Deutsches Gastgewerbe: Umsatz fällt auf Corona-Niveau zurück
Restaurants, Hotels und Kneipen verzeichnen im März den schwächsten Umsatz seit vier Jahren – Inflation belastet Verbraucher spürbar.

Das deutsche Gastgewerbe steckt in der Krise. Wie das Statistische Bundesamt bekanntgab, sank der preisbereinigte Umsatz der Branche im März um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit liegt das Niveau inflationsbereinigt so tief wie zuletzt im März 2022 – als die Nachwirkungen der Corona-Pandemie noch deutlich spürbar waren.
Auch im Monatsvergleich zeigt sich ein klares Minus: Im Vergleich zum Februar brachen die Einnahmen um 2,2 Prozent ein. Besonders hart traf es die Übernachtungsbranche, die im März ein Umsatzminus von 5,6 Prozent gegenüber dem Vormonat hinnehmen musste. Die Gastronomie hielt sich mit einem Rückgang von lediglich 0,1 Prozent vergleichsweise stabil.
Mehrwertsteuersenkung stützt die Gastronomie
Die relative Stabilität der Restaurants und Gaststätten dürfte nicht zufällig sein. Seit dem 1. Januar gilt für Speisen in der Gastronomie wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent – zuvor waren es 19 Prozent. Diese Entlastung durch die Bundesregierung federte den Nachfragerückgang in der Gastronomie zumindest teilweise ab.
Die Übernachtungsbranche hingegen profitierte von keiner vergleichbaren Entlastung und spürte die Kaufzurückhaltung der Verbraucher umso stärker. Hotels und Beherbergungsstätten gelten als besonders konjunktursensibel, da Reisen und Übernachtungen zu den ersten Ausgaben gehören, die Haushalte in wirtschaftlich angespannten Zeiten kürzen.
Inflation drückt auf die Konsumlaune
Als zentralen Belastungsfaktor nennen die Statistiker die gestiegene Inflation, die maßgeblich durch hohe Ölpreise angetrieben wird. Die Verbraucherpreise zogen im März bereits um 2,7 Prozent an und stiegen im April weiter auf 2,9 Prozent. Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten die Drei-Prozent-Marke überschreiten wird.
Das schlägt sich auch in der Stimmung der Verbraucher nieder: Das Konsumklima für Mai fiel auf den tiefsten Stand seit Februar 2023, wie das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen mitteilte. Für Privatanleger, die in konsumnahe Sektoren investiert sind, ist das ein wichtiges Warnsignal.
Abwärtstrend könnte sich fortsetzen
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Zur AktienanalyseDie Aussichten für das Gastgewerbe bleiben trüb. Noch im Februar hatte die Branche ein leichtes reales Wachstum von 0,2 Prozent gegenüber dem schwachen Januar verzeichnet – dieser kurze Lichtblick scheint vorerst verpufft. Angesichts der anhaltenden Kaufkrafterosion ist zu erwarten, dass der Abwärtstrend anhält.
Die wachsende finanzielle Belastung der Haushalte trifft dabei nicht nur Restaurants und Hotels. Verbraucher sparen laut den Daten auch beim Einkaufen und sogar bei der Altersvorsorge – etwa indem sie Vorsorgeverträge kürzen oder ganz pausieren. Das deutet auf eine breitere Konsumzurückhaltung hin, die verschiedene Branchen und damit auch börsennotierte Unternehmen im Einzelhandels- und Dienstleistungssektor belasten dürfte.
Alle genannten Umsatzzahlen basieren auf preisbereinigten Daten, aus denen inflationsbedingte Preissteigerungen sowie kalender- und saisonale Einflüsse herausgerechnet wurden.

