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DSL-Abschaltung: Telekom-Rivalen fordern rasches Ende des Kupfernetzes

Vodafone und Deutsche Glasfaser drängen auf ein Ende von DSL bis 2035 – die Telekom lehnt erzwungene Abschaltungen klar ab.

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DSL-Abschaltung: Telekom-Rivalen fordern rasches Ende des Kupfernetzes

Der Glasfaser-Ausbau in Deutschland stockt – nicht wegen fehlender Leitungen, sondern wegen mangelnder Nachfrage. Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot hat auf der Breitband-Messe Anga Com in Köln eine klare Forderung gestellt: DSL, also das klassische Internet über Telefonleitungen, soll schrittweise abgeschaltet werden. „Lasst uns 2028 damit beginnen", sagte de Groot. Bis 2035 könnte der Prozess abgeschlossen sein – und damit eine bislang unverbindliche Vorgabe der EU-Kommission erfüllt werden.

De Groot plädierte dafür, dass Verbraucher auf schnellere Technologien umsteigen. Dabei meinte er ausdrücklich nicht nur Glasfaser, sondern auch Fernsehkabel-Internet – eine Technologie, bei der Vodafone selbst eine starke Marktstellung hält. Kabel-Internet ist schneller als DSL, gilt aber als weniger stabil als echtes Glasfaser bis ins Haus (FTTH, Fiber to the Home).

Milliardeninvestitionen, aber kaum neue Kunden

Die Zahlen zeigen das Dilemma deutlich: Laut einer Marktstudie des Branchenverbandes VATM werden am Jahresende 21,8 Millionen DSL-Anschlüsse aktiv sein. Dem stehen lediglich 7,8 Millionen aktive Glasfaser-Anschlüsse und 8,5 Millionen Fernsehkabel-Anschlüsse gegenüber. Obwohl die Glasfaser vielerorts bereits vor der Haustür liegt, scheuen viele Haushalte den Wechsel.

Diese Zurückhaltung hat handfeste wirtschaftliche Konsequenzen. Andreas Pfisterer, Chef der Deutschen Glasfaser, brachte es auf den Punkt: „Das Thema Glasfaserausbau ist in Deutschland für Finanzierende fast schon toxisch geworden." Sein Unternehmen hat daraufhin seine Ausbauziele bereits nach unten korrigiert – ein deutliches Signal für Investoren, die den Sektor beobachten.

Auch Timo von Lepel, Chef des kommunalen Kölner Unternehmens Netcologne, forderte staatlichen Druck auf die Telekom, das DSL-Netz schrittweise stillzulegen. „Wir sollten so früh wie möglich das Startsignal für die Kupfer-Glas-Migration geben, das schafft Investitionswillen", sagte von Lepel. Für Anleger, die in Infrastrukturwerte investiert sind, ist diese Debatte unmittelbar relevant: Ohne klare politische Weichenstellung bleibt die Rentabilität neuer Glasfasernetze fraglich.

Telekom verteidigt ihre DSL-Kunden

Die Deutsche Telekom, als klarer Marktführer im DSL-Segment, reagierte zurückhaltend auf die Forderungen der Konkurrenz. Eine Telekom-Sprecherin betonte, eine Abschaltung des Kupfernetzes dürfe „erst erfolgen, wenn flächendeckend gleichwertige Glasfaseranschlüsse verfügbar sind". Andernfalls drohten Versorgungslücken, besonders in wirtschaftlich weniger attraktiven Regionen.

Die Jahreszahl 2028 bezeichnete die Sprecherin als „völlig aus der Luft gegriffen". Zudem wäre ein erzwungener Anbieterwechsel durch eine Abschaltung „ein erheblicher Eingriff in die Wahlfreiheit der Verbraucher, den wir klar ablehnen". Die Telekom übte auch direkte Kritik an Vodafone: Es sei „irritierend", dass der Rivale seine eigenen kupferbasierten Kabelnetze aus der Debatte heraushalte. Gerade dort, wo Kabelnetze vorhanden seien, sei die Nachfrage nach echtem Glasfaser besonders gering. Mit aggressiver Preispolitik und „Gigabit"-Versprechen werde der Wechsel auf FTTH unattraktiv gemacht, so der Vorwurf.

Digitalminister mahnt zur Besonnenheit

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) trat ebenfalls bei der Anga Com auf und versuchte, zwischen den Lagern zu vermitteln. Er betonte, alle Marktteilnehmer müssten ihrer Verantwortung gerecht werden – inklusive einer „angemessenen und marktgerechten Bepreisung der verschiedenen Produkte". Ein konkretes Datum für den Beginn der DSL-Abschaltung nannte Wildberger jedoch nicht. „Das geht nicht mit der Brechstange", sagte der Minister. Es müsse zunächst gute Alternativen geben, bevor dieser Schritt vollzogen werden könne.

Für Privatanleger bleibt die Lage damit unübersichtlich: Der Glasfaser-Ausbau ist politisch gewollt, wirtschaftlich aber noch nicht ausreichend rentabel. Solange die Migrationsdebatte ohne klare gesetzliche Vorgaben bleibt, dürfte der Investitionsdruck im Sektor hoch bleiben.

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