Drei wirtschaftliche Kräfte könnten globale Elektrofahrzeug-Produktion ankurbeln
Ein neuer WoodMac-Bericht identifiziert Ölschocks, hohe Kraftstoffpreise und Technologieinnovationen als entscheidende Treiber für Elektromobilität weltweit.

Ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht von Wood Mackenzie (WoodMac) zeigt: Drei aufstrebende wirtschaftliche Kräfte könnten die weltweite Produktion von Elektrofahrzeugen erheblich ankurbeln. Die Auswirkungen wären weitreichend – sie beträfen die Öl-, Strom- und Metallmärkte gleichermaßen.
Laut dem Bericht handelt es sich dabei um Ölversorgungsschocks infolge von Kriegen in erdölproduzierenden Ländern wie Russland und Iran, hohe Kraftstoffpreise, die Verbraucher zum Umstieg auf Elektrofahrzeuge bewegen, sowie technologische Innovationen. Diese drei Faktoren könnten zusammen eine neue Dynamik in der globalen Automobilindustrie auslösen.
Chinas Technologievorsprung und westliche Reaktion
Besonders China macht laut dem Bericht rasche Fortschritte bei Batterietechnologien. Dazu zählen 5-Minuten-Ladevorgänge sowie neue Batterietypen wie Natrium-Ionen- und Lithium-Eisenphosphat-Batterien. Westliche Länder könnten staatliche Unterstützung nutzen, um eigene Innovationen zu fördern und den Rückstand aufzuholen.
Politische Entscheidungsträger weltweit könnten laut WoodMac zudem feststellen, dass eine verstärkte Lizenzierung chinesischer E-Auto-Technologie notwendig wird. Ziel wäre es, sowohl die Widerstandsfähigkeit gegenüber Ölpreisschwankungen zu erhöhen als auch heimische Lieferketten auszubauen.
David Brown, einer der Autoren des Berichts, brachte die Dringlichkeit für die USA auf den Punkt: „Es gibt eine regelrechte Flutwelle an Innovationen bei Elektrofahrzeugen außerhalb der USA. In diesem Szenario müssen die Vereinigten Staaten die Elektrifizierung des Verkehrs ernst nehmen und neue Lieferketten sowie neue Fertigungskapazitäten für E-Autos finanzieren, um gegenüber Importen aus anderen Ländern und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben."
Unterschiedliche Marktanteile in den USA und Europa
Die Prognosen von WoodMac zeigen deutliche regionale Unterschiede. In den USA, wo reichliche Ölvorräte vorhanden sind, soll der Marktanteil von Elektrofahrzeugen von heute 3 Prozent auf lediglich 20 Prozent bis 2040 steigen. Europa hingegen, das eine hohe Abhängigkeit von Ölimporten aufweist, soll einen deutlich stärkeren Anstieg verzeichnen: von 3 Prozent im Jahr 2025 auf 35 Prozent bis 2040.
Für den globalen Ölmarkt hätte diese Entwicklung spürbare Konsequenzen. Die weltweite Ölnachfrage könnte bis 2040 auf 99 Millionen Barrel pro Tag sinken – ausgehend von über 100 Millionen Barrel pro Tag heute. Das entspräche einem historisch bedeutsamen Wendepunkt für die fossile Energiewirtschaft.
Milliarden-Investitionsbedarf bei Metallen und Infrastruktur
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Zur AktienanalyseEin weiterer zentraler Aspekt des Berichts betrifft die Rohstoffversorgung. Das weltweite Angebot an Mineralien könnte bis 2040 ein Wachstum der globalen Elektrofahrzeuge um 50 Prozent unterstützen. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie schnell dieses neue Angebot bereitgestellt werden kann.
Laut WoodMac benötigt die Welt im nächsten Jahrzehnt weitere 45 Milliarden US-Dollar an Investitionen in Metalle. Als kritischer Engpass gilt dabei Kupfer – ein Rohstoff, der für Elektrofahrzeuge, Ladeinfrastruktur und Stromnetze gleichermaßen unverzichtbar ist.
Auch auf der Infrastrukturseite besteht Handlungsbedarf: Stromnetze und Regulierungsbehörden müssen das sogenannte „gesteuerte Laden" ausbauen. Dabei werden Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen gezielt in Zeiträume mit reichlich Stromangebot verlagert, um Netzüberlastungen zu vermeiden und die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern.


