E-Auto-Unfall: Abschleppkosten bis 1.300 Euro durch Quarantäne
Nach Unfällen mit Elektrofahrzeugen drohen Haltern hohe Verwahrkosten. Abschleppdienste verlangen für Sicherheitsquarantänen teils über 100 Euro pro Tag. Ein aktueller Fall zeigt die Kostenfalle.

**Sicherheitsquarantäne wird zur finanziellen Belastung
**
Nach einem Verkehrsunfall erwarten Autofahrer schnelle und unkomplizierte Hilfe. Doch für Besitzer von Elektrofahrzeugen kann der Abschleppdienst zur kostspieligen Falle werden. Besonders problematisch: Wird das verunfallte E-Auto nicht direkt in eine Werkstatt gebracht, sondern zunächst auf einem Abschlepphof zwischengelagert, entstehen oft erhebliche Verwahrkosten. Dies betrifft vor allem Unfälle an Wochenenden oder Feiertagen, wenn Werkstätten geschlossen haben.
Abschleppunternehmen verhängen häufig Sicherheits- oder Quarantänemaßnahmen, um potenzielle Brandrisiken durch beschädigte Hochvoltbatterien auszuschließen. In der Praxis bedeutet dies: Das Fahrzeug wird isoliert und mit großem Sicherheitsabstand zu anderen Autos abgestellt. Für diese Sonderverwahrung berechnen viele Dienstleister hohe Tagessätze, die schnell in die Hunderte Euro gehen können.
**
Praxisfall: 1.300 Euro für elf Tage Standzeit
**
Wie teuer es werden kann, zeigt ein aktueller Vorfall aus Norddeutschland. Nach einem Wildunfall im Harz Ende Dezember wurde ein beschädigtes Elektroauto abgeschleppt und rund 20 Kilometer vom Unfallort entfernt abgestellt. Das Fahrzeug wies sichtbare Karosserieschäden auf – Risse in Frontschürze und Kotflügel sowie einen gelösten Scheinwerfer. Strukturelle Schäden lagen jedoch nicht vor, der Airbag hatte nicht ausgelöst und es gab keine Anzeichen für eine thermische Gefährdung der Batterie.
Trotz der vergleichsweise leichten Schäden gab der Abschleppdienst vor, bis Anfang Januar Betriebsferien zu haben. Das Auto konnte erst elf Tage später freigegeben werden. Bei der Abholung verlangte das Unternehmen vom Halter eine Verwahrgebühr von rund 1.300 Euro – zahlbar per sofortiger Direktüberweisung. Jeder weitere Tag sollte mit mehr als 100 Euro berechnet werden. Die Begründung: eine notwendige Sicherheitsquarantäne mit großem Sperrbereich.
**
Unklare Zuständigkeiten verschärfen das Problem
**
Besonders problematisch für Betroffene ist die oft unklare Zuständigkeit bei der Kostenübernahme. Abschleppdienste werden häufig über Schutzbriefe oder Versicherungen vermittelt. Stand- und Verwahrkosten sind dort jedoch nicht immer ausdrücklich abgedeckt. Versicherer und Automobilclubs sehen sich dann mitunter nicht als Auftraggeber für die Verwahrung, während der Abschleppdienst die Herausgabe des Fahrzeugs von einer Zahlung des Halters abhängig macht.
E-Autofahrer sollten deshalb nach einem Unfall besonders aufmerksam sein und folgende Punkte klären: Entstehen Stand- oder Verwahrkosten? Wie hoch sind die Tagessätze? Gibt es spezielle Quarantäneregeln für Elektrofahrzeuge? Wer übernimmt diese Kosten – Versicherung, Schutzbrief oder Halter selbst?
**
VDA-Leitfaden soll für mehr Klarheit sorgen
**
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseHoffnung auf Besserung macht ein neuer Leitfaden des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Der Branchenverband hat gemeinsam mit ADAC, Abschlepp- und Bergungsunternehmen sowie Feuerwehrschulen konkrete Handlungsempfehlungen für den Umgang mit verunfallten Elektrofahrzeugen erarbeitet. Ziel ist es, Unsicherheiten bei Rettung, Bergung und Verwahrung zu reduzieren und überzogene Quarantänemaßnahmen zu vermeiden.
Der VDA kritisiert, dass E-Autos bislang teils selbst bei Bagatellschäden aus Vorsicht tagelang isoliert abgestellt oder Batterien unnötig ausgebaut werden – mit entsprechend hohen Folgekosten. Der Leitfaden soll für mehr Professionalität und Verhältnismäßigkeit sorgen und damit auch finanzielle Risiken für Halter und Versicherer begrenzen. Viele E-Auto-Hersteller empfehlen, dass sich eine Quarantäne bei leichten Schäden nach spätestens 24 Stunden erübrigen sollte.
**
Handlungsempfehlungen für E-Auto-Halter**
Im Idealfall wird das verunfallte Fahrzeug direkt in eine Werkstatt oder zu einem vom Versicherer benannten Betrieb gebracht. Ist eine Zwischenlagerung unvermeidbar, sollten die Konditionen klar benannt und dokumentiert werden. Denn steht das Auto erst einmal auf dem Hof eines Abschleppdienstes, geraten Betroffene schnell in eine Situation, in der sie kaum noch Einfluss auf Dauer und Kosten der Verwahrung haben.
Der Fall zeigt deutlich: Elektroautos bringen nach Unfällen nicht nur technische Besonderheiten mit sich, sondern auch neue finanzielle Risiken. Transparenz beim Abschleppen ist deshalb entscheidend, damit aus der erhofften Hilfe keine teure Falle wird. Auch sollten verbindliche Regelungen hinsichtlich der Vorgaben für Quarantänemaßnahmen etabliert werden, um Halter vor ungerechtfertigten Kosten zu schützen.


