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Deutscher Arbeitsmarkt: Wo Jobs wegfallen und wo neue entstehen

Industriejobs verschwinden in Deutschland in rasantem Tempo – doch einige Branchen wachsen trotz des Strukturwandels weiter.

Deutscher Arbeitsmarkt: Wo Jobs wegfallen und wo neue entstehen

Der deutsche Arbeitsmarkt steht unter massivem Druck. Die jüngsten Pläne des Volkswagen-Konzerns, weltweit bis zu 100.000 Stellen zu streichen, haben die Debatte über den Jobabbau im verarbeitenden Gewerbe neu entfacht. Betroffen sind nicht nur die Automobilindustrie und ihre Zulieferer, sondern auch die Stahlindustrie und der Maschinenbau.

Die Dimension des Stellenabbaus ist besorgniserregend: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Horváth und des Handelsblatts planen bis 2030 insgesamt 60 Prozent der deutschen Industrieunternehmen, Stellen zu streichen. Allein in diesem Jahr sollen weitere 100.000 Arbeitsplätze in der Industrie wegfallen. Bereits 2025 hatte sich der Jobverlust beschleunigt – die Firmen strichen damals rund 120.000 Stellen.

Als Hauptgründe nennen die Unternehmen zu hohe Personal- und Energiekosten, eine übermäßige Steuer- und Abgabenlast sowie ausufernde Bürokratie. Diese strukturellen Belastungen machen den Standort Deutschland im internationalen Vergleich zunehmend unattraktiv.

Ifo-Institut schlägt Alarm

Das Münchner ifo-Institut bestätigt den negativen Trend mit harten Zahlen. Das Beschäftigungsbarometer sank im Juni um 1,6 auf 92,3 Punkte – einer der schlechtesten Werte seit der Corona-Pandemie. „Die Unternehmen planen, wieder vermehrt Stellen abzubauen", warnt das Institut. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, bringt es auf den Punkt: „Der Arbeitsmarkt bleibt schwach. Von einer nachhaltigen Belebung der Beschäftigung ist Deutschland derzeit noch weit entfernt."

Besonders düster sind die Aussichten in der Industrie und im Handel. In diesen beiden Wirtschaftszweigen übersteigt die Zahl der Unternehmen, die Jobs abbauen wollen, jene der aufbauenden Firmen um rund 18 Prozentpunkte.

Jahrzehntelang funktionierte das deutsche Exportmodell verlässlich. Doch inzwischen orientieren sich die Unternehmen zunehmend global, wenn es um Produktion, Forschung und Entwicklung geht. Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets fließen zwar noch ins Inland – aber fast ausschließlich in Anlagenerhaltung und Automatisierung. Echter Ausbau mit neuen Arbeitsplätzen findet überwiegend in den Auslandsmärkten statt.

Schleichender Wandel statt großer Entlassungswellen

Luisa Kunze von der Bertelsmann-Stiftung, die kürzlich eine neue Studie zu diesem Thema veröffentlicht hat, beschreibt den Prozess treffend: Der aktuelle Stellenabbau finde „nicht durch große Entlassungswellen, sondern eher schleichend statt." Der Strukturwandel weg von der Industrie sei kein neues Phänomen, habe sich zuletzt aber spürbar beschleunigt.

Die Ursachen sind vielschichtig. Neben den neuen US-Zöllen, die die deutsche Industrie stark belasten, wächst der Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen, die massiv von der Staatsführung in Peking subventioniert werden. Für Anleger, die in exportabhängige deutsche Industriewerte investiert sind, bleibt das Umfeld damit herausfordernd.

Wachstumsbranchen als Lichtblick

Trotz des düsteren Gesamtbildes gibt es in Deutschland Branchen, die Beschäftigung aufbauen. Laut Bundesagentur für Arbeit hat das Baugewerbe im vergangenen Jahrzehnt rund 80.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Die Informations- und Kommunikationsbranche verzeichnet ein Plus von rund 70.000 Beschäftigten. Auch in Pflegeberufen werden kontinuierlich neue Stellen aufgebaut.

Für Privatanleger zeichnet sich damit ein klares Bild ab: Der Strukturwandel am deutschen Arbeitsmarkt ist in vollem Gange. Während klassische Industriewerte unter Druck bleiben, könnten Unternehmen aus dem Technologie-, Pflege- und Bausektor langfristig von den verschobenen Beschäftigungstrends profitieren.

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