Energieriesen stoppen geplante Netzverkäufe
Unsicherheit durch gescheiterte Tennet-Übernahme verzögert Milliardeninvestitionen in die Energiewende

Die deutschen Energieunternehmen EnBW und RWE haben ihre Pläne, Anteile an den Übertragungsnetzen zu verkaufen, vorerst auf Eis gelegt. Diese Entscheidung wurde getroffen, nachdem der Bund seine Übernahmepläne für Anteile des Netzbetreibers Tennet vorläufig aufgegeben hat. Tennet ist ein zentraler Akteur in der Stromversorgung, insbesondere für die Stromtrassen vom Norden in den Süden Deutschlands. Die Aufgabe dieses Übernahmevorhabens durch den Bund sorgt für erhebliche Unsicherheit auf dem Energiemarkt, was die Entscheidungen der Energiekonzerne EnBW und RWE maßgeblich beeinflusst hat.
Das Bundeswirtschaftsministerium strebt weiterhin eine stärkere Kontrolle über die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber an, um die Energiewende voranzutreiben. Die bestehenden Stromnetze sind veraltet, und der steigende Strombedarf in den kommenden Jahren macht eine Modernisierung der Infrastruktur unabdingbar. Es ist geplant, das Netz so auszubauen, dass die Windenergie aus dem Norden besser an die Industriezentren im Süden Deutschlands angebunden werden kann. Die Modernisierung und Erweiterung des Stromnetzes soll Schätzungen zufolge mindestens 300 Milliarden Euro kosten.
Ursprünglich hatte die Ampelkoalition im Juni die Übernahme der deutschen Einheit von Tennet durch den Bund in Betracht gezogen, das Vorhaben jedoch aufgrund zu hoher Kosten verworfen. Der Kauf hätte der Regierung mehr Einfluss auf den Ausbau des Netzes und damit auf die Energiewende gegeben. Trotz der Aufgabe des vollständigen Erwerbs wird immer noch eine Minderheitsbeteiligung erwogen. Das Scheitern der Verhandlungen stellt jedoch einen politischen Rückschlag dar und hat dazu geführt, dass auch andere geplante Verkäufe ins Stocken geraten.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseSo hatte EnBW geplant, ihren verbleibenden Anteil am Netzbetreiber TransnetBW GmbH ganz oder teilweise zu verkaufen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die staatliche KfW-Bank einen 25-prozentigen Anteil an diesem Netz für etwa drei Milliarden Euro erworben. Auch RWE hatte verschiedene Optionen für den Verkauf seines 25,1-prozentigen Anteils am Netzbetreiber Amprion geprüft. Diese Beteiligung wird laut einem Bericht von Mai auf etwa 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Beide Unternehmen planen, die Erlöse aus diesen Verkäufen in die Finanzierung ihrer umfangreichen Investitionen in die Energiewende zu stecken, wobei RWE bis 2030 bis zu 55 Milliarden Euro und EnBW bis zu 40 Milliarden Euro investieren möchte. Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten bei Tennet sind diese Verkaufspläne jedoch vorerst ausgesetzt.

