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Deutsche Unternehmen zahlen Rechnungen verspätet

Steigende Forderungsausfälle und Insolvenzen belasten kleine Betriebe enorm

Deutsche Unternehmen zahlen Rechnungen verspätet

Deutsche Unternehmen zahlen ihre Rechnungen zunehmend verspätet. Im ersten Halbjahr 2024 lag die durchschnittliche Zahlungsdauer bei 53,2 Tagen, was einen Anstieg von nahezu acht Tagen im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Das übliche Zahlungsziel beträgt hingegen 26 Tage. Diese Daten stammen aus einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Crif, die das Zahlungsverhalten von etwa 540.000 Unternehmen untersuchte. Frank Schlein, Deutschlandchef von Crif, beschreibt diesen Trend als eine der signifikantesten Erhöhungen in den letzten Jahren. Besonders betroffen sind die Branchen Gastgewerbe, Bau und Immobilien.

Auf globaler Ebene zeigt sich eine noch gravierendere Verschlechterung der Zahlungsmoral, die seit 2008 nicht mehr so stark ausgeprägt war. Laut der EU-Kommission verursachen verspätete Zahlungen jährliche Kosten von rund einer Billion Dollar, da Unternehmen ihre Investitionen zurückstellen oder selbst Rechnungen nicht begleichen können. Diese Zahlungsmoral gilt als ein Frühindikator für mögliche Insolvenzen, wobei jede vierte Insolvenz in der EU auf nicht rechtzeitig bezahlte Rechnungen zurückzuführen ist. Die EU-Kommission plant daher, die Zahlungsfristen zu verkürzen, um kleinere und mittlere Unternehmen besser zu schützen.

Alexander Kappes, Unternehmer im Bereich Ingenieurbüro, berichtet von massiven Zahlungsausfällen durch die Projektgesellschaft der Immobiliengesellschaft Signa, die ihm fast 470.000 Euro schuldet. Dies führte dazu, dass der Familienbetrieb einen ganzen Jahresgewinn verloren hat. Kappes betont, dass solche Zahlungsausfälle häufig kleinere Dienstleister und Lieferanten treffen, die oft nicht über ausreichende Rücklagen verfügen, um solche Einbußen auszugleichen.

Auch die Forderungsausfälle durch Unternehmensinsolvenzen in Deutschland sind im ersten Halbjahr 2024 drastisch gestiegen und summierten sich auf rund 19 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind das Gastgewerbe, das Baugewerbe und die Immobilienbranche. Im Gastgewerbe zahlen Unternehmen ihre Rechnungen im Durchschnitt 34,6 Tage später als vereinbart. Für 2024 wird ein Anstieg der Insolvenzfälle in der Gastronomie um 30 Prozent prognostiziert.

Neben den großen Unternehmen, die häufig verspätet zahlen, sind auch kleinere Firmen betroffen, die durch verspätete Zahlungen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Laut Crif zahlen nur acht Prozent der deutschen Unternehmen ihre Rechnungen zu spät, vor allem große Firmen. Dies belastet besonders kleine und mittlere Betriebe, da sie oft nicht über die finanzielle Stabilität verfügen, um solche Verzögerungen auszugleichen. Der Verwaltungsaufwand für das Eintreiben unbezahlter Rechnungen und die Angst vor Kundenverlust schrecken viele kleinere Unternehmen davon ab, rechtliche Schritte einzuleiten.

Die EU plant eine Verordnung zur Bekämpfung von Zahlungsverzug, die kürzere Zahlungsfristen vorschreibt. Kritiker befürchten jedoch, dass diese Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen und zu höheren Finanzierungskosten führen könnten. Die endgültige Umsetzung der Verordnung hängt von den zukünftigen politischen Entscheidungen ab.

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