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Deutsche Werften vor neuer Chance im Offshore-Windmarkt

Nachfrage nach Konverterplattformen und Spezialschiffen eröffnet langfristige Perspektiven

Deutsche Werften vor neuer Chance im Offshore-Windmarkt

Der Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa führt zu einer wachsenden Nachfrage nach Konverterplattformen und Spezialschiffen. In Deutschland, einem Land mit langjähriger Tradition im Schiffbau, gibt es derzeit nur wenige Anbieter, die in der Lage sind, die benötigten Anlagen zu liefern. Allerdings bahnt sich eine Wende an. Die Meyer Werft in Papenburg hat kürzlich den „Brennstart“ für die Konverterplattform „DolWind delta“ verkündet. Obwohl das Kerngeschäft der Meyer Werft traditionell im Bau von Kreuzfahrtschiffen liegt, stellt die Umstellung auf den Bau von Konverterplattformen ein wichtiges Signal für den Schiffbau in Deutschland dar. Denn der Einstieg in dieses Geschäftsfeld hat das Potenzial, die Branche über Jahrzehnte hinweg zu stärken.

Der Netzbetreiber Amprion hat für die Plattform bei der spanischen Werft Dragados eine Umspannstation bestellt, die in der Nordsee Strom aus Offshore-Windparks einsammeln soll. Die Meyer Werft, bekannt für den Bau von Kreuzfahrtschiffen, führt einen Großteil der Stahlbauarbeiten aus. Mit diesem Projekt betritt die Werft Neuland und muss sich erst in die Anforderungen des Offshore-Marktes einarbeiten. Sollte der Einstieg gelingen, könnte er für den deutschen Schiffbau zu einem stabilen Standbein werden. Zudem würde ein erheblicher Anteil der milliardenschweren Investitionen in erneuerbare Energien in Europa verbleiben, anstatt an asiatische Konkurrenten zu gehen.

Die Bundesregierung hat sich bereits in die Branche eingebracht: Der Mittelständler Meyer Werft befand sich in finanziellen Schwierigkeiten und wurde von Bund und dem Land Niedersachsen durch Beteiligung gestützt. Auch Vertreter der erneuerbaren Energien sehen die Bedeutung einer starken europäischen Werftindustrie. Die Konverterplattformen, von denen Europa über 130 Stück benötigt, spielen eine zentrale Rolle bei der geplanten Umstellung auf Offshore-Windenergie als wichtige Säule der Stromversorgung. Allerdings sind europäische Werften derzeit nicht in der Lage, die notwendige Stückzahl zu liefern. Bei jüngsten Ausschreibungen von Tennet, einem großen Netzbetreiber, konnten asiatische Anbieter den Großteil der Aufträge gewinnen.

Dieser Mangel an Kapazitäten hat auch die Sicherheit im Blickfeld. Offshore-Wind-Expertin Karina Würtz von der Stiftung Offshore-Windenergie betont, dass die Konverterplattformen kritische Infrastruktur darstellen. Ihre Software läuft über die Server der Hersteller, was in geopolitischen Konflikten ein Risiko darstellen könnte. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat seinerseits die Werften dazu ermutigt, in den Bau von Konverterplattformen einzusteigen, und die Bedingungen dafür geklärt.

Mehrere Werften, darunter auch die Meyer-Tochter Neptun in Rostock-Warnemünde, die Lloyd Werft in Bremerhaven sowie Thyssen-Krupp Marine Systems, bereiten sich auf den Einstieg in dieses Geschäftsfeld vor. Auch German Naval Yards in Kiel hat bereits Pläne für die Serienfertigung von Konverterplattformen in der Schublade. Neben den Plattformen selbst wird zudem eine neue Flotte von Spezialschiffen benötigt, um die Offshore-Windparks zu versorgen, was weitere Chancen für die Werften bietet.

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