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Deutschlands Energiewende: Kohle statt Gas

Berlin hat erkannt, dass es nie wieder so viel Energie aus Russland importieren wird wie vor dem Ukraine-Krieg.

Deutschlands Energiewende: Kohle statt Gas

Seit dieser Woche werden in Deutschland Steinkohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen, die wegen der äußerst schädlichen Auswirkungen auf das Klima in einer von der globalen Erwärmung bereits gezeichneten Welt auslaufen. Deutschland hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2038 aus der Kohleverstromung auszusteigen.

Doch nun schluckt die Regierung die bittere Pille und lässt die Kohleverstromung wieder zu. Damit soll die Gaskraft ersetzt werden, die derzeit etwa 10 % des gesamten deutschen Energiemixes ausmacht.

Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von zeitlich befristeten Notmaßnahmen, "die für einen sehr kurzen Zeitraum gelten und nichts von unseren Klimazielen wegnehmen".

"Was nicht passieren darf, ist, dass wir in eine weltweite Renaissance der fossilen Energien und insbesondere der Kohle abrutschen", warnte die Kanzlerin.

Doch auf den ersten Blick scheinen die globalen Daten des vergangenen Jahres genau das zu suggerieren: Nie zuvor wurde weltweit so viel Kohle zur Stromerzeugung eingesetzt. Und die Internationale Energieagentur (IEA) warnt, dass sich dieses Jahr das gleiche Muster aus hoher Nachfrage und hoher Produktion wiederholen wird.

Dessen ist sich Alexander Bethe, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Kohleimporteure mit Sitz in Berlin, sicher: "Wir werden in diesem Winter sicher über 30 Millionen Tonnen Steinkohle importieren, um unsere Kraftwerke am Laufen zu halten. Das wären 11% mehr als 2021."

Vor dem Krieg in der Ukraine wurden 50 % der Kohle für die deutschen Kraftwerke aus Russland importiert. Doch am 9. April verhängte die EU gegen Russland ein Verkaufs- und Einfuhrverbot für Kohle und Öl - allerdings nicht mit sofortiger Wirkung. Öl wird noch bis Ende des Jahres geliefert, während Kohle nur noch bis zum 10. August geliefert und abgeladen werden darf.

Andere Lieferanten zu finden, ist nicht das Problem, sagen die deutschen Kohleimporteure. Dazu gehören Quellen in Südafrika, Australien, den USA, Kolumbien und Indonesien, sagt Bethe. Aber diese verschiedenen Kohlesorten haben jeweils unterschiedliche Eigenschaften und Qualitäten, erklärt er. Es ist wichtig, herauszufinden, welche Mischung für die deutschen Kraftwerke am besten geeignet ist. Und die Tests laufen bereits.

Schwieriger sind laut Bethe vielleicht die Transportwege für die Kohle. Die großen Seehäfen wie Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sind alle ausgebucht. Die Binnenschifffahrtswege, die die Kohle per Schiff oder Zug von den großen Häfen zu den Kraftwerken bringen, sind an ihrer Grenze angelangt. Dazu trägt auch der Fachkräftemangel in Deutschland bei.

Im Rahmen des Kohleausstiegs bis 2038 wurde bereits Personal abgebaut. Die Binnenschifffahrt hat ihre Kapazitäten entsprechend den Erwartungen drastisch reduziert.

Ein Drittel der deutschen Kohleimporte kommt über den Rhein. In der Zeit der sommerlichen Trockenheit ist der Wasserstand dort jedoch so niedrig, dass die Schiffe nur mit 30 bis 40 % ihrer Ladekapazität fahren können.

Zu Beginn des Jahres 2021 kostete eine Tonne Steinkohle auf dem Weltmarkt 64 Dollar (63 Euro). Jetzt ist der Preis auf fast 400 $ gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden etwa 7,4 Milliarden Tonnen Steinkohle gefördert, die Hälfte davon in China. Die Kohleförderländer decken jedoch zunächst ihren eigenen Bedarf, und nur 1 Milliarde Tonnen wird schließlich auf dem Weltmarkt gehandelt.

Angesichts der dramatisch steigenden Strompreise gibt es für die Betreiber stillgelegter Kraftwerke große Anreize, alles zu tun, um sie wieder ans Netz zu bringen. Der erste Betreiber, der dies tat, war das Kraftwerk Mehrum in Mitteldeutschland, das dem tschechischen Energiekonzern EPH gehört und Ende 2021 stillgelegt wurde. Andere wollen dem Beispiel folgen.

Der deutsche Energieversorger EnBW will nur eine Anlage länger als bisher geplant in Betrieb halten. Fünf weitere Anlagen, die bereits endgültig abgeschaltet waren, sind zu alt und veraltet, um reaktiviert zu werden.

Aber nicht nur Steinkohlekraftwerke sollen wieder ans Netz gebracht werden: Die Bundesregierung bereitet für Anfang Oktober auch eine Verordnung zum Wiederanfahren stillgelegter Braunkohlekraftwerke vor.

Davon betroffen ist auch das Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg, wo zwei Blöcke in die so genannte "Sicherheitsbereitschaft" abgeschaltet worden waren. Würden sie wieder angefahren, könnten sie so viel Strom liefern wie ein normales Atomkraftwerk.

Würden sie aber jetzt wieder angefahren, würden 13 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt, um die Dampfturbinen anzutreiben, so das Umweltnetzwerk Grüne Liga. Das würde die Wasserknappheit in der Spree weiter verschärfen, so das Netzwerk.

Ein weiteres Problem sei, dass die alten Anlagen nicht den Emissionsvorschriften entsprächen, da der Betreiber eine Nachrüstung angesichts der Komplettabschaltung nicht für nötig halte.

Außerdem fehlt es an Fachpersonal; die Arbeiter sind längst anderweitig eingesetzt worden.

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