Deutsches Gastgewerbe in der Krise: Umsatz stagniert weiter
Hohe Energie- und Personalkosten, sinkende Nachfrage und der Iran-Konflikt belasten die Branche massiv.

Das deutsche Gastgewerbe findet keinen Ausweg aus der Dauerkrise. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, stagnierte der Umsatz der Branche bereits im Februar – noch vor dem Ausbruch des Iran-Krieges. Die nun sprunghaft gestiegenen Energiepreise infolge der Kämpfe in Nahost verschärfen die Lage zusätzlich. Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (Dehoga) warnt: „Zusätzliche Unsicherheiten durch den anhaltenden Iran-Konflikt verschärfen die Situation."
Besonders die Gastronomie spürt den Druck. Im Februar sank der reale Umsatz gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent. Die Beherbergungsbranche konnte sich dagegen leicht erholen und verzeichnete ein reales Plus von 2,4 Prozent. Im Januar war der Gesamtumsatz des Gastgewerbes laut revidierten Destatis-Daten gegenüber Dezember real um 4,3 Prozent eingebrochen.
Betriebe arbeiten am Limit
Die strukturellen Probleme der Branche sind tiefgreifend. Hohe Lebensmittel- und Energiepreise, gestiegene Personalkosten sowie der erhöhte Mindestlohn belasten die Betriebe gleichzeitig. Dehoga-Pressesprecherin Stefanie Heckel beschreibt die Lage deutlich: „Viele Betriebe arbeiten am Limit, Insolvenzen sind höher als in der Gesamtbranche." Die Insolvenzquote übersteigt damit den Durchschnitt anderer Wirtschaftszweige.
Auch die Konsumenten reagieren auf die angespannte Wirtschaftslage. Angesichts hoher Lebenshaltungskosten schränken Gäste ihre Ausgaben ein, buchen kurzfristiger und vergleichen Preise intensiver. „Gäste buchen kurzfristiger, vergleichen intensiver und reagieren deutlich preissensibler", so Heckel. Hoffnungen auf spürbare Preissenkungen in Restaurants oder Hotels dämpft der Verband: Finanzielle Spielräume würden vorrangig genutzt, um Arbeitsplätze zu sichern, Investitionen umzusetzen und das Preis-Leistungs-Verhältnis zu halten.
Seit sechs Jahren verzeichnet das Gastgewerbe reale Umsatzverluste. Eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau ist nicht in Sicht: Im Jahr 2025 lag der preisbereinigte Umsatz laut Destatis um fast 15 Prozent unter dem Wert von 2019. Als wesentliche Ursachen gelten die massiv gestiegenen Kosten für Nahrungsmittel, Energie und Personal – ausgelöst unter anderem durch den russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022.
Mehrwertsteuersenkung als Hoffnungsschimmer
Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Gastronomie dauerhaft ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen vor Ort. Dehoga begrüßt die Maßnahme als wichtigen „Schritt für Steuergerechtigkeit und zur Stärkung der Gastronomie". Allerdings wirke die Senkung laut Verband vor allem „preisstabilisierend" – Preissenkungen für Gäste sind damit kaum zu erwarten. Der Verband fordert darüber hinaus weitere Reformen, etwa den Abbau von Bürokratie und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten.
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Zur AktienanalyseEinen leichten Lichtblick liefert der Inlandstourismus. Olaf Bentlage vom Deutschen Tourismusverband (DTV) kommentiert die Gesamtlage mit einem ambivalenten Bild: „Das Glas ist halb voll und halb leer." Eine Studie des Deutschen Instituts für Tourismusforschung im Auftrag des DTV zeigt, dass rund 72 Prozent der Deutschen für den Zeitraum April bis Juni einen Urlaub planen – 41 Prozent davon innerhalb Deutschlands. Mehr Inlandstourismus könnte der Beherbergungsbranche zumindest moderate Impulse geben.
Für Privatanleger, die in Gastgewerbe-Aktien oder entsprechende ETFs investiert sind, bleibt das Umfeld herausfordernd. Die Kombination aus geopolitischen Risiken, strukturell hohen Kosten und preissensiblen Verbrauchern lässt eine schnelle Erholung der Branche unwahrscheinlich erscheinen.

