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Dürr AG: Wie der Anlagenbauer die China-Konkurrenz schlägt

Weltmarktführer setzt auf Spezialisierung und lokale Produktion – Umsatz halbiert, aber Position stabilisiert

Dürr AG: Wie der Anlagenbauer die China-Konkurrenz schlägt

Die goldenen Jahre sind vorbei. 2015 erwirtschaftete der Lackieranlagenspezialist Dürr aus Bietigheim-Bissingen noch eine Milliarde Euro in China. Heute liegt der Umsatz nur noch bei der Hälfte. Doch CEO Jochen Weyrauch gibt nicht auf – im Gegenteil: Das Unternehmen hat einen Weg gefunden, sich gegen die aggressive chinesische Konkurrenz zu behaupten.

Die Situation für deutsche Maschinenbauer in China ist dramatisch. Chinesische Wettbewerber sind technologisch auf Augenhöhe, deutlich günstiger und aggressiv im Marketing. "Die deutschen Maschinenbauer standen in China lange an der Spitze der Nahrungskette. Doch das hat sich radikal geändert", warnt China-Experte Sebastian Heilmann von der Universität Trier. Die Deutschen drohten zu "Beiträgern für die chinesische Lieferkette" degradiert zu werden.

Spezialisierung als Schlüssel zum Erfolg

Dürr hat eine Nische gefunden, die selbst in China schwer zu kopieren ist: spezialisierte Lackierroboter mit maßgefertigten Sprühanlagen. Die Technologie entwickelt das Unternehmen seit Jahren am Stammsitz in Bietigheim-Bissingen. Als unangefochtener Marktführer verfügt Dürr über einzigartiges Know-how und Industrieerfahrung. Das Ergebnis: "Auch in China wird jedes zweite Auto von Dürr lackiert", betont Weyrauch stolz.

Doch Technologievorsprung allein reicht nicht mehr. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, lokalisierte Dürr die Produktion seiner Holzbearbeitungstechnik während Corona – mit einer Kostenersparnis von 20 Prozent. Jetzt geht das Unternehmen den nächsten Schritt: Design und Entwicklung werden nach China verlagert, lokale Ingenieure und KI-Spezialisten engagiert, die Lieferketten komplett lokalisiert. Erwartete Einsparung: weitere 50 Prozent.

China als Sprungbrett in Drittmärkte

Die Strategie zahlt sich aus – wenn auch anders als erwartet. China ist für Dürr nicht mehr nur Absatzmarkt, sondern zunehmend Exportbasis. Chinesische Autobauer drängen nach Südamerika, Afrika und Südostasien – und Dürr liefert die Lackieranlagen für die neuen Fabriken mit. "Wir gehen jetzt huckepack mit China in die Welt", beschreibt Weyrauch die neue Strategie.

Die Zahlen belegen den Erfolg: Im vergangenen Jahr erwirtschafteten Dürrs chinesische Konzerngesellschaften allein mit dem Export rund 250 Millionen Euro. Die chinesischen Entwicklungs- und Produktionsanlagen werden zum wachsenden Export-Hub. Mit rund 3000 Beschäftigten in China erwirtschaftet Dürr dort immer noch mehr als 15 Prozent der Gesamteinnahmen.

Für Weyrauch ist klar: "Ein Rückzug aus dem Markt ist keine Option." Nach Jahren des Niedergangs hat sich das Unternehmen stabilisiert. Die Lektion für andere deutsche Maschinenbauer: Nur mit höchster Spezialisierung, konsequenter Lokalisierung und der Bereitschaft, China als globale Produktionsbasis zu nutzen, lässt sich die Position halten. Neue Jobs in Deutschland entstehen dabei allerdings nicht.

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