eBay zahlt 56 Millionen Dollar nach beispielloser Belästigungskampagne gegen Blogger
Ein US-Bloggerpaar erhält 56 Millionen Dollar Entschädigung, nachdem eBay-Manager eine systematische Einschüchterungskampagne gegen sie organisierten.

eBay hat sich im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs zur Zahlung von 56 Millionen US-Dollar an das Bloggerpaar David und Ina Steiner verpflichtet. Die Steiners betreiben den Blog EcommerceBytes, der über E-Commerce-Plattformen wie eBay und Amazon berichtet. Der Fall gilt laut Rechtsexperten als beispiellos in seiner Dimension – und er beginnt mit lebenden Kakerlaken vor der Haustür.
Im August 2019 trafen verstörende Pakete am Wohnhaus der Steiners in einem Vorort von Boston ein: eine Schachtel mit lebenden Kakerlaken, eine blutige Halloween-Maske eines Schweinekopfes, ein Trauerkranz sowie ein Buch mit dem Titel Grief Diaries: Surviving Loss of a Spouse. Gleichzeitig wurden das Paar und ihr Blog in obszönen Social-Media-Posts angegriffen. „Es war eine Kampagne, um uns zu ruinieren und uns dazu zu bringen, unsere Berichterstattung einzustellen", sagte Ina Steiner der Financial Times. „Es war einfach so unbegreiflich und erschreckend."
Die Polizei ermittelte und fand schließlich die Quelle der Belästigungen: die eBay-Zentrale in San Jose, Kalifornien – mehr als 3.000 Meilen vom Wohnort der Steiners entfernt. Leitende Angestellte des Konzerns waren demnach über die Berichterstattung des Paares in Rage geraten und hatten eine koordinierte Einschüchterungskampagne in Gang gesetzt.
Interne Nachrichten enthüllen das Ausmaß der Feindseligkeit
Gerichtsdokumente zeigen, wie tief die Feindseligkeit gegenüber den Steiners in der eBay-Führungsebene verwurzelt war. Eine Führungskraft, deren Beschreibung auf Wendy Jones passt, die damalige Senior Vice President für das weltweite operative Geschäft, bezeichnete Ina Steiner in internen Nachrichten aus dem Jahr 2019 als „Kuh". Der damalige Kommunikationschef Steven Wymer antwortete darauf: „Ihr Tag wird kommen. Manchmal muss man einfach an jemandem ein Exempel statuieren." Nachdem EcommerceBytes über die Vergütung des damaligen CEO Devin Wenig berichtet hatte, schrieb Wymer an diesen: „Wir werden diese Dame vernichten."
Sieben Mitglieder des eBay-Sicherheitsteams, darunter ehemalige Polizeihauptkommissare, setzten die Kampagne laut Staatsanwaltschaft aktiv um. eBay-Mitarbeiter reisten eigens von Kalifornien nach Massachusetts, um David Steiner zu beschatten. Sie abonnierten in seinem Namen Pornomagazine unter der Adresse seines Nachbarn und veröffentlichten die Privatadresse des Paares im Internet mit einer Aufforderung an Fremde, sie für Sex zu kontaktieren. Das US-Justizministerium bezeichnete das Verhalten als „absolut entsetzlich" und erklärte, die Kampagne habe die Opfer „durch die reine Hölle geschickt".
Jahrzehntelange Geschichte zwischen Bloggern und eBay
Die Steiners hatten eine lange Vorgeschichte mit eBay. Das Paar entdeckte die Plattform im Jahr 1999, als David Steiner alte Kameraausrüstung verkaufen wollte. Der Verkauf verlief „einwandfrei", wie er sagte, und bald waren beide begeisterte eBay-Verkäufer. Sie gründeten EcommerceBytes, um eine Informationslücke für Kleinunternehmer auf E-Commerce-Plattformen zu schließen. Der Blog wurde zu einer beliebten Ressource und zum Vollzeitjob des Paares.
In den frühen 2000er Jahren pflegte das Paar noch eine „sehr professionelle" Beziehung zu eBay. Die Stimmung kippte laut den Steiners ab 2008, als eBay sich zunehmend an große Einzelhändler wandte und die treue Gemeinschaft der Einzelverkäufer – die Kernleserschaft von EcommerceBytes – vernachlässigte. „Wir sahen eine spürbare Veränderung darin, wie eBay die Verkäufer behandelte und wie eBay auf uns reagierte", sagte David Steiner. Den entscheidenden Auslöser für die Eskalation im Jahr 2019 lieferte ein Artikel von Ina Steiner, in dem sie berichtete, dass CEO Devin Wenig eine „verschwenderische" Nachbildung einer New Yorker Taverne in der eBay-Zentrale in Auftrag gegeben hatte, während die Unternehmensgewinne zurückgingen. „Das traf einen Nerv", sagte sie.
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Zur AktienanalyseVergleich nach sieben Jahren Rechtsstreit
Der Rechtsstreit zog sich über sieben Jahre hin und endete vergangene Woche mit dem Vergleich über 56 Millionen US-Dollar. Vincent Joralemon, Direktor an der UC Berkeley Law und ehemaliger Wirtschaftsanwalt, ordnete die Einigung ein: „In Bezug auf eine Zivilstrafe eines Unternehmens gegenüber Journalisten ist dies in seiner Größenordnung beispiellos." Ina Steiner beschrieb die Situation als „David-gegen-Goliath". Die Erleichterung über die Aufdeckung der Täter sei jedoch nur von kurzer Dauer gewesen: „Die Erleichterung, zumindest herauszufinden, wer es war, hielt etwa 30 Sekunden an. Und dann wurde uns die volle Wucht dieses Multimilliarden-Dollar-Konzerns bewusst, der versuchte, uns zu vernichten."
In einer Erklärung im Rahmen des Vergleichs entschuldigte sich eBay bei den Steiners und verurteilte „aufs Schärfste" die mit den Belästigungen in Verbindung stehenden Mitarbeiter. Das Verhalten sei „falsch, verwerflich und hätte niemals passieren dürfen". eBay räumte zudem den „unprofessionellen Ton in der internen Kommunikation" ein und betonte, das Verhalten von 2019 spiegele nicht die heutige Unternehmenskultur wider. Das Unternehmen hatte sich bereits 2023 im Zusammenhang mit dem Fall schuldig bekannt.


