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Deutsche Glasfaser: Rettungspaket löst die Schuldenkrise nicht wirklich

1,2 Milliarden Euro frisches Kapital sollen den größten alternativen Netzbetreiber Deutschlands retten – doch Branchenkenner bleiben skeptisch.

Deutsche Glasfaser: Rettungspaket löst die Schuldenkrise nicht wirklich

Die Deutsche Glasfaser kann vorerst weitermachen. Ein Finanzierungspaket über 1,2 Milliarden Euro soll das Überleben des mit Abstand größten alternativen Glasfasernetzbetreibers in Deutschland sichern. Unternehmenschef Andreas Pfisterer bezeichnete die Vereinbarung als „Meilenstein" und „eine sehr gute Nachricht für unsere Mitarbeitenden und Partner". Sie schaffe „Kontinuität sowie Planungs- und Finanzierungssicherheit".

In der Branche teilt längst nicht jeder diese Zuversicht. „Es ist ein Zombie entstanden", sagt ein Glasfaserberater, der anonym bleiben möchte. Ein kräftiger weiterer Netzausbau sei mit der neuen Kapitaldecke nicht zu stemmen. Das vernichtende Urteil des Insiders: „Es reicht weder zum Leben noch zum Sterben."

Schulden bleiben – und wachsen sogar weiter

Das Kernproblem der Restrukturierung liegt auf der Hand: Es gibt keinen klassischen Schuldenschnitt. Die Verbindlichkeiten wurden zwar in langwierigen und teils konfliktreichen Verhandlungen neu strukturiert und auf verschiedene Vehikel verteilt – die Gesamtschuldenlast bleibt jedoch hoch und steigt sogar weiter an.

Konkret sieht der Sanierungsplan folgendes vor: 400 Millionen Euro stellen die Gläubiger als vorrangig besicherte Kreditmittel bereit. Die Eigentümer EQT und Omers steuern dem Vernehmen nach mehr als 800 Millionen Euro sogenanntes „Preferred Equity" bei, das als Eigenkapital bilanziert werden soll. Die bestehenden Schulden von mehr als sieben Milliarden Euro werden zum Teil auf eine Holding übertragen, um die operativ tätigen Gesellschaften bilanziell zu entlasten. Zinszahlungen werden teils gestundet, teils in den Nachrang gerückt. Die „monetäre Entlastung beziffert sich auf mehrere hundert Millionen Euro", heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

Dennoch bleiben die Forderungen der Gläubiger vollständig bestehen. Der Großteil der gestundeten Zinsen wird letztlich auf die Gesamtforderung aufgeschlagen. Gemessen an optimistischen Schätzungen für das laufende Jahr liegt der Verschuldungsgrad laut Marktbeobachtern beim 20- bis 25-fachen des geschätzten Ebitda. Auf Basis der öffentlich berichteten 2024er-Zahlen von 188 Millionen Euro Ebitda fällt dieser Wert noch deutlich ungünstiger aus. Ein Branchenkenner hält das schlicht für „hochgradig riskant".

Wachstum durch Nachverdichtung statt Netzausbau

Ob die Schuldenlast tragbar ist, hängt maßgeblich davon ab, dass die Wachstumspläne des Managements aufgehen. Intern hofft man, dass die Deutsche Glasfaser „in ihre Schulden hineinwachsen" wird. Der Netzausbau selbst spielt dabei eine untergeordnete Rolle: In diesem und dem nächsten Jahr sind jeweils lediglich 200.000 neue „Homes Passed" geplant – also Haushalte, die grundsätzlich anschließbar gemacht werden.

Der eigentliche Schlüssel zur künftigen Wertschöpfung soll die stärkere Durchdringung des bereits bestehenden Netzes sein. Aktuell kann die Deutsche Glasfaser rund 2,8 Millionen Haushalte erreichen. Branchenweit hat bislang jedoch nur jeder vierte anschließbare Haushalt in Deutschland tatsächlich einen Glasfaseranschluss gebucht. Die Deutsche Glasfaser strebt eine Anschlussquote von 80 Prozent an – einen konkreten Zeitplan nennt das Unternehmen allerdings nicht. Laut Branchenkennern liegt die aktuelle Auslastung je nach Gebiet zwischen 35 und 45 Prozent und damit über dem Branchendurchschnitt.

Auch die sogenannte „Nachverdichtung" verursacht jedoch Kosten: Vermarktungs- und Bautrupps müssen erneut ausgeschickt werden, bevor weitere Abogebühren in die Bücher fließen. Beim Marketing setzt das Unternehmen auf Partnerschaften: Derzeit vermarktet nur 1&1 die Anschlüsse mit großangelegten Kampagnen. Ein Vertrag mit Telefónica soll kurz vor dem Abschluss stehen. Die seit Monaten ruhende Partnerschaft mit Vodafone – unterbrochen wegen Uneinigkeiten über Zahlungsmodalitäten – soll nach einer in Aussicht stehenden Einigung bald reaktiviert werden.

Gesamte Branche unter Druck

Von ihrem ursprünglichen Ziel, sechs Millionen Anschlüsse auszubauen, ist die Deutsche Glasfaser längst abgerückt. Auch das Ziel von vier Millionen Anschlüssen bis 2025 wurde deutlich verfehlt. Damit steht das Unternehmen nicht allein: Auch viele Wettbewerber kämpfen mit niedrigen Anschlussraten und hohen Finanzierungskosten. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Alix Partners benötigen mehr als zwei Drittel aller Anbieter in den kommenden 24 Monaten eine neue Finanzierung.

Die Restrukturierungsverhandlungen bei der Deutschen Glasfaser wurden deshalb in der gesamten Branche aufmerksam verfolgt. Einige Banken sollen Restrukturierungsgespräche mit anderen Unternehmen bewusst zurückgestellt haben, um den Ausgang dieses Falls abzuwarten.

Britisches Recht als Instrument der Einigung

Noch ist die Restrukturierung nicht vollständig abgeschlossen. Da insgesamt mehr als 50 Banken und Finanzierer zum Kreis der Kreditgeber gehören und eine hundertprozentige Zustimmungsquote unwahrscheinlich ist, wurde ein Sanierungsverfahren nach britischem Recht eingeleitet. Über ein sogenanntes „Scheme of Arrangement" können Gläubiger in Gruppen eingeteilt und Entscheidungen auch gegen den Widerstand einzelner Finanzierer durchgesetzt werden. Bereits Ende Juni soll das Verfahren abgeschlossen sein. Alternativ war auch eine Sanierung nach dem deutschen StaRUG – dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz – erwogen worden. Die beteiligten Restrukturierer entschieden sich letztlich für das Scheme als international bekanntere Variante.

Die Kosten der Restrukturierung belaufen sich insgesamt auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Sollten die ehrgeizigen Wachstumspläne scheitern, könnte in einigen Jahren bereits die nächste Restrukturierung anstehen – und die Berater erneut gefragt sein.

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