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Deutsche Industrie: Auftragsplus von 7,8% überrascht Experten deutlich

Stärkster Zuwachs seit zwei Jahren signalisiert mögliche Trendwende nach langer Krisenphase

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Deutsche Industrie: Auftragsplus von 7,8% überrascht Experten deutlich

Die deutsche Industrie hat im Dezember 2025 ein überraschend starkes Lebenszeichen gesendet. Mit einem Auftragsplus von 7,8 Prozent gegenüber dem Vormonat verzeichnete das verarbeitende Gewerbe den stärksten Zuwachs seit Dezember 2023. Das teilte das Statistische Bundesamt mit und überraschte damit die Fachwelt: Ökonomen hatten im Vorfeld einen Rückgang von 2,2 Prozent prognostiziert.

Die Zahlen markieren den vierten monatlichen Zuwachs in Folge und könnten nach Einschätzung führender Volkswirte eine echte Trendwende einläuten. Bereits im November hatte die Industrie mit einem Plus von 5,7 Prozent aufhorchen lassen. Im Dreimonatsvergleich legte der Auftragseingang im vierten Quartal sogar um 9,5 Prozent zu – die stärkste konjunkturelle Erholung seit der Wiedervereinigung, abgesehen vom Pandemie-Aufschwung 2021.

Staatsaufträge als wichtiger Wachstumstreiber

Ein wesentlicher Faktor für den Aufschwung sind staatliche Investitionen, insbesondere im Rüstungsbereich. Die Inlandsaufträge für Waffen und Munition erreichten in den letzten beiden Monaten 2025 ein beispielloses Niveau – mehr als 20-mal über dem Durchschnitt vor 2022. Diese Bestellungen, die auch Militärfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge umfassen, spiegeln die ersten Effekte höherer Verteidigungsausgaben wider.

Die Nachfrage aus dem Inland legte im Dezember um 10,7 Prozent zu, während Auslandsaufträge um 5,6 Prozent wuchsen. Besonders stark zeigten sich Bestellungen aus Ländern außerhalb der Euro-Zone mit einem Plus von 9,7 Prozent. Innerhalb der Eurozone gingen die Aufträge dagegen um 0,6 Prozent zurück.

Metallbranche und Maschinenbau mit Spitzenwerten

Die Hersteller von Metallerzeugnissen führten das Wachstum mit einem spektakulären Plus von 30,2 Prozent an. Der Maschinenbau, traditionell das Rückgrat der deutschen Industrie, verzeichnete ein Auftragsplus von 11,5 Prozent. Auch die Produzenten elektrischer Ausrüstung (+9,8 Prozent) sowie von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen Erzeugnissen (+5,7 Prozent) trugen positiv zur Entwicklung bei.

Einen deutlichen Dämpfer gab es allerdings in der Automobilindustrie: Hier schrumpfte der Auftragseingang um 6,3 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium führt dies auf weniger Bestellungen aus dem außereuropäischen Ausland zurück. Im sonstigen Fahrzeugbau sank der Auftragseingang sogar um 18,7 Prozent, allerdings von einem sehr hohen Vormonatsniveau.

Vorsichtiger Optimismus trotz struktureller Herausforderungen

Jens-Oliver Niklasch von der LBBW spricht von einer "Trendwende", und Thomas Gitzel von der VP Bank sieht die Industrie vor einem Aufschwung. Ralph Solveen von der Commerzbank konstatiert: "Die Talfahrt der Industrie ist erst einmal zu Ende." Michael Herzum von Union Investment erwartet, dass Deutschland 2026 beim Wachstum gegenüber europäischen Nachbarn aufholt – die Prognose liegt bei etwa einem Prozent BIP-Wachstum nach mageren 0,2 Prozent in 2025.

Allerdings mahnen Experten zur Vorsicht. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen fiel das Plus mit 0,9 Prozent deutlich bescheidener aus. Alexander Krüger von Hauck Aufhäuser Lampe betont, dass es nun darauf ankomme, die Aufträge zügig abzuarbeiten und die Produktion zu steigern. Diese war zuletzt vier Jahre in Folge gesunken, unter anderem wegen zunehmender Konkurrenz aus China.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gibt zu bedenken, dass das wichtige Ifo-Geschäftsklima tendenziell gesunken sei und andere Frühindikatoren noch keine klare Erholung signalisierten. Das Bundeswirtschaftsministerium warnt zudem vor Handels- und geopolitischen Unwägbarkeiten, die das Auslandsgeschäft belasten könnten. Die DIHK fordert trotz der positiven Zahlen weitere Reformschritte und die Erschließung neuer Märkte durch Freihandelsabkommen.

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