Eli Lilly plant Zulassung für Retatrutid im ersten Quartal 2027
Nach zwei weiteren erfolgreichen Spätphasen-Studien verschiebt Eli Lilly den Zulassungsantrag für sein Adipositas-Medikament Retatrutid auf Anfang 2027.

Eli Lilly hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass das Unternehmen im ersten Quartal 2027 die Zulassung für sein Adipositas-Medikament der nächsten Generation beantragen wird. Ursprünglich hatte der Pharmariese geplant, den Antrag für die wöchentliche Injektion Retatrutid bereits in diesem Jahr einzureichen. Als Grund für die Verzögerung nannte Lilly gegenüber CNBC den Bedarf an mehr Zeit, um die von den Regulierungsbehörden geforderten Herstellungs- und Qualitätskontrolldaten zu sammeln und zu verifizieren.
Trotz der zeitlichen Verschiebung kommen die Neuigkeiten mit positiven Studiendaten: In zwei separaten Phase-3-Studien erzielte Retatrutid signifikante Ergebnisse bei Erwachsenen mit Adipositas und schwerwiegenden Begleiterkrankungen. Damit liegen nun insgesamt positive Ergebnisse aus fünf Spätphasen-Studien zu dem Medikament vor.
Beeindruckende Gewichtsverlust-Ergebnisse in beiden Studien
In der ersten Studie verloren Erwachsene mit Adipositas und Typ-2-Diabetes nach 80 Wochen Behandlung durchschnittlich bis zu 20,8 Prozent ihres Körpergewichts – was fast 50 Pfund entspricht. Diese Patientengruppe gilt als besonders schwer zu behandeln, da Diabetes den Gewichtsverlust erheblich erschwert.
In der zweiten Studie erzielten Erwachsene mit schwerer Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung – mit oder ohne Diabetes – einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von bis zu 22,6 Prozent ihres Körpergewichts, was rund 55,8 Pfund entspricht. Lilly betonte zudem, dass Retatrutid bestimmte kardiovaskuläre Risikofaktoren bei den Patienten deutlich gesenkt habe.
Die Nebenwirkungen des Medikaments waren in beiden Studien sowie in früheren Untersuchungen konsistent. Zu den häufigsten zählten Durchfall, Übelkeit und Verstopfung – Beschwerden, die auch bei der breiteren Klasse der GLP-1-Präparate bekannt sind.
Retatrutid als „Triple G"-Präparat mit neuem Wirkprinzip
Was Retatrutid von bestehenden Behandlungen unterscheidet, ist sein Wirkmechanismus: Das Medikament wird als „Triple G"-Präparat bezeichnet, da es gleichzeitig auf drei Hormone abzielt – GLP-1, GIP und Glucagon. Zum Vergleich: Tirzepatid, der Wirkstoff in Lillys eigenem Zepbound, ahmt lediglich GLP-1 und GIP nach. Das Semaglutid von Konkurrent Novo Nordisk, bekannt als Wirkstoff in Wegovy, zielt ausschließlich auf GLP-1 ab. Dieser breitere Ansatz scheint stärkere Auswirkungen auf Appetit und Sättigungsgefühl zu haben.
Kenneth Custer, Präsident von Lilly Cardiometabolic Health, erklärte, das Unternehmen sei auf Basis der vorliegenden Daten davon überzeugt, über die notwendigen Informationen zu verfügen, um Retatrutid weltweit als potenzielle Behandlung für Adipositas, Schmerzen bei Kniearthrose und obstruktive Schlafapnoe zur Zulassung anzumelden.
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Zur AktienanalyseStrategische Bedeutung im milliardenschweren Markt
Retatrutid ist für Eli Lilly weit mehr als ein weiteres Produkt im Portfolio. Das Medikament soll als nächste Säule neben dem Injektionspräparat Zepbound und der neu eingeführten Pille Foundayo positioniert werden. Analysten von TD Cowen schätzten in einer Notiz vom Januar, dass Retatrutid im Jahr 2030 einen Umsatz von 3,8 Milliarden US-Dollar erzielen könnte.
Der Hintergrund ist ein rasant wachsender Markt: Einige Analysten schätzen, dass das Segment für Abnehm- und Diabetesmedikamente bis in die 2030er Jahre einen Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. In diesem Wettbewerb ist Retatrutid entscheidend für Lillys Plan, seine Marktführerschaft gegenüber dem dänischen Rivalen Novo Nordisk zu behaupten und auszubauen.


