Deutsche Glasfaser sichert sich 1,2 Milliarden Euro frisches Kapital
Das monatelange Ringen um die Sanierung des zweitgrößten deutschen Glasfaser-Anbieters ist beendet – mit einem Milliarden-Paket.

Der Streit um die finanzielle Neuaufstellung der Deutschen Glasfaser hat ein Ende. Der zweitgrößte Glasfaser-Anbieter Deutschlands erhält nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 1,2 Milliarden Euro frisches Kapital. Das Geld kommt von den beiden Eigentümern – dem schwedischen Finanzinvestor EQT und dem kanadischen Pensionsfonds Omers – sowie von den Gläubigerbanken des Unternehmens.
Geschäftsführer Andreas Pfisterer zeigte sich am Mittwoch zuversichtlich: „Damit sind wir vollständig durchfinanziert und heben uns klar vom Wettbewerb ab." Gleichzeitig kündigte er an, den geplanten Netzausbau abzuschließen und das Unternehmen von einem baufokussierten Betrieb hin zu einem kundenorientierten Breitbandanbieter weiterzuentwickeln.
Die Verhandlungen zwischen Eigentümern und Gläubigern hatten sich über Monate hingezogen. Hintergrund ist die erdrückende Schuldenlast des 2011 gegründeten Unternehmens: Mehr als sieben Milliarden Euro stehen in den Büchern – ein Ergebnis des kostspieligen Glasfaserausbaus, steigender Zinsen und einer schleppenden Kundennachfrage.
Milliardenpaket und Schuldenrestrukturierung
Die „Financial Times" hatte bereits in der Vorwoche über die Konturen des Deals berichtet: Demnach wollten EQT und Omers gemeinsam 850 Millionen Euro Eigenkapital einbringen, während die Gläubiger 400 Millionen Euro als vorrangige Verbindlichkeiten bereitstellen. Das Unternehmen selbst sprach am Mittwoch von „signifikantem Eigenkapital" und neuem Fremdkapital, die sich auf mehr als 1,2 Milliarden Euro summieren.
Neben der Frischkapital-Spritze sollen die bestehenden Schulden langfristig restrukturiert werden. Deutsche Glasfaser muss künftig weniger Verbindlichkeiten aus eigenen Gewinnen bedienen – ein Teil der Schulden wird auf eine Holding der Eigentümer übertragen. Das verschafft dem Unternehmen operativen Spielraum.
Derzeit zählt Deutsche Glasfaser rund 2,6 Millionen Kunden. Das ursprüngliche Ziel, bis 2032 auf sechs Millionen Kunden zu wachsen, hat das Unternehmen längst aufgegeben. Der Glasfaserausbau – vor allem im ländlichen Raum – ist kapitalintensiv und dauert länger als geplant. Marktführer in Deutschland bleibt die Deutsche Telekom.
EQT und Omers mit milliardenschwerem Engagement
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Zur AktienanalyseEQT und Omers hatten Deutsche Glasfaser im Jahr 2020 für 2,5 Milliarden Euro vom Finanzinvestor KKR und der niederländischen Reggeborgh übernommen. Seither haben die beiden Eigentümer Medienberichten zufolge bereits vor der jüngsten Einigung rund vier Milliarden Euro frisches Kapital in das Unternehmen gesteckt – ein Zeichen dafür, wie kapitalintensiv der Aufbau einer Glasfaser-Infrastruktur in Deutschland tatsächlich ist.
Für Privatanleger ist der Fall Deutsche Glasfaser ein anschauliches Beispiel für die Herausforderungen im Infrastruktursektor: Hohe Anfangsinvestitionen, lange Amortisationszeiträume und eine Kundennachfrage, die hinter den Erwartungen zurückbleibt, können selbst gut kapitalisierte Unternehmen unter Druck setzen. Die nun erzielte Einigung gibt dem Unternehmen zumindest die finanzielle Basis, um den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen.


