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Energiewende neu denken: Mehr Markt, weniger Planvorgaben

E.On-Chef Birnbaum fordert flexible Ausbauziele und geringere Netzbelastungen

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Energiewende neu denken: Mehr Markt, weniger Planvorgaben

E.On-Chef Leonhard Birnbaum hat sich erneut kritisch zur aktuellen Strategie der Energiewende in Deutschland geäußert. Seiner Ansicht nach sollten die Ausbauziele für erneuerbare Energien und Stromnetze flexibler an den tatsächlichen Strombedarf angepasst werden. Andernfalls drohten den Verbrauchern steigende Netzentgelte und höhere Strompreise. Birnbaum sprach sich für eine Abkehr von einer starren, politisch festgelegten Ausbaupolitik aus und plädierte für mehr Marktorientierung.

In einer Rede am Donnerstag in Essen betonte er, dass die Transformation des Energiesystems nicht planwirtschaftlich gesteuert werden könne. Die derzeitige Vorgehensweise mit detaillierten Ausbauzielen führe zu unnötigen und unverhältnismäßig hohen Kosten. Die Energiepolitik müsse agiler und pragmatischer werden, so Birnbaum. Dabei bezog er sich auf die anhaltende Debatte über die ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung für Wind- und Solarenergie, die im Rahmen des sogenannten Oster-Pakets von 2022 beschlossen wurden.

Die rasche Expansion der Solarenergie führt laut Experten zu Herausforderungen bei der Netzstabilität. Im vergangenen Jahr wuchs die installierte Solarkapazität um 16,2 Gigawatt auf insgesamt etwa 100 Gigawatt. Bis 2030 sollen es nach Regierungsplänen 215 Gigawatt werden. Die Netzinfrastruktur kann diesen Zuwachs jedoch bislang nicht in vollem Umfang aufnehmen. Besonders auf der lokalen Ebene, in den Verteilnetzen, könnten Engpässe entstehen. Dies könnte zu sogenannten "Brown-Outs" führen, also vorsorglichen Abschaltungen von Netzabschnitten. Gleichzeitig sorgen staatlich garantierte Einspeisevergütungen dafür, dass Betreiber von Solaranlagen ihren Strom auch dann einspeisen, wenn ausreichend günstige Energie vorhanden ist.

Auch im Bereich der Windkraft stehen erhebliche Zuwächse bevor. Ende 2024 betrug die Kapazität der Onshore-Windkraft 63,5 Gigawatt, bis 2030 sollen es 115 Gigawatt sein. Offshore-Windparks sollen ihre Leistung im gleichen Zeitraum von 9,2 Gigawatt auf mindestens 30 Gigawatt steigern. Kritiker befürchten, dass dieser Ausbau zu hohen Investitionskosten führen könnte, wenn er nicht stärker an den realen Strombedarf gekoppelt wird.

Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey hat kürzlich für Diskussionen gesorgt, da sie von einem geringeren künftigen Strombedarf in Deutschland ausgeht als bislang von der Bundesregierung angenommen. Laut der Analyse werde der Nettostrombedarf im Jahr 2030 bei 530 Terawattstunden liegen, anstatt der bislang prognostizierten 670 Terawattstunden. Eine Anpassung des Ausbaupfads für erneuerbare Energien und Netze an diesen geringeren Bedarf könnte die notwendigen Investitionen bis 2035 von bis zu 850 Milliarden Euro auf etwa 550 Milliarden Euro senken und die Strompreise deutlich reduzieren.

Birnbaum stellte klar, dass sich E.On grundsätzlich zur Energiewende bekenne. Diese sei sowohl ökologisch als auch ökonomisch der richtige Weg. Gleichzeitig kritisierte er jedoch, dass Investoren und Betreiber erneuerbarer Energien derzeit von Mengen- und Preisrisiken befreit seien. Er forderte, dass nur dort neue Anlagen errichtet werden sollten, wo sie aus Sicht der Netzinfrastruktur geringe zusätzliche Kosten verursachen. Zudem sollten Betreiber stärker für netzdienliches Verhalten incentiviert werden.

Ein zentrales Element für eine effizientere Steuerung des Strommarkts sei laut Birnbaum mehr Flexibilität. Diese sei sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite notwendig. Beispielsweise müsse mehr Strom dann verbraucht werden, wenn er günstig verfügbar sei. Eine größere Rolle könnten hier Speicherkapazitäten und dynamische Stromtarife spielen. Seit Anfang des Jahres sind Anbieter verpflichtet, flexible Tarife anzubieten, die sich an den Marktpreisen orientieren. Diese Entwicklung werde jedoch durch eine langsame Verbreitung intelligenter Stromzähler in Deutschland behindert. In diesem Bereich sei das Land europaweit im Rückstand, so Birnbaum.

Neben den Herausforderungen der Energiewende äußerte sich der E.On-Chef auch zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Die Investitionsbedingungen seien derzeit wenig attraktiv, was die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt gefährde. Er kritisierte insbesondere die aus seiner Sicht übermäßige Bürokratie, die Planungen und Investitionen erschwere. Wer genau für den von ihm geforderten Politikwechsel sorgen solle, ließ Birnbaum offen.

EonEnergiewendeStromDeutschland

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