Dollar-Entwertungshandel erschöpft: Yardeni Research zieht ernüchterndes Fazit
Analysten von Yardeni Research sehen den „Dollar Debasement Trade" als weitgehend beendet – Marktdaten stützen das Narrativ nicht mehr.

Der sogenannte „Dollar Debasement Trade" – die Wette auf eine systematische Entwertung des US-Dollars – hat sich laut einer aktuellen Analyse von Yardeni Research weitgehend erschöpft. Die jüngsten Marktbewegungen liefern demnach keine Belege mehr dafür, dass Anleger US-Vermögenswerte in großem Stil abstoßen. Sorgen über Zölle, die Unabhängigkeit der Federal Reserve und wachsende Haushaltsdefizite haben spürbar nachgelassen.
Ein wesentlicher Treiber dieser Neubewertung ist die Geldpolitik. Händler preisen inzwischen zwei US-Zinserhöhungen bis Anfang 2027 ein, nachdem Fed-Vorsitzender Kevin Warsh seinen Fokus auf Preisstabilität bekräftigt hat. Diese Erwartungshaltung stärkt den Dollar und untergräbt gleichzeitig das Argument, die US-Notenbank würde die Währung durch eine zu lockere Geldpolitik entwerten.
Devisenmärkte widersprechen dem Entwertungsnarrativ
Besonders deutlich zeigt sich die Trendwende an den Devisenmärkten. Der US-Dollar-Index hat sich seit der Fed-Sitzung der vergangenen Woche gefestigt – obwohl sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Bank of Japan ihre Zinssätze angehoben haben. Normalerweise würde eine straffere Geldpolitik im Ausland die jeweiligen Währungen gegenüber dem Dollar stärken. Doch das Gegenteil ist eingetreten: Der Euro gab in den letzten Handelssitzungen nach, und der Yen fiel auf Stände, die zuletzt im Jahr 1986 verzeichnet wurden.
Auch klassische „Safe-Haven"- und Inflationsschutz-Assets haben an Glanz verloren. Gold geriet durch den stärkeren Dollar und höhere Realzinsen unter Druck. In der Folge senkte Yardeni Research seine Goldpreisprognose für das Jahresende von 5.500 auf 5.000 US-Dollar pro Unze. Bitcoin, der von manchen als digitale Alternative zum Dollar gehandelt wird, ist von über 120.000 US-Dollar Ende letzten Jahres auf rund 61.000 US-Dollar gefallen – ein Rückgang, der die Ansicht bestärkt, dass die Kryptowährung sich noch nicht als bedeutende Alternative zum US-Dollar etabliert hat.
Rohstoffe und Anleihen senden beruhigende Signale
Auch an den Rohstoffmärkten lassen sich nachlassende Inflationssorgen ablesen. Die Ölsorte Brent ist nach der Wiedereröffnung der Straße von Hormus deutlich gefallen, wodurch ein Großteil der geopolitischen Risikoprämie verschwunden ist. Kupfer hingegen wird weiterhin durch die KI-bezogene Nachfrage gestützt und bildet damit eine Ausnahme im insgesamt ruhigeren Rohstoffumfeld.
Die Anleihemärkte liefern ebenfalls kein Argument für eine Dollar-Schwäche. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen blieb weitgehend in einer Handelsspanne. Niedrigere Ölpreise tragen dazu bei, die Inflationserwartungen zu dämpfen, was den Druck auf die Anleihekurse begrenzt.
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Zur AktienanalyseKapitalströme fließen weiter in die USA
Ein besonders starkes Gegenargument zum Entwertungsnarrativ liefern die Kapitalflussdaten. Laut Daten des Treasury International Capital (TIC) erreichten die privaten Nettozuflüsse in den zwölf Monaten bis April rund 1,3 Billionen US-Dollar. Ausländische Investoren stocken ihre Bestände an US-Wertpapieren demnach weiter auf, anstatt sie zu reduzieren – ein klares Zeichen für anhaltendes Vertrauen in den US-Kapitalmarkt.
Für deutsche Privatanleger, die in den vergangenen Monaten auf eine anhaltende Dollar-Schwäche gesetzt oder Absicherungspositionen aufgebaut haben, liefert die Yardeni-Analyse wichtige Denkanstöße. Die Kombination aus stabiler Geldpolitik, robusten Kapitalzuflüssen und nachlassenden geopolitischen Risiken deutet darauf hin, dass das Fenster für den klassischen Dollar-Entwertungshandel vorerst geschlossen sein könnte.


