Deutsche Unternehmen warten auf Wasserstoffnetz
Während Großkonzerne Fördermilliarden erhalten, kämpfen mittelständische Betriebe um Anschluss und Infrastruktur

Die nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung ist mehr als nur ein Konzept auf Papier. Sie ist ein ambitioniertes Vorhaben, das bereits in die Tat umgesetzt wird, wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kürzlich in Duisburg betonte. Dort überreichte er einen Förderscheck über knapp zwei Milliarden Euro an Thyssenkrupp, um die Produktion von "grünem" Stahl mittels grünem Wasserstoff bis Ende der 2030er-Jahre zu ermöglichen. Doch während Großkonzerne wie Thyssenkrupp bereits in den Genuss staatlicher Förderung kommen, warten viele mittelständische Unternehmen in Mitteldeutschland noch auf den Anschluss an das geplante bundesweite Wasserstoffnetz.
Eines dieser Unternehmen ist Steinzeug-Keramo in Bad Schmiedeberg, Sachsen-Anhalt. Der Rohrhersteller ist Teil der österreichischen Wienerberger AG und beschäftigt vor Ort 180 Mitarbeiter. Laut Werksleiter Rainer Rohde ist das Unternehmen bereits "H2-ready". Zwei von drei Produktionslinien sind auf Energieeffizienz optimiert, und die Brennöfen könnten bereits jetzt mit Wasserstoff befeuert werden – wenn dieser denn verfügbar wäre.
Eine Machbarkeitsstudie des Verbands "Metropolregion Mitteldeutschland" und des Wasserstoffnetzwerks "Hypos" hat bereits im letzten Jahr den enormen Bedarf an Wasserstoff in der Region bestätigt. Bis zum Jahr 2040 wird der Bedarf der Unternehmen auf 20 Terawattstunden (TWh) geschätzt. Allerdings könnte die Region selbst nur etwa 2,5 TWh grünen Wasserstoff produzieren. Der Rest müsste über ein Leitungsnetz aus anderen Teilen Deutschlands oder sogar aus dem Ausland bezogen werden.
Um die Vernetzung der mitteldeutschen Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben, findet der dritte Mitteldeutsche Wasserstoffkongress in Freyburg an der Unstrut statt. Neben Steinzeug-Keramo wird auch die Hörmann KG aus dem thüringischen Ichtershausen vertreten sein. Das Unternehmen hat bereits einen Elektrolyseur in Betrieb genommen und plant, seinen gesamten Erdgasbedarf durch Wasserstoff zu ersetzen.
Parallel dazu besucht Wirtschaftsminister Habeck die Dresdner Firma Sunfire, einen der großen Elektrolyseur-Hersteller in Mitteldeutschland. Das Unternehmen erhält eine Förderung von rund 167 Millionen Euro für den Aufbau einer Serienfertigung für Elektrolyseure. Auch die Kartonfabrik Porstendorf in Thüringen plant, auf Wasserstoff umzusteigen, um in der Energiefrage wettbewerbsfähig zu bleiben.
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Zur AktienanalyseTrotz dieser positiven Entwicklungen bleibt die Anbindung an das geplante bundesweite Wasserstoffnetz eine Herausforderung. Experten sind sich einig, dass ein gut ausgebautes Verteilnetz erforderlich ist, um auch Unternehmen abseits von Ballungszentren zu versorgen. Doch realistisch betrachtet wird dies wohl nicht vor 2030 der Fall sein, was die Dringlichkeit der Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie unterstreicht.


