Drohnenangriff auf LNG-Schiffe in ägyptischem Mittelmeerhafen Damietta
Zwei Flüssigerdgas-Schiffe im Hafen von Damietta wurden getroffen – die Energieinfrastruktur im Nahen Osten gerät zunehmend unter Beschuss.

Ägypten hat am Donnerstag bestätigt, dass eine Drohne zwei Schiffe im Mittelmeerhafen Damietta getroffen hat. Laut der staatlichen Middle East News Agency ergab eine erste Untersuchung, dass der Angriff am Mittwoch einen Brand an Bord der Schiffe auslöste. Bisher hat sich keine Gruppe zu dem Angriff bekannt.
Betroffen sind die schwimmende Speicher- und Regasifizierungseinheit Energos Winter sowie der LNG-Tanker GasLog Salem. Das Handelsanalyseunternehmen Kpler bestätigte die Beschädigungen beider Schiffe. Das ägyptische Ministerium für Erdöl und mineralische Ressourcen erklärte, die Brände seien auf einem Regasifizierungsschiff und einem Lagerschiff ausgebrochen.
Das Ministerium betonte in einer offiziellen Erklärung: „Die Situation wurde in Übereinstimmung mit den genehmigten Notfall- und Schnellreaktionsplänen durch die koordinierten Bemühungen der zuständigen Behörden sowie der Brandbekämpfungs- und Sicherheitsteams vor Ort umgehend bewältigt." Damietta gilt als wichtiges Drehkreuz für Flüssigerdgas (LNG) in der Region.
Strategische Bedeutung des Hafens Damietta
Der Angriff verdeutlicht, dass auch die Energieinfrastruktur in der Nähe des Suezkanals zunehmend Sicherheitsbedrohungen ausgesetzt ist. Die Huthis aus dem Jemen versuchen bereits, den Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres zu kontrollieren. In der vergangenen Woche erklärten die Huthis zudem ein See-Embargo gegen Saudi-Arabien, was die Energieexporte des Königreichs durch das Rote Meer gefährdet.
Saudi-Arabien kann zwar einen Teil seines Öls über eine Pipeline umleiten, die durch Ägypten verläuft. Allerdings müsste Riad einen Teil des Öls an der Pipeline entladen und die Ladung dann an der Mittelmeerküste wieder aufnehmen, da der Suezkanal für voll beladene Supertanker zu flach ist. Diese Abhängigkeit von der ägyptischen Transitroute macht den Hafen Damietta zu einem strategisch sensiblen Punkt.
Eskalation im gesamten Nahen Osten
Der Angriff in Ägypten reiht sich in eine Serie von Attacken auf Energieinfrastruktur in der gesamten Region ein. Der Iran, seine Huthi-Verbündeten im Jemen und irakische Milizen haben ihre Angriffe zuletzt deutlich ausgeweitet. Die Huthis behaupteten am Montag, sie hätten die Pipeline-Infrastruktur in Saudi-Arabien angegriffen, die Öl zum Hafen von Yanbu am Roten Meer transportiert.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseMit dem Iran verbündete Milizen im Irak starteten diese Woche Drohnenangriffe auf die Ölinfrastruktur in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad und in den östlichen Regionen. Als Reaktion darauf führten US-amerikanische und saudi-arabische Kampfflugzeuge am Dienstag gemeinsame Vergeltungsangriffe gegen irakische Milizen durch. Die USA starteten zudem über Nacht eine neue Welle von Angriffen gegen den Iran als Vergeltung für einen versuchten Raketenangriff der Islamischen Revolutionsgarde auf amerikanische Streitkräfte.
Trotz der anhaltenden Eskalation reagierten die Rohöl-Futures am Donnerstag verhalten: Die Preise notierten leicht im Minus. Für deutsche Anleger und Energieverbraucher bleibt die Lage dennoch bedeutsam, da Störungen der LNG-Versorgungswege im östlichen Mittelmeer direkte Auswirkungen auf die europäischen Energiemärkte haben könnten.


