DoubleLine und Oaktree rüsten sich gegen KI-Kreditrisiken
Zwei der größten US-Vermögensverwalter positionieren ihre Portfolios defensiv angesichts drohender Überhitzung im KI-Investitionsboom.

DoubleLine Capital und Oaktree Capital Management kaufen gezielt Schuldtitel, die einem potenziellen Kreditabschwung im Zuge des KI-Investitionsbooms standhalten können. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Portfoliomanager beider Unternehmen. Die Strategie zeigt, dass erfahrene Kreditinvestoren trotz des Booms zunehmend vorsichtig werden.
Robert Cohen, Portfoliomanager bei DoubleLine, warnte am Mittwoch auf dem Bloomberg Global Credit Forum vor einer Überhitzung des Marktes. Technologieunternehmen investieren Billionen von US-Dollar in künstliche Intelligenz – ein Niveau, das laut Cohen in den kommenden Monaten oder Jahren zu einem Kreditabschwung führen könnte. Investoren benötigten daher Kredite, die aufgrund ihrer Struktur oder starker Bilanzen überlebensfähig seien.
Rechenzentren im Fokus – und im Risiko
Ein zentrales Problem bei KI-bezogenen Anleihen ist ihre lange Laufzeit. Viele der derzeit am Markt angebotenen Wertpapiere werden erst in Jahrzehnten fällig – zu einem Zeitpunkt, an dem die heutige Technologie längst veraltet sein könnte. Cohen sieht Rechenzentren einem erhöhten Risiko von Überkapazitäten ausgesetzt, da der Bau dieser Immobilien lange dauere und viele Projekte gleichzeitig gestartet würden.
Besonders im Blick: die sogenannten Hyperscaler, also große US-Technologiekonzerne wie Amazon, Microsoft oder Alphabet. Diese haben laut einem Bericht von Barclays vom 21. Mai weltweit unbesicherte Anleihen im Wert von mehr als 155 Milliarden US-Dollar verkauft. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 45 Prozent gegenüber dem gesamten Emissionsvolumen des Vorjahres – ein deutliches Zeichen für den enormen Kapitalbedarf der Branche.
Oaktree setzt auf Selektivität im Private-Credit-Markt
Christina Lee, Co-Portfoliomanagerin für Private Credit bei Oaktree, betonte, dass sich der Markt noch in der Anfangsphase der Rechenzentrumsfinanzierung befinde. Noch sei unklar, wer die Gewinner und Verlierer sein werden – weshalb das Unternehmen selektiv vorgehe. Diese Zurückhaltung spiegelt eine breitere Skepsis wider, die sich unter institutionellen Kreditgebern zunehmend verbreitet.
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Zur AktienanalyseBloomberg Intelligence schätzt, dass Unternehmen in den nächsten fünf Jahren rund fünf Billionen US-Dollar für Investitionsausgaben im Bereich KI aufwenden werden. Ein Großteil dieser Summe soll über Fremdkapital finanziert werden – was das Kreditrisiko für Anleger erheblich erhöht. Für deutsche Privatanleger, die in entsprechende Anleihen oder Kreditfonds investiert sind, ist diese Entwicklung besonders relevant.
Die Positionierung von DoubleLine und Oaktree verdeutlicht eine wichtige Lektion für Kreditinvestoren: Nicht jede Wachstumsstory rechtfertigt blindes Engagement. Strukturelle Qualität und solide Bilanzen gewinnen in einem Umfeld potenzieller Überkapazitäten und langer Anlagehorizonte an Bedeutung. Der KI-Boom bietet Chancen – birgt aber auch Risiken, die sorgfältige Analyse erfordern.


