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Eichbaum-Insolvenz: 350 Jahre Braugeschichte enden nach Karamalz-Verkauf

Alle Rettungsversuche sind gescheitert – die Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum stellt nach fast 350 Jahren den Betrieb ein.

Eichbaum-Insolvenz: 350 Jahre Braugeschichte enden nach Karamalz-Verkauf

Die Mannheimer Brauerei Eichbaum schließt ihre Tore. Nach fast 350 Jahren Unternehmensgeschichte ist kein Ausweg mehr aus der Insolvenz gefunden worden. Trotz umfangreicher Restrukturierungsmaßnahmen arbeite das Unternehmen weiterhin defizitär, Darlehen könnten nicht zurückgezahlt werden, teilte die Brauerei mit. „Vor diesem Hintergrund besteht aus wirtschaftlichen sowie insolvenzrechtlichen Gründen keine andere Möglichkeit, als die Betriebseinstellung einzuleiten", heißt es in der offiziellen Pressemitteilung. Alle 240 Beschäftigten am Standort erhalten betriebsbedingte Kündigungen.

Besonders bitter: Das bekannteste Produkt des Hauses, die Malzbiermarke Karamalz, boomt gerade. Seit dem vergangenen Jahr gehört die Marke dem deutlich größeren Konkurrenten Veltins. Laut Daten des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ hat Karamalz im September 2025 den langjährigen Marktführer Vitamalz – der zur Krombacher-Gruppe gehört – mit einem Marktanteil von 25,5 gegenüber 24,8 Prozent knapp überholt. Der Trend zu alkoholfreien Getränken treibt die Nachfrage an – doch davon profitiert nun Veltins, nicht mehr Eichbaum.

Die Geschichte einer langen Krise

Die Wurzeln von Karamalz reichen bis zur Frankfurter Henninger-Bräu zurück, die das Produkt 1955 als „Henninger Karamell-Kraftbier" einführte. Drei Jahre später wurde der Name auf Karamalz verkürzt. Anfang der 1970er-Jahre übernahm Henninger-Bräu die Mehrheit an der Eichbaum-Brauerei – zeitweise galt die Gruppe als größte Deutschlands.

Es folgten Eigentümerwechsel, Absatzschwierigkeiten und Managementfehler. Ende der 1990er-Jahre geriet Henninger-Bräu in die Krise und fiel auf Rang neun der nationalen Biertabelle. Nach der Insolvenz des damaligen Eigentümers März rettete SAP-Gründer Dietmar Hopp die Gruppe im Jahr 1999, übernahm die Mehrheit und formte das Unternehmen zur Actris AG um. 2001 teilte er die Firma auf: Die Binding-Brauerei, im Besitz der Oetkers, übernahm die regionalen Henninger-Marken, während Karamalz gemeinsam mit Eichbaum bei Hopp verblieb.

Ende 2009 bot Hopp der Eichbaum-Geschäftsführung ein Management-Buy-out an. Vorstandsmitglied Jochen Keilbach übernahm die Brauerei für 6,5 Millionen Euro – gemeinsam mit dem stillen Gesellschafter Andreas Hiby-Durst, einem Unternehmer aus einer Malz-Dynastie. Keilbach stabilisierte das Unternehmen und führte es zurück in die Gewinnzone. Eichbaum stieg zum drittgrößten Bierexporteur Deutschlands auf, mit 40 Exportzielen – größter Einzelabnehmer war China, ein weiterer wichtiger Markt war Russland.

Russland-Geschäft bricht ein, Liquidität schwindet

Spätestens mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 wurden die strukturellen Schwächen sichtbar. Anders als viele Wettbewerber zog sich Eichbaum zunächst nicht aus Russland zurück. Nach drastischen Zollerhöhungen und Sanktionen brach das Exportgeschäft jedoch ein. Gleichzeitig stiegen Energiekosten sowie die Preise für Malz und Hopfen rasant. Im April 2022 stoppte Inhaber Hiby-Durst eine bereits geplante Modernisierung des Flaschenkellers – der Brauerei fehlte schlicht die Liquidität.

Karamalz steuerte zuletzt rund 20 Prozent des Umsatzes bei und war damit das wichtigste Standbein. Doch der Markenerfolg wuchs der vergleichsweise kleinen Brauerei über den Kopf: Eichbaum fehlten sowohl die nötigen Vertriebskanäle als auch die Marketingstärke, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.

Anfang 2024 bat Hiby-Durst die Brauerei Veltins um Hilfe. Ab März 2024 übernahm Veltins – mit 450 Millionen Euro Umsatz und einem Ausstoß von 3,36 Millionen Hektoliter deutlich größer als Eichbaum mit rund 1,8 Millionen Hektoliter – den Vertrieb von Karamalz. Doch nach eineinhalb Jahren beendete Veltins die Zusammenarbeit Mitte September 2025 überraschend. Nach Informationen der WirtschaftsWoche soll Eichbaum über Monate keine Rechnungen für die Vertriebsarbeit von Veltins bezahlt haben. Weder Veltins noch Eichbaum kommentierten dies auf Nachfrage.

Verkauf von Karamalz besiegelt das Ende

Mitte Oktober 2025 vermeldete Veltins die Übernahme der Marke Karamalz. Am 20. Oktober einigten sich beide Brauereien auf den Verkauf – und nur wenige Tage später meldete Eichbaum Insolvenz an. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Eichbaum Karamalz weiterhin im Auftrag von Veltins produziert und abfüllt. Der Verkaufserlös sollte in die längst überfällige Modernisierung der Flaschenabfüllung fließen.

Doch Veltins entschied, die Produktion selbst zu übernehmen. Für Eichbaum war es da bereits zu spät für einen Rückzieher. Mit dem Verkaufserlös konnten zwar noch einige Monate lang die Fixkosten gedeckt werden – ausgelastet war die Brauerei jedoch nicht mehr.

Eine neue Sanierungsgeschäftsführung, bestehend aus Restrukturierungsspezialist Frank Reifel und dem langjährigen Vertriebschef Uwe Aichele, trat an. Ihr Plan sah den Ausbau der Vertriebsaktivitäten und die Erschließung neuer Märkte vor – insbesondere im Bereich sogenannter Ready-to-Drink-Produkte. Aus dem reinen Bierbrauer sollte ein breiter aufgestellter Getränkehersteller werden. Doch keine der geprüften Sanierungs- und Fortführungslösungen erwies sich als umsetzbar.

Das Ende von Eichbaum steht exemplarisch für einen branchenweiten Trend. Allein in Bayern sind in den vergangenen acht Jahren 47 Brauereien aus der Statistik verschwunden – zum Jahresende 2024 waren es noch knapp 600. Deutschlandweit zeigt sich dasselbe Bild: Der Konsolidierungsdruck in der deutschen Brauwirtschaft hält unvermindert an.

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