Ericsson verfehlt Gewinnerwartungen – KI-Nachfrage treibt Chipkosten hoch
Der schwedische Netzwerkausrüster meldet für Q1 2026 einen bereinigten Betriebsgewinn unter den Analystenerwartungen – Halbleiterkosten belasten das Ergebnis.

Ericsson hat im ersten Quartal 2026 einen bereinigten Betriebsgewinn von 5,2 Milliarden schwedischen Kronen (rund 566 Millionen US-Dollar) erzielt. Damit blieb der schwedische Telekommunikationsausrüster hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die im Durchschnitt mit 5,4 Milliarden Kronen gerechnet hatten. Als Ursachen nannte das Unternehmen steigende Chipkosten sowie eine Absatzverlangsamung in Nordamerika.
Auch beim Umsatz enttäuschte Ericsson: Der Nettoumsatz für das erste Quartal lag bei 49,3 Milliarden Kronen, während Analysten einer Infront-Umfrage zufolge im Schnitt 50,7 Milliarden Kronen erwartet hatten. Beide Kennzahlen – Gewinn und Umsatz – verfehlten damit die Marktprognosen.
Steigende Halbleiterkosten durch KI-Boom
CEO Börje Ekholm machte in einer offiziellen Mitteilung die wachsende Nachfrage nach künstlicher Intelligenz für den Kostenanstieg mitverantwortlich. „Wir sind mit steigenden Vorleistungskosten konfrontiert, insbesondere bei Halbleitern, was zum Teil auf die KI-Nachfrage zurückzuführen ist", erklärte Ekholm. Der globale Boom rund um KI-Technologien erhöht den Druck auf die Lieferketten für Chips – ein Effekt, der nun auch bei Netzwerkausrüstern wie Ericsson spürbar wird.
Halbleiter sind ein zentraler Bestandteil moderner Netzwerkinfrastruktur. Wenn die Nachfrage nach Chips durch KI-Anwendungen steigt, verteuern sich diese Komponenten auch für Unternehmen, die sie für Telekommunikationsausrüstung benötigen – ein Kostendruck, der direkt auf die Margen drückt.
Starkes US-Engagement als strategischer Anker
Ericsson zählt neben dem finnischen Konkurrenten Nokia zu den wichtigsten westlichen Anbietern von Netzwerkausrüstung weltweit. Der Konzern ist besonders stark im US-Markt engagiert – ein strategisch bedeutsamer Schritt, der sich als wichtiger Puffer gegen rückläufige Investitionen in anderen Märkten erweisen könnte.
Besonders hervorzuheben ist der im Jahr 2023 abgeschlossene Vertrag mit dem US-Telekommunikationsriesen AT&T im Wert von 14 Milliarden US-Dollar. Dieses Großprojekt unterstreicht Ericssons Bedeutung im nordamerikanischen Markt und soll dazu beitragen, schwächere Investitionen in anderen Regionen auszugleichen.
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Zur AktienanalyseDas starke US-Engagement des Unternehmens findet jedoch vor einem geopolitisch angespannten Hintergrund statt. Die transatlantischen Beziehungen sind unter der Regierung von Präsident Donald Trump belastet, was für international tätige Konzerne wie Ericsson zusätzliche Unsicherheiten mit sich bringt. Dennoch setzt das Unternehmen weiterhin auf den nordamerikanischen Markt als wichtige Wachstumsstütze.
Für deutsche Anleger und Beobachter des Technologiesektors ist das Ergebnis von Ericsson ein weiteres Signal dafür, dass der KI-Boom nicht nur Gewinner produziert: Unternehmen entlang der Lieferkette – darunter auch Netzwerkausrüster – spüren den Kostendruck durch die gestiegene Chip-Nachfrage unmittelbar in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung.


