft durch die energiepolitischen Weichenstellungen der US-Regierung weiter wachsen. Der Kurswechsel unter Präsident Donald Trump mit einer stärkeren Fokussierung auf Kohle, Gas und Öl bremst das Wachstum erneuerbarer Energien spürbar. Prognosen zufolge wird sich die Zubaukapazität in den USA bis 2030 nur halb so stark entwickeln wie noch vor wenigen Jahren erwartet.
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Zur AktienanalyseDie internationalen Ausbauziele geraten damit unter Druck. Das auf der Weltklimakonferenz 2023 vereinbarte Ziel, die Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 zu verdreifachen, dürfte nach Einschätzung der Energieagentur verfehlt werden. Erwartet wird ein Zuwachs um das 2,6-Fache. Rund 80 Prozent des globalen Ausbaus entfallen auf Solarenergie, die durch sinkende Kosten, schnellere Genehmigungen und breite gesellschaftliche Unterstützung profitiert. Windkraft wächst ebenfalls deutlich, kämpft jedoch mit Lieferengpässen und Genehmigungsproblemen. Die steigende Bedeutung von Wind- und Solarenergie verändert die internationalen Strommärkte und stellt neue Anforderungen an Netze und Versorgungssysteme.

