DHL Group und USPS schließen milliardenschwere strategische Partnerschaft
DHL eCommerce und der US-Postdienst USPS besiegeln eine Mehrjahreskooperation im Wert von über 10 Milliarden Dollar.

DHL Group hat über seine US-Tochter DHL eCommerce eine weitreichende Mehrjahrespartnerschaft mit dem United States Postal Service (USPS) abgeschlossen. Der Vertrag ist mehr als 10 Milliarden US-Dollar wert und löst frühere Einjahresvereinbarungen ab. Für beide Seiten markiert das Abkommen einen strategischen Wendepunkt im hart umkämpften US-amerikanischen Logistikmarkt.
Im Kern der Vereinbarung steht eine klare Arbeitsteilung: DHL eCommerce übernimmt die Sammlung und Sortierung von Paketen in seinen 19 US-amerikanischen Logistikzentren. Anschließend übergibt das Unternehmen die Sendungen an den USPS, der die sogenannte „Last Mile" – also die finale Zustellung an den Endkunden – übernimmt. Dieses Modell erlaubt es DHL, sein US-Geschäft auszubauen, ohne ein eigenes flächendeckendes Zustellnetz aufbauen zu müssen.
Scott Ashbaugh, CEO von DHL eCommerce, hat klar kommuniziert, dass sein Unternehmen nicht plant, ein eigenes landesweites Bodennetz in den USA zu errichten. Stattdessen setzt DHL bewusst auf die bestehende Infrastruktur des USPS, um kostspielige Investitionen in ein konkurrierendes Zustellnetz zu vermeiden. Ashbaugh betonte, dass diese Stabilität essenziell für das Wachstum des Unternehmens sei – mit dem erklärten Ziel, das US-Geschäft bis 2030 zu verdoppeln.
Finanzielle Bedeutung für den kriselnden USPS
Für den USPS kommt die Partnerschaft zu einem kritischen Zeitpunkt. Der staatliche Postdienst hat seit 2007 kumulierte Verluste von 118 Milliarden US-Dollar angehäuft, was vor allem auf den anhaltenden Rückgang des traditionellen Briefverkehrs zurückzuführen ist. Berichten zufolge hatte der USPS zuletzt vor möglichen Liquiditätsengpässen gewarnt, wobei einige Prognosen einen Finanzierungsengpass bereits ab Februar in Aussicht stellten.
USPS-Chef David Steiner bezeichnete die Partnerschaft als für beide Seiten vorteilhaft. Der Postdienst versucht, sein Geschäftsmodell zu modernisieren und sich als verlässlicher Partner für große Unternehmenskunden zu positionieren. Das Abkommen mit DHL folgt dabei einem ähnlichen, kürzlich unterzeichneten Vertrag mit Amazon – ein deutliches Signal, dass der USPS gezielt auf langfristige, volumensstarke Einnahmequellen setzt, um seine operativen Defizite auszugleichen.
DHL eCommerce versus DHL Express: Ein wichtiger Unterschied
Finanzanalysten und Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass zwischen den verschiedenen Geschäftsbereichen der DHL Group unterschieden werden muss. Das vorliegende Abkommen betrifft ausschließlich DHL eCommerce, die auf Paketzustellung spezialisierte Einheit des Konzerns. Diese ist klar abzugrenzen von DHL Express, das über eine eigene Flotte aus Flugzeugen und Lkw verfügt und auf schnelle, internationale Lieferungen ausgerichtet ist. Während DHL Express weiterhin auf seine eigene Infrastruktur setzt, bleibt die Abhängigkeit von USPS für die letzte Meile ein zentrales Element der US-Strategie von DHL eCommerce.
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Zur AktienanalyseDer Wechsel von Einjahres- zu Mehrjahresverträgen wird von Branchenmedien wie der Wirtschaftswoche und dem WSJ Finance als positiver Schritt für beide Parteien gewertet. Die langfristige Planungssicherheit ermöglicht es DHL, seine E-Commerce-Dienste systematisch auszubauen, während der USPS die finanzielle Entlastung erhält, die er zur Erfüllung seines landesweiten Versorgungsauftrags benötigt.
Das Abkommen beleuchtet zugleich einen breiteren Trend im US-Logistiksektor: Traditionelle Postdienste entwickeln sich zunehmend zur unverzichtbaren Infrastruktur für private Logistikunternehmen, die sich auf Sortierung und Logistikmanagement konzentrieren und die kostenintensive letzte Meile bewusst auslagern. Ob dieses Modell der öffentlich-privaten Zusammenarbeit langfristig trägt, wird die Entwicklung der DHL-USPS-Partnerschaft bis 2030 zeigen.


