Enhanced Games: Wie Deutsche Investoren auf Doping-Sport setzen
Ein Sportevent in Las Vegas, bei dem Doping ausdrücklich erlaubt ist – und deutsche Investoren stecken mittendrin.

In Las Vegas ist in den vergangenen Wochen ein ungewöhnliches Freiluftstadion entstanden. Metallbögen überspannen eine Tartanbahn, ein Schwimmbecken und Gewichtheberplattformen. Klassische Zuschauerränge gibt es nicht, Tickets sind nicht erhältlich. Eingeladen wurden ausschließlich Investoren, Prominente und Familienmitglieder – dazu reichlich Platz für Kamerateams. Die Veranstaltung wird live auf YouTube und Twitch übertragen, damit die ganze Welt zusehen kann.
42 Athletinnen und Athleten wurden eigens aus Abu Dhabi eingeflogen. Dort absolvierten sie ein 16-wöchiges Vorbereitungsprogramm aus Ernährung, Training und Regeneration – ergänzt durch individuell abgestimmtes Doping unter permanenter medizinischer Aufsicht. Bei den Enhanced Games in Las Vegas ist genau das ausdrücklich erlaubt.
Auf dem Programm stehen Sprints, Schwimmwettbewerbe und Gewichtheben. Die Preisgelder gehen in die Hunderttausende. Wer einen offiziellen Weltrekord unterbietet, kann bis zu eine Million US-Dollar gewinnen – mehr, als viele der teilnehmenden Sportler in ihrer gesamten klassischen Karriere verdient haben.
Deutsche Köpfe hinter dem Projekt
Während das Event viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, blieben die Organisatoren bislang eher im Hintergrund – obwohl viele von ihnen aus Deutschland stammen. Geschäftsführer und Mitgründer von Enhanced ist Maximilian Martin, ein gebürtiger Münchner. Er studierte Wirtschaft in Frankfurt und Philadelphia, arbeitete anschließend im Investmentbanking und gründete 2020 gemeinsam mit Christian Angermayer das Krypto-Mining-Unternehmen Bitfield, das ein Jahr später verkauft wurde.
Im August 2023 traf Martin auf den Australier Aron D'Souza, den ursprünglichen Initiator der Enhanced Games, der das Unternehmen Ende November jedoch wieder verließ. „Ich habe schnell bemerkt, dass Enhanced für mich die aufregendste Firma ist, die ich je gesehen habe", sagte Martin gegenüber dem Magazin Forbes. Den gesamten Erlös aus dem Verkauf seines vorherigen Unternehmens habe er in Enhanced investiert – zuzüglich eines Kredits. „Auf dem Risikobarometer bin ich im tiefroten Bereich", so Martin.
Zu den weiteren Geldgebern zählt Christian Angermayer – Selfmade-Milliardär, Filmproduzent und einer der bekanntesten Investoren der deutschen Tech-Szene. Sein Beteiligungshaus Apeiron Investment verwaltet nach eigenen Angaben mehr als sieben Milliarden Dollar, mit Schwerpunkten in Biotech, Finanzmarkt, Krypto und Zukunftstechnologien. In Enhanced soll er laut Forbes rund 2,5 Millionen US-Dollar investiert haben.
Verbindungen in die US-Tech-Elite
Über Angermayer führt auch eine der wichtigsten Verbindungen in die amerikanische Tech-Szene: zu Peter Thiel. Der gebürtige Frankfurter ist Mitgründer von Palantir und PayPal sowie erster externer Investor in Facebook. Sportveranstaltungen gehören sonst nicht zu seinem Portfolio. Thiel gilt als Trump-Vertrauter und als einer der zentralen Unterstützer von dessen Vize J.D. Vance.
Auch die von Donald Trump Jr. angeführte Investorengruppe „1789 Capital" soll einen zweistelligen Millionenbetrag in die Enhanced Games investieren.
Das eigentliche Geschäftsmodell: ein Onlineshop
Das Geschäftsmodell von Enhanced reicht weit über das Sportevent hinaus. Auf seiner Website bewirbt das Unternehmen in erster Linie ein breites Sortiment leistungsfördernder Mittel: Testosteron, Peptide, Tadalafil, Sermorelin und auch die Abnehmspritze – alles nur einen Klick entfernt. Die Versprechen: besserer Schlaf, mehr Energie, bessere Durchblutung, schnellere Erholung. Im klassischen Sport stehen viele dieser Mittel auf der Dopingliste.
Ein weiteres Standbein sind die Daten. Bei Training, ärztlicher Betreuung und Wettkämpfen entsteht eine enorme Menge an Athleteninformationen. Enhanced will diese systematisch auswerten und sieht darin ein langfristiges Asset – für wissenschaftliche Kooperationen ebenso wie für die Weiterentwicklung von Produkten im Bereich Leistungsmedizin.
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Zur AktienanalyseHolpriger Börsenstart nach SPAC-Listing
Anfang Mai ging das Unternehmen über einen SPAC-Prozess an die New Yorker Börse und erreichte zum Start eine Marktkapitalisierung von 1,2 Milliarden Euro. Der Börsenauftakt verlief jedoch alles andere als reibungslos: Seit der Emission hat die Aktie mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Ausgegeben wurde sie zu zehn Dollar, aktuell notiert sie bei knapp sechs Dollar.
Als Ursache gelten die anhaltende Kritik am Unternehmen sowie die Kontroverse rund um den Wettkampf selbst. Ärzte und Wissenschaftler warnen vor langfristigen Gesundheitsschäden durch Doping. Auch die Anti-Doping-Agentur Deutschland positionierte sich klar dagegen. „Ein Wettbewerb, der gezielt auf den Einsatz von Dopingmitteln setzt, ist ethisch und moralisch absolut verwerflich", erklärte Vorstandsvorsitzender Dr. Lars Mortsiefer.
Besonders die Wirkung auf junge Athleten bereitet der Agentur Sorge. „Durch die Enhanced Games werden nicht nur falsche Ideale vermittelt, es können auch Vorbilder entstehen, die Entscheidungen junger Sportlerinnen und Sportler negativ beeinflussen", warnte Mortsiefer. Für Privatanleger, die die Aktie im Blick haben, bleibt das Umfeld damit vorerst hochspekulativ.


