Digitaler Euro 2029: Europa will Unabhängigkeit von US-Zahlungsriesen
Der digitale Euro soll sicher, anonym und kostenlos funktionieren – wie Bargeld, aber direkt im Smartphone.

Europa macht Ernst beim digitalen Euro. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil treibt das Projekt seit seinem Amtsantritt voran und begründet das Vorhaben mit einem klaren politischen Argument: Amerikanische Finanzdienstleister seien nicht mehr verlässlich. „Ich will auch mehr europäischen Patriotismus und mehr europäische Souveränität", erklärte Klingbeil bereits im Dezember.
Hinter den Kulissen laufen die Verhandlungen auf Hochtouren. Erst vergangene Woche starteten die offiziellen Gespräche zwischen EU-Mitgliedsstaaten, der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament. Zuvor hatten Klingbeil und seine europäischen Finanzminister-Kolleginnen und -Kollegen bereits eine gemeinsame Position erarbeitet. Die Verhandler zeigen sich optimistisch, trotz kleinerer Differenzen – etwa beim Thema Datenschutz, wo das Parlament noch strengere Maßnahmen fordert.
Skepsis in bargeldaffinen Ländern
Besonders in Deutschland, Österreich und Italien, wo Bargeld nach wie vor eine große Rolle spielt, ist die Skepsis gegenüber dem digitalen Euro spürbar. Der SPD-Europaabgeordnete Matthias Ecke verweist jedoch auf einen wichtigen Nebeneffekt des geplanten Gesetzes: Händler werden erstmals verpflichtet, Bargeld anzunehmen. „Das heißt, Schilder wie 'Nur Kartenzahlung' werden bald nicht mehr zulässig sein", so Ecke.
Das Herzstück des digitalen Euros ist die sogenannte Wallet – ein digitaler Geldbeutel. Lange war umstritten, ob die Europäische Zentralbank (EZB) eine eigene App entwickeln sollte. Die Geschäftsbanken lehnten das entschieden ab. Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab: Die Wallet soll in bestehende Banking-Apps der Privatbanken integriert werden und direkt mit dem Bankkonto verknüpft sein. Ist das digitale Guthaben aufgebraucht, lässt es sich – ähnlich wie am Geldautomaten – unkompliziert wieder auffüllen.
Banken fordern Obergrenzen für Wallet-Guthaben
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Frage, wie viel Geld Verbraucher in ihrer Wallet halten dürfen. Die Geschäftsbanken pochen auf eine Obergrenze: Liegt zu viel Kapital in der digitalen Geldbörse, steht es den Banken nicht mehr zur Verfügung, um Kredite zu vergeben oder Anlagen zu tätigen. Wie hoch dieser Schwellenwert konkret angesetzt wird, dürfte noch für Diskussionen sorgen.
Lange hatten die Privatbanken den digitalen Euro grundsätzlich abgelehnt und auf privatwirtschaftliche Alternativen wie das Bezahlsystem Wero verwiesen. Ecke hält dagegen: Viele kleinere EU-Mitgliedsstaaten seien vollständig von außereuropäischen Anbietern abhängig. „Mit einem öffentlichen Bezahlsystem sichern wir uns auch dauerhaft den Zugriff auf diese Infrastruktur", betont der Abgeordnete. Tatsächlich dominieren MasterCard, Visa und PayPal ihre jeweiligen Marktsegmente in Europa nahezu unangefochten.
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Zur AktienanalyseStufenweise Einführung als Kompromiss
Inzwischen scheinen die Privatbanken akzeptiert zu haben, dass der digitale Euro kommt – und zwar zügig. Statt weiterer Blockade fordern sie nun eine schrittweise Einführung. Kolja Gabriel, Mitglied der Geschäftsführung des Bankenverbands, plädiert dafür, die Online- und Offline-Variante des digitalen Euros zeitversetzt auf den Markt zu bringen. So ließen sich Aufwand und Sicherheitsanforderungen besser beherrschen. „Und letztlich stellt sich auch die Frage, ob die Verbraucher tatsächlich alle Varianten schon ab Tag eins brauchen", gibt Gabriel zu bedenken.
Der offizielle Zeitplan sieht die Einführung des digitalen Euros für das Jahr 2029 vor. Bereits im kommenden Jahr soll ein Pilotprojekt starten. Gabriel bezeichnet den Zeitplan als ambitioniert. Bundesfinanzminister Klingbeil wäre sogar noch früher startklar.


