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E-Auto-Produktion: Ostdeutschland überholt den Westen deutlich

60 Prozent der ostdeutschen Pkw-Fertigung sind bereits elektrisch – Westdeutschland hinkt mit 35 Prozent hinterher

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E-Auto-Produktion: Ostdeutschland überholt den Westen deutlich

Die ostdeutsche Automobilindustrie hat sich zum Vorreiter der Elektromobilität entwickelt. Laut Berechnungen des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) waren 2024 bereits 60 Prozent aller in den neuen Bundesländern produzierten Pkw rein elektrisch. Im Vergleich dazu liegt der E-Auto-Anteil in Westdeutschland bei nur 35,1 Prozent, bundesweit bei 40,2 Prozent.

Die absoluten Produktionszahlen fallen im Westen zwar noch höher aus, da dort traditionell mehr Fahrzeuge vom Band laufen. Schwerpunkte der westdeutschen Automobilproduktion bleiben Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Doch der Vorsprung beim Elektroanteil zeigt: Ostdeutschland hat den Strukturwandel konsequenter vollzogen.

Den hohen E-Auto-Anteil verdankt der Osten vor allem zwei Leuchtturmprojekten. Volkswagen baute sein Werk in Zwickau bis 2020 zum ersten reinen Elektrostandort Europas um. Dort entstehen heute Modelle von VW, Audi und Cupra. 2022 folgte Tesla mit seiner Gigafactory in Grünheide bei Berlin – dem ersten und bisher einzigen europäischen Werk des US-Konzerns.

Brandenburg als E-Auto-Pionier

Brandenburg nimmt eine Sonderstellung ein: Als erstes deutsches Bundesland produziert es ausschließlich Elektrofahrzeuge. Vor der Tesla-Ansiedlung gab es dort keine Automobilwerke. Die größte Stückzahl im Osten entfällt allerdings auf Sachsen, wo neben VW Zwickau auch BMW und Porsche in Leipzig produzieren.

BMW Leipzig war 2013 mit dem i3 sogar Deutschlands erster E-Auto-Produktionsstandort. Der kompakte Stromer blieb allerdings ein Nischenprodukt. Heute bauen die Leipziger Werke sowohl Verbrenner als auch Elektromodelle – ein Hybridsystem, das Flexibilität verspricht.

Mehr als 200.000 Menschen arbeiten laut ACOD-Geschäftsführer Jens Katzek in der ostdeutschen Automobilindustrie und bei Zulieferern. "Damit hängen mehr Industriearbeitsplätze im Osten am Automobil als in Westdeutschland", betont Katzek. Gleichzeitig sei der Druck besonders hoch, dass die Transformation gelingt.

Politischer Druck wächst

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), unterstreicht die Bedeutung: Jeder vierte Industriearbeitsplatz in Ostdeutschland hängt am Automobilsektor. Dieser steht unter massivem Druck durch internationalen Wettbewerb, Zölle und die Umstellung auf klimafreundliche Antriebe.

Bei einem "Branchendialog Automobil" forderte Kaiser von den Konzernzentralen klare Standortzusagen. "Die Bundesregierung hat einiges für die Stützung getan – jetzt brauchen wir ein Signal, dass im Gegenzug Arbeitsplätze gesichert werden", so Kaiser. Umweltminister Carsten Schneider ergänzte, Vorreiterstandorte wie Zwickau müssten dauerhaft abgesichert werden.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner wird noch deutlicher: "Es braucht jetzt Investitionen und verbindliche Standortzusagen. Die schwarze Wolke namens Verlagerung muss weg!" Sie fordert Local-Content-Verpflichtungen nach dem Prinzip: Wer in Deutschland verkaufen will, muss auch hier fertigen.

Andreas Rade vom Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt vor Investitionsverlagerungen ins Ausland. "Wir haben ein massives Standortproblem. Die Politik muss alles tun, was Wachstum schafft", mahnt der VDA-Geschäftsführer. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Ostdeutschlands Vorreiterrolle bei der E-Mobilität auch langfristig Bestand hat.

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