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Deutsche Energieumstellung: Suche nach Alternativen dominiert - Klimaschutz bleibt im Hintergrund

Ein Blick auf die steigende Nachfrage nach grünen Tarifen, Heizungen und Elektroautos in Deutschland

Deutsche Energieumstellung: Suche nach Alternativen dominiert - Klimaschutz bleibt im Hintergrund

Die Deutschen sind im Jahr 2023 besonders wechselwillig, wenn es um Energie geht. Eine kürzlich veröffentlichte Datenanalyse von Hase & Igel, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt, dass immer mehr Menschen in Deutschland nach neuen Stromtarifen suchen oder darüber nachdenken, ihre Heizsysteme zu modernisieren. Diese Analyse basiert auf 1,7 Milliarden Google-Suchanfragen zwischen 2019 und 2023 und wurde von KI-Analysten durchgeführt.

Besonders auffällig ist der Anstieg der Suchanfragen im Bereich Stromtarife. In den ersten neun Monaten des Jahres 2023 gab es einen Anstieg von 76 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021, bevor die Energiekrise ausbrach. Auch die Suche nach Heizungen ist um 64 Prozent gestiegen. Interessanterweise verzeichnet die Suche nach neuen Autos keine nennenswerte Veränderung.

Der Hauptgrund für diese verstärkte Suche nach alternativen Energiequellen liegt in der Energiekrise und der damit verbundenen Angst vor einem Öl- und Gasmangel. Dabei zeigt die Datenanalyse, dass der Umweltaspekt beim Wechsel von Tarifen eine untergeordnete Rolle spielt. Nur wenige Deutsche suchen gezielt nach Ökostromtarifen, nachhaltigen Heizungen oder Elektroautos. Beispielsweise bezogen nur vier Prozent der Google-Suchen zu Stromanbietern im Herbst 2023 explizit auf Ökostrom.

Jan Schoenmakers, Managing Director bei Hase & Igel, erklärte die Methode der Auswertung und betonte, dass die meisten Menschen beim Wechsel des Stromanbieters in erster Linie auf den Preis achten. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Simon Kucher unter Bestandskunden von Energieanbietern bestätigt diese Tendenz. Unter denjenigen, die weniger als zwei Jahre bei demselben Energieanbieter sind, gaben 53 Prozent an, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis für sie besonders wichtig sei, während nur zehn Prozent auf Nachhaltigkeit achteten.

Trotz des geringen Interesses an Ökostromtarifen steigt der Anteil der Ökostromkunden kontinuierlich. Laut der Bundesnetzagentur hatte etwa jeder dritte deutsche Stromkunde 2021 bereits einen Ökostromtarif.

Im Bereich der Heizungen zeigt sich ein anderes Bild. Die Deutschen suchen gezielt nach alternativen Heizungslösungen, um sich von Öl und Gas zu lösen. Fast die Hälfte aller Suchanfragen im Herbst 2023 bezog sich auf nachhaltige Heizungsarten. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind dabei auffällig, wobei wirtschaftliche Faktoren stärker als politische Präferenzen zu sein scheinen. Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern führen die Liste der Suchanfragen für nachhaltige Heizungen an, während Hamburg, Saarland und Bremen das Schlusslicht bilden.

Auch das Interesse an alternativen Heizsystemen wie Wärmepumpen steigt bundesweit, jedoch führen hohe Installationskosten und technische Bedenken dazu, dass nur ein geringer Prozentsatz der neu verkauften Heizungen tatsächlich Wärmepumpen sind.

Im Bereich der Elektroautos zeigt sich ebenfalls ein geringes Interesse, obwohl die Benzin- und Dieselpreise hoch sind. Nur 14 Prozent der Verbraucher, die sich über Google nach Autos informierten, suchten nach Elektroautos. Dabei spielt die geografische Lage eine wichtige Rolle, da Landbewohner die Reichweite ihres Autos als entscheidend erachten. Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz verzeichnen ein überdurchschnittliches Interesse an Elektroautos.

Alles in allem legen die Ergebnisse der Datenanalyse nahe, dass der Klimaschutz bei vielen Deutschen derzeit eine untergeordnete Rolle spielt. Der Preis und wirtschaftliche Faktoren dominieren die Entscheidungen im Energie- und Verkehrssektor. Die steigenden Kosten durch verstärkten Klimaschutz werden von vielen Menschen befürchtet und haben Vorrang vor ökologischen Überlegungen.

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