Energiewende fordert deutsche Energiekonzerne heraus
Eon warnt vor Überkapazitäten, RWE sieht sinkende Strompreise als Risiko

Die Energiewende in Deutschland schreitet zügig voran und hinterlässt deutliche Spuren in den Halbjahresbilanzen der großen deutschen Energiekonzerne Eon und RWE. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien verzeichnete im ersten Halbjahr 2024 ein Wachstum von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit deckten erneuerbare Energien 57 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Dieser Anstieg ist vor allem auf den kräftigen Ausbau von Photovoltaikanlagen zurückzuführen, wobei im ersten Halbjahr 7,5 Gigawatt Solarkapazität neu installiert wurden.
Eon-Chef Leonhard Birnbaum äußerte sich jedoch besorgt über die Herausforderungen, die dieser schnelle Ausbau mit sich bringt. Er wies darauf hin, dass der Stromverbrauch in einigen Gebieten, wie etwa im Netzgebiet der Eon-Tochter Edis in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, weit unter der erzeugten Menge liegt. Dort stehen derzeit 14 Gigawatt erneuerbare Energien einer maximalen Verbrauchsspitze von lediglich zwei Gigawatt gegenüber. Birnbaum warnte davor, dass ein weiterer unkontrollierter Ausbau erneuerbarer Energien ohne entsprechende Netzinfrastruktur zu erheblichen Problemen führen könnte.
Birnbaum plädierte zudem für ein Ende der Subventionierung erneuerbarer Energien. Angesichts der steigenden Überkapazitäten sei es an der Zeit, über einen radikalen Paradigmenwechsel nachzudenken. Er verwies auf die Tatsache, dass Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen derzeit noch staatliche Einspeisevergütungen erhalten, die seiner Meinung nach in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen überdacht werden sollten. Diese Forderung steht im Einklang mit den jüngsten Äußerungen von Bundesfinanzminister Christian Lindner, der ebenfalls für ein Ende der Subventionen plädiert hat.
RWE hingegen profitiert grundsätzlich vom Ausbau der erneuerbaren Energien, sieht sich jedoch mit sinkenden Strompreisen konfrontiert. Der Konzern erzeugt mittlerweile 45 Prozent seines Stroms aus regenerativen Quellen, was zu einem Rückgang der CO2-Emissionen um 27 Prozent geführt hat. Dennoch sank das bereinigte Konzern-Ebitda um 30 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Analysten zufolge führt der steigende Anteil erneuerbarer Energien zu sinkenden Strompreisen, was die Profitabilität von Investitionen in diesem Bereich in Frage stellt.
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Zur AktienanalyseTrotz dieser Herausforderungen bleibt RWE international aktiv. In den USA ist das Unternehmen mittlerweile der drittgrößte Anbieter von erneuerbaren Energien. Zudem wurde bekannt, dass der Facebook-Konzern Meta zukünftig einen Teil seines Strombedarfs aus RWE-Solarparks in den USA decken wird. Spekulationen zufolge könnte RWE auch an einer Beteiligung am US-Versorger Calpine interessiert sein, was das Engagement des Unternehmens in den USA weiter stärken würde.


