DHL entgeht Kartellstrafe durch Beteiligungsverkauf
Verfahren eingestellt – Ermittlungsdetails und mögliche Wettbewerbsverstöße bleiben im Dunkeln

Der Druck auf die Deutsche Post war hoch, als das Bundeskartellamt vor zwei Jahren mit Razzien und Beschlagnahmungen gegen sie und weitere Marktteilnehmer vorging. Anlass war eine Beschwerde des alternativen Briefdienstleisters DVS, der dem Konzern wettbewerbswidriges Verhalten vorwarf. Im Zentrum der Vorwürfe stand die DHL-Tochter Deutsche Post Inhaus, insbesondere deren Rolle bei der Konsolidierung von Briefsendungen. Ein ehemaliger Mitarbeiter wollte sogar als Zeuge auftreten. Nun ist das Verfahren beendet – ohne Sanktionen, ohne Aufklärung.
Im Zuge der Einstellung des Verfahrens verkaufte DHL ihre 26-prozentige Beteiligung am Unternehmen Compador. Diese Minderheitsbeteiligung hatte im Mittelpunkt der Ermittlungen gestanden. Compador zog sich zugleich aus dem Geschäft mit der Briefkonsolidierung zurück, übertrug die Dienstleistungen an die DHL und schloss eigene Sortierzentren. Die Hintergründe der Einigung wurden nicht öffentlich gemacht. Auch über mögliche Ermittlungsergebnisse schweigt die Behörde bislang.
Für DHL und Vorstandschef Tobias Meyer bedeutet die Einstellung des Verfahrens einen klaren Reputationsgewinn. Meyer war bis 2022 für das Post- und Paketgeschäft verantwortlich. Kritik kommt indes von jenen, die das Verfahren ursprünglich angestoßen hatten. Der Investor Thomas Schweppe, beteiligt an DVS, äußerte sich enttäuscht über das Ergebnis. Die Frage nach möglichen Schadenersatzansprüchen bleibt offen, da keine belastbaren Ermittlungsergebnisse vorliegen.
In einem anderen Fall allerdings hatte ein Gericht bereits gegen DHL entschieden: Die Bundesnetzagentur hatte festgestellt, dass der Konzern durch falsch deklarierte Sendungen im Bereich „Dialogpost“ Wettbewerber benachteiligt habe. DVS klagt deswegen aktuell vor dem Landgericht Düsseldorf auf Schadensersatz in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro. Vorstandschef Meyer bezeichnete diese Klage zuletzt als unbegründet – sowohl inhaltlich als auch in der Höhe.
Die Vorwürfe im aktuellen Verfahren betrafen die Vergabe großzügiger Rabatte durch die Post an Konsolidierer. Während Wettbewerber das Porto sofort entrichten mussten, soll Compador ein Zahlungsziel von 30 Tagen eingeräumt worden sein. Compador-Gründer Sven Sonnadara bestreitet dies und weist auf gleiche Bedingungen für alle Kunden hin. Die Beteiligung der Post sei vor allem aus technischem Interesse erfolgt, etwa wegen Problemen bei der präzisen Zählung eingelieferter Sendungen. Der Ausstieg aus der Partnerschaft sei durch interne Konflikte bei der Post begründet.
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Zur AktienanalyseWirtschaftlich steht Compador ohnehin unter Druck. Der letzte veröffentlichte Geschäftsbericht wies einen Verlustvortrag in Millionenhöhe aus. Nachrangige Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern und offene Forderungen gegenüber der Post werfen Fragen auf. Doch mit dem Rückzug aus dem Konsolidierungsgeschäft und dem Verkauf der Anteile scheint auch dieses Kapitel vorerst beendet.

