Deutsche Küchenhersteller leiden unter Wohnungsbaukrise und Konsumflaute
Wohnungsbaukrise, geopolitische Unsicherheiten und schwaches Konsumklima belasten die deutsche Küchenindustrie – trotz starker Exportquote.

Das Gütesiegel „Made in Germany" hat in der Küchenindustrie nach wie vor Gewicht. Fast jede zweite in Deutschland produzierte Küche wird ins Ausland exportiert. Diese starke Exportbasis half der Branche lange dabei, die anhaltende Absatzschwäche im Inland zu überbrücken, die nach dem Corona-Boom einsetzte.
Ende 2025 schien die Talsohle erreicht: Die Küchenhersteller meldeten einen Gesamtumsatz von 5,63 Milliarden Euro – ein leichtes Minus von unter einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu Jahresbeginn 2026 zogen die Absätze im In- und Ausland sogar wieder spürbar an. Bei großen Herstellern wie Nobilia, Häcker Küchen oder Nolte Küchen keimte Hoffnung auf. Doch die im Februar ausgebrochene Iran-Krise trübte die Stimmung rasch wieder ein.
Wohnungsbau als zentrales Problem
Auf einer Branchenveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft „Die moderne Küche" (AMK) in Köln zogen Vertreter der Küchenindustrie Bilanz. Das Fazit von AMK-Geschäftsführer Volker Irle fiel nüchtern aus: „Konsumzurückhaltung, geopolitische Unsicherheiten und die schwache Entwicklung im Wohnungsbau prägen weiterhin das Marktumfeld." Die Lage stabilisiere sich zwar etwas, bleibe aber angespannt. Von einer nachhaltigen Erholung könne keine Rede sein.
Der Kern des Problems liegt im eingebrochenen Wohnungsbau. Denn jede neue Wohnung bedeutet auch eine neue Küche – und jeder Umzug oder jede Renovierung kurbelt das Geschäft an. Wurden 2022 noch rund 300.000 neue Wohneinheiten in Deutschland fertiggestellt, werden für 2026 weniger als 200.000 Fertigstellungen erwartet. Dieser Rückgang trifft Küchenhersteller und Hausgeräteproduzenten gleichermaßen hart.
Die Branche versucht, in Berlin mehr Gehör zu finden. AMK-Vorstandsmitglied Bernd Weisser, der beim größten deutschen Küchenhersteller Nobilia für Vertrieb, Marketing und Strategie verantwortlich ist, räumt offen ein: „Fehlt uns Gehör? Ich glaube ja. Wir könnten bessere Lobbyarbeit machen." Er fordert, dass die Branche geschlossen auftreten und deutlich machen müsse, wie viele Arbeitsplätze an der Küchenindustrie hängen. Ähnlich wie bei der E-Auto-Prämie bringt Weisser eine staatliche Förderung für den Wohnungsbau ins Gespräch.
Langfristiges Potenzial durch Modernisierungsstau
Trotz der aktuellen Schwäche sehen Branchenvertreter mittelfristig Licht am Ende des Tunnels. Nach AMK-Berechnungen stehen in rund 16 Millionen deutschen Wohneinheiten Küchen, die älter als 20 Jahre sind – das entspricht 36 Prozent des gesamten Küchenbestands. Dieses erhebliche Modernisierungspotenzial könnte in den kommenden Jahren für Nachholeffekte sorgen.
Kurzfristig federten Preissteigerungen den Umsatzrückgang ab. Laut GfK-Panel von Marktforscher NielsenIQ kostet eine durchschnittliche Küchenausstattung inklusive Elektrogeräten und Aufbau heute 12.204 Euro – gegenüber 9.253 Euro im Jahr 2019. Treiber sind nicht nur gestiegene Material- und Energiekosten, sondern auch veränderte Wohngewohnheiten. Homeoffice und ein gestiegener Stellenwert des eigenen Zuhauses haben die Küche zum zentralen Wohnraum gemacht. „Die Küche ist maßgeblicher Wohnraum, um den sich alles zentriert", sagt Weisser.
Für 2026 rechnen Branchenexperten dennoch mit einer Seitwärtsbewegung. Miele-Manager Christian Gerwens, der zugleich Vorstandssprecher der AMK ist, bringt es auf den Punkt: „Gerade bei größeren Investitionen wie einer neuen Küche reagieren Verbraucherinnen und Verbraucher sehr sensibel auf Unsicherheiten." Eine nachhaltige Markterholung wird erst für die Folgejahre erwartet.
Exportgeschäft schwächelt – Frankreich bereitet Sorgen
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Zur AktienanalyseAuch das Exportgeschäft, lange eine verlässliche Stütze der deutschen Küchenindustrie, geriet 2025 unter Druck. Mit einem Auslandsumsatz von 2,59 Milliarden Euro blieb das Exportgeschäft etwa ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders der französische Markt, auf den ein Viertel aller exportierten Küchen entfällt, schwächelte deutlich: Das Geschäft brach dort um 8,7 Prozent ein. Positive Impulse kamen dagegen aus den Niederlanden (+6,1 Prozent), Spanien (+6,8 Prozent), der Schweiz (+4,6 Prozent) und Österreich (+3,9 Prozent).
Chinesische Konkurrenz auf dem Vormarsch
Neben der konjunkturellen Schwäche wächst ein strukturelles Risiko: die Konkurrenz aus Asien. Hersteller von Elektrogeräten wie Miele und Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH), die zuletzt Werke schließen und Stellen abbauen mussten, sehen sich mit einer zunehmend aggressiven Expansion chinesischer Anbieter konfrontiert. Der Einstieg des chinesischen E-Commerce-Konzerns JD.com beim MediaMarkt- und Saturn-Mutterkonzern Ceconomy sorgte in der Branche für Aufmerksamkeit.
Aktuell ist der Marktanteil asiatischer Küchengeräte in Deutschland noch überschaubar. Laut Miele-Manager Gerwens liegt er bei etwa vier Prozent. „Klassische europäische Marken haben im Bereich der Küchen noch einen starken Footprint", sagt er. Dennoch geht Gerwens davon aus, dass die asiatische Konkurrenz nichts unversucht lassen wird, um weitere Marktanteile zu gewinnen. Für Privatanleger, die in Hausgerätehersteller investiert sind, bleibt dieser Wettbewerbsdruck ein wichtiger Faktor im Blick zu behalten.


