Drohnen für den Frieden: Wie ein tschechisches Start-up im Ukrainekrieg unerwarteten Erfolg fand
Vom zivilen Markt zur Frontlinie: Primocos Drohnen im Dienste der Aufklärung und europäischen Zusammenarbeit

Der tschechische Unternehmer Ladislav Semetkovsky mag sich selbst als Pazifisten bezeichnen, aber sein Start-up-Unternehmen Primoco hat inmitten des Ukrainekrieges einen unerwarteten Aufschwung erlebt. Primoco stellt Drohnen her, unbemannte Kleinflugzeuge (UAV), die in dem von Konflikten gebeutelten Land Ukraine besonders gefragt sind. Die ukrainische Armee setzt diese Drohnen für Aufklärungszwecke ein, um russische Stellungen zu lokalisieren und die Informationen an die ukrainische Artillerie oder Luftwaffe weiterzugeben. Ladislav Semetkovsky betont, dass nirgendwo sonst so viele ihrer Geräte im Einsatz sind wie in der Ukraine.
Ursprünglich hatte Semetkovsky bei der Gründung seines Unternehmens im Jahr 2015 andere Anwendungsgebiete für seine Drohnen im Sinn. Er plante, sie zur Überwachung von Infrastruktureinrichtungen wie Gas- und Erdölpipelines einzusetzen, insbesondere in Russland, da Gazprom eines der größten Fernleitungsnetze der Welt betreibt. Bislang wurden Helikopter für die Überwachung eingesetzt, doch Semetkovsky glaubte fest daran, dass Drohnen diese Aufgabe kostengünstiger erfüllen könnten.
Allerdings hat der Ukrainekrieg die Pläne von Primoco völlig umgekrempelt. Anstatt Gazproms Pipelinenetz zu überwachen, sind die Drohnen nun für die ukrainische Armee im Einsatz. Für Semetkovsky ist dies ein zwiespältiges Thema, da er eine enge Verbindung zu Russland hat und der Krieg diese Verbindung zerrissen hat.
Ladislav Semetkovsky hatte zuvor in Russland als Verleger gearbeitet und war in Tschechien Gründer einer Online-Mediengruppe, die sich auf Wohnthemen spezialisierte. Doch in Russland interessierte sich kaum jemand für diese Themen, also wechselte er zur Tourismusbranche. Mit der Zeit entwickelte er den Wunsch, etwas Greifbares neben den Online-Medien zu schaffen. Als begeisterter Hobbyflieger stieg er mit einem Co-Investor und einem Ingenieur in das Drohnengeschäft ein.
Die Drohnen von Primoco haben auch im zivilen Sektor vielfältige Anwendungen, wie etwa im Küsten- und Grenzschutz. Die slowakische Polizei plant, Primocos Drohnen für solche Zwecke einzusetzen. Doch die Zusammenarbeit mit zivilen Behörden gestaltet sich oft schwierig, da bürokratische Prozesse langsam voranschreiten und Widerstand von traditionellen Helikopterpiloten besteht, die um ihre Arbeitsplätze fürchten.
Die in der Ukraine eingesetzten Primoco-Drohnen wurden von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg gekauft und dann an die Ukraine gespendet. Die ukrainischen Bediener wurden in Tschechien ausgebildet, und wenn sie Probleme mit den Drohnen haben, können sie auf die Unterstützung von Semetkovskys Team zählen.
Der Ukrainekrieg hat auch den Genehmigungsprozess für den Export beschleunigt. Es dauerte Jahre, bis Primoco seine Geräte in den Irak liefern durfte, um die Grenze zur Türkei zu überwachen. Im Gegensatz dazu wurde die Zustimmung zur Lieferung in die Ukraine innerhalb weniger Stunden erteilt.
Während die europäische Wirtschaft in einer Krise steckt, blüht der Rüstungssektor auf. Die NATO-Mitgliedsstaaten haben zugesagt, zwei Prozent ihres BIP für Verteidigung auszugeben, und der Ukrainekrieg hat sie dazu veranlasst, diese Verpflichtung ernsthaft zu prüfen. Dies erfordert jedoch erhebliche Ausgaben, und die Regierungen sind bestrebt, Waffen zu bestellen, um die Lücken in ihren Verteidigungsbudgets zu schließen. Davon profitiert der gesamte Rüstungssektor, einschließlich des jungen Unternehmens Primoco. Der Aktienkurs des Unternehmens hat sich verdreifacht, und der Umsatz ist in den ersten neun Monaten des Jahres erheblich gestiegen.
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Zur AktienanalyseIm Juni 2023 vereinbarte Primoco eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit mit Airbus Defence and Space. Diese Partnerschaft soll dazu beitragen, eine europäische UAV-Industrie zu etablieren. Die militärische Bedeutung von Drohnen hat in Anbetracht der aktuellen Ereignisse in der Ukraine stark zugenommen. Primoco plant außerdem den Bau eines neuen Werks bis 2027, um die Produktion zu steigern und der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
Ladislav Semetkovsky betont jedoch, dass seine Drohnen niemals Waffen tragen werden, und sein langjähriger Co-Investor hat gedroht, seine Anteile zu verkaufen, wenn die Drohnen jemals Menschen töten sollten. Trotz des Aufschwungs bleibt Primoco somit seinem ursprünglichen Ziel treu, innovative Technologie für friedliche Zwecke einzusetzen.


