Dollar stabilisiert sich – Märkte warten auf Iran-Krieg-Signale und Notenbanken
Der Greenback hält sich knapp über 99 Punkte, während geopolitische Spannungen und Zinsentscheidungen die Devisenmärkte bewegen.

Der Dollar-Index stabilisiert sich zu Wochenbeginn bei 99,05 Punkten – ein leichtes Plus von 0,04 Prozent. In der Vorwoche hatte der Greenback gegenüber einem Korb wichtiger Währungen noch 0,4 Prozent verloren. Ausschlaggebend waren Hoffnungen auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Öffnung der Straße von Hormus für Öltransporte.
Der Konflikt zwischen Washington und Teheran bleibt das bestimmende Thema an den Devisenmärkten. Die USA gaben an, am Wochenende „Selbstverteidigungsschläge" gegen iranische Radar- und Drohnenkontrollstationen durchgeführt zu haben. Der Iran meldete seinerseits, seine Luftstreitkräfte hätten einen bei einem Angriff genutzten Luftwaffenstützpunkt ins Visier genommen. US-Außenminister Marco Rubio führte Gespräche mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu über einen Plan zur „schrittweisen Deeskalation".
Der Ölpreis sprang im frühen Handel an, nachdem Israel den weiteren Vormarsch seiner Truppen im Libanon gegen die Hisbollah angeordnet hatte. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag erklärt, er werde bald über ein vorgeschlagenes Abkommen zur Verlängerung des Waffenstillstands mit dem Iran entscheiden.
Zinswende im Fokus: Fed zwischen Inflation und Geopolitik
Die Märkte haben ihre Erwartungen an die US-Notenbank Federal Reserve grundlegend revidiert. Während vor Ausbruch des Iran-Krieges noch Zinssenkungen eingepreist waren, wetten Investoren nun auf eine Zinserhöhung. Hintergrund: Fed-Vertreter haben signalisiert, dass die Notenbank die Zinsen anheben müsste, sollte der Krieg die ohnehin hohe Inflation weiter befeuern.
„Der USD wird stark von den Entwicklungen im Krieg zwischen den USA und dem Iran sowie dem US-Arbeitsmarktbericht für Mai beeinflusst werden", sagte Joseph Capurso, Leiter der Devisenanalyse bei der Commonwealth Bank of Australia. Er ergänzte: „Sobald die Meerenge wieder geöffnet ist, wird der Ölpreis mit der Zeit nachgeben, und die Zinssätze werden wieder einen größeren Einfluss auf den USD ausüben."
Der scheidende Fed-Vorsitzende Jerome Powell warnte am Sonntag in einer Rede vor einer Politisierung der Geldpolitik. Im weiteren Wochenverlauf werden die Fed-Vertreterinnen Beth Hammack, Lorie Logan und Mary Daly sprechen. Chris Weston, Leiter der Forschungsabteilung bei Pepperstone, erwartet dabei einen ausgewogenen Ton: „Die Beamten sollten je nach eingehenden Daten sowohl für Zinserhöhungen als auch für Zinssenkungen offen bleiben."
Nonfarm Payrolls und PMI als nächste Wegmarken
Ein zentrales Ereignis der Woche sind die US-Arbeitsmarktdaten (Nonfarm Payrolls), die am 5. Juni veröffentlicht werden. Laut einer Reuters-Umfrage wird ein Stellenzuwachs von 85.000 und eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent erwartet. Noch am Montag wird der PMI-Index des Institute for Supply Management für das verarbeitende Gewerbe im Mai erwartet – Prognose: leichter Anstieg auf 53, nach 52,7 im Vormonat.
Auch die anderen großen Währungen stehen unter Druck. Der Euro verlor 0,13 Prozent auf 1,1644 Dollar. Der japanische Yen schwächte sich um 0,13 Prozent auf 159,48 pro Dollar ab. Das britische Pfund Sterling gab 0,07 Prozent auf 1,3449 Dollar nach. Der australische Dollar notierte unverändert bei 0,7182 Dollar, während der neuseeländische Kiwi um 0,33 Prozent auf 0,5968 Dollar nachgab.
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Zur AktienanalyseEZB und Bank of Japan im Blick
Auch die europäische Geldpolitik rückt in den Fokus. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach in einer Rede in Südkorea über die wachsende Nutzung von Stablecoins, die weitgehend an den US-Dollar gekoppelt sind. Diese könnten den Euro und die Fähigkeit einiger Nationen zur Gestaltung der Geldpolitik untergraben, warnte sie. Bereits in der Vorwoche hatte Schnabel gefordert, die EZB solle die Zinsen in diesem Monat anheben – selbst wenn ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran zustande käme.
Bei der Bank of Japan (BOJ) richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine Rede von Gouverneur Kazuo Ueda am Mittwoch. Investoren erhoffen sich Signale, ob die japanische Zentralbank in der darauffolgenden Woche eine Zinserhöhung vornehmen wird. Innerhalb der BOJ gibt es noch keinen Konsens über die Entscheidung. Eine Pause bei der Drosselung der Käufe von Staatsanleihen wird jedoch zunehmend als bevorzugte Option angesehen, wie zwei mit den Beratungen vertraute Quellen berichten.


