Elektro-Lkw erreichen Kostenparität mit Diesel – Chinesische Konkurrenz wächst
Ex-Scania-Manager sieht Wende im Nutzfahrzeugsektor, während asiatische Hersteller globale Expansion vorbereiten

Die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge nimmt Fahrt auf. Batterieelektrische Lkw erreichen in mehreren Anwendungsbereichen die Kostenparität mit Dieselfahrzeugen, insbesondere wenn staatliche Subventionen genutzt werden können. Dies erklärte Fredrik Allard, ehemaliger Scania-Manager und heutiges Vorstandsmitglied bei Windrose Technology, gegenüber Analysten von Bernstein.
Allard, der zwei Jahrzehnte beim schwedischen Lkw-Hersteller tätig war, sieht verbesserte Wirtschaftlichkeit durch geringeren Wartungsaufwand und effizientere Energienutzung. Entscheidend für die Rentabilität seien hohe jährliche Laufleistungen und Ladekosten unter 0,30 Euro pro Kilowattstunde. Die Analysten von Bernstein bezeichnen Allards Position als "deutlich optimistischer in Bezug auf die Elektrifizierung als die der meisten Investoren".
Dennoch bremsen Faktoren den Durchbruch: Der schleppende Ausbau der Ladeinfrastruktur und instabile staatliche Anreizprogramme halten viele Flottenbetreiber noch zurück. Batterieelektrische Fahrzeuge könnten jedoch langfristig durch weniger bewegliche Teile und bessere Energieausnutzung wirtschaftlicher als Diesel sein.
Chinesische Hersteller drängen auf Weltmarkt
Chinesische Elektro-Lkw-Produzenten bereiten eine umfassende globale Expansion vor. Die installierte Produktionskapazität in China liegt bei 900.000 bis 1 Million Lkw jährlich, während der Heimatmarkt nur etwa 600.000 Einheiten absorbiert. Diese Überkapazität erzeugt Preisdruck und treibt die Unternehmen zur Internationalisierung.
Chinesische Hersteller visieren zunächst Lateinamerika und Afrika an, bevor sie in Europa eintreten. Ihr Vorteil: Sie produzieren bereits Elektro-Lkw der zweiten oder dritten Generation, da China früher auf Elektrifizierung umgeschwenkt ist. Die Bernstein-Analysten erwarten, dass diese Dynamik den Wettbewerbsdruck im nächsten Jahrzehnt erheblich erhöhen wird.
Allerdings könnten chinesische Anbieter ohne etablierte Servicenetze vor Herausforderungen stehen. Einige haben bereits Vereinbarungen mit unabhängigen Werkstätten getroffen und mit der lokalen Montage von Bausätzen begonnen, um diese Lücke zu schließen.
Serviceumsätze unter Druck
Traditionelle Lkw-Hersteller müssen sich auf sinkende Serviceumsätze einstellen. Elektro-Lkw benötigen weniger Ersatzteile und Wartung, besonders beim Antriebsstrang, der etwa die Hälfte des Wartungsbedarfs von Dieselfahrzeugen ausmacht. Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft bleiben jedoch entscheidende kommerzielle Faktoren.
Allard betont, dass speziell für den Elektroantrieb konzipierte Lkw wettbewerbsfähiger sein werden als adaptierte Dieselplattformen. Sie können für Batteriespeicherung, Gewicht und Aerodynamik optimiert werden. Er bezeichnet den Tesla Semi als "sehr wettbewerbsfähiges Produkt", dessen Produktion bereits läuft, stellt aber infrage, wann er Europa erreichen wird.
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Zur AktienanalyseInvestitionszyklus erreicht Höhepunkt
Die Bernstein-Analysten sehen den Höhepunkt der Investitionen nach Jahren gleichzeitiger Ausgaben für Diesel- und Elektrotechnologie überschritten. Sie erwarten weiter sinkende Investitionen in Dieseltechnologie und mehr Partnerschaften zur Kostenteilung. Windrose verkauft beispielsweise sein batterieelektrisches Antriebs-Chassis bereits an andere Hersteller.
Die Richtung der Elektrifizierung hängt laut Allard von drei Faktoren ab: der Entwicklung der Infrastruktur, der Stabilität politischer Rahmenbedingungen und der Fähigkeit der Hersteller, wettbewerbsfähige Fahrzeuge zu liefern. Der Übergang verläuft ungleichmäßig, aber das Tempo beschleunigt sich, da sich die wirtschaftlichen Bedingungen zugunsten der batterieelektrischen Technologie verschieben.


