Dinard: Warum das „Cannes des Nordens" wieder gefragt ist
Das bretonische Seebad Dinard erlebt eine Renaissance – als elegante Alternative zur überfüllten Côte d'Azur für anspruchsvolle Reisende.

Dinard, das kleine Seebad an der bretonischen Côte d'Émeraude, galt einst als das „Cannes des Nordens". Jetzt erlebt der Ort eine bemerkenswerte Rückkehr in die Gunst wohlhabender Reisender – diesmal nicht der britischen Aristokratie, sondern der Pariser Oberschicht, die der Hitze und dem Glamour der Côte d'Azur entfliehen will.
Max Aniort, Mitbegründer des europäischen Villenvermieters Le Collectionist, beschreibt Dinard mit klaren Worten: „Es ist elegant und schick; das Gegenteil von Bling-Bling." Die Stadt mit ihrer prächtigen Architektur der Belle Époque, ruhigen Sandstränden und erstklassigen Meeresfrüchten entwickelt sich zunehmend zu einem begehrten Ziel für Zweitwohnsitze und Sommerurlaube.
Die Geschichte eines mondänen Badeorts
Die Anfänge Dinards als Modebad gehen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Es waren aristokratische Briten, die den damaligen Fischerort in Mode brachten: Sie errichteten aufwendige Villen auf den Klippen, gingen der neuen Aktivität des „Meeresbades" nach und versuchten ihr Glück in den Casinos. Der amerikanische Aristokrat William Faber und seine britische Frau Lyona leisteten in den 1850er Jahren Pionierarbeit, verkauften Villen an ihre britischen Freunde und begründeten Dinards Ära als „colonie anglaise" der High Society – inklusive des ersten Rasentennisclubs in Frankreich.
Zu den bekanntesten Besuchern zählte Pablo Picasso, der in den 1920er Jahren wiederholt nach Dinard kam. Der breite Sandstrand Plage de l'Écluse diente als Inspiration für mehrere Werke aus seiner Serie „Die Badenden". Der Legende nach nutzte Picasso sogar eine der Leinwand-Badekabinen als Tarnung für heimliche Treffen mit seiner Geliebten und Muse Marie-Thérèse Walter. Auch Alfred Hitchcock soll von den Villen an den Klippen inspiriert worden sein – eine Statue des Regisseurs erinnert heute am Strand daran, dass die Häuser angeblich das Vorbild für Norman Bates' Anwesen in „Psycho" lieferten.
Die architektonischen Zeugnisse dieser Glanzzeit sind noch heute sichtbar. Die düstere Villa La Garde, geschützt durch zinnenbewehrte Mauern, wurde in den 1890er Jahren für Jacques Hennessy aus der irischen Cognac-Familie erbaut. Mit ihrem Fachwerkimitat und verschnörkelten Türmchen erinnert sie eher an eine neugotische englische Burg als an ein Wohnhaus.
Kulinarik und neue Gastronomie
Wer Dinard heute besucht, kommt auch wegen der Meeresfrüchte. Im Restaurant Le Petit Port mit Blick auf den Hafen werden €45-Prix-Fixe-Menüs serviert. Besonders empfehlenswert sind die salzigen, cremigen Cancale-Austern, die etwa eine halbe Stunde von Dinard entfernt gezüchtet werden, sowie Bulots (Wellhornschnecken) mit hausgemachter Sauce Tartare.
Westlich von Dinard, im Küstendorf Saint-Briac-sur-Mer, hinterlässt eine neue Generation von Gastronomen ihre Spuren. Das brandneue Bistro Crevette des 27-jährigen Victor Trambouze, der nach Jahren im Eventbereich in Paris in seinen Heimatort zurückgekehrt ist, startete nach einem erfolgreichen Sommer mit einem Meeresfrüchte-Truck am Strand von Longchamp. Nun planen Trambouze und seine Partner eine Weinbar und ein Strandrestaurant in der Nähe. In Saint-Briac ist zudem die Pâtisserie La Briacine seit 1903 am hübschen Dorfplatz ansässig.
Zwischen Belle Époque und modernem Reisen
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDas Zentrum Dinards bietet neben Architektur und Gastronomie auch Einkaufsmöglichkeiten: In der Rue Levavasseur, einer der Haupteinkaufsstraßen, finden sich gleich vier Geschäfte mit bretonischer „Marinière"-Kleidung. Armor-Lux, gegründet 1938, bietet sogar gestreifte Outfits für Hunde an.
Das Le Grand Hôtel Dinard, das erste Luxushotel der Stadt, wurde während des Booms der 1850er Jahre erbaut. Das stattliche Gebäude aus Granit und Stuck mit großen Fenstern zur Rance-Mündung gehört seit 1998 zur Barrière-Gruppe, die auch Hotels in Deauville und Cannes sowie das einzige verbliebene Casino von Dinard betreibt. Das Hotel verfügt über einen Innenpool, ein Spa und das elegante Restaurant Le George V.
Die Anreise nach Dinard gelingt am besten per Flug nach Rennes, anschließend mit dem Zug nach Saint-Malo und einer kurzen Taxifahrt. Die Côte d'Émeraude – die Smaragdküste – verdient ihren Namen: Selbst während einer sommerlichen Hitzewelle präsentiert sich der breite, weiße Sandstrand Plage du Rougeret auf der Halbinsel Saint-Jacut fast menschenleer, mit schimmerndem Wasser, das die Bezeichnung „Smaragdküste" vollauf rechtfertigt.


