Deutsche Boulevardzeitung attackiert EZB-Chefin Lagarde als “Madam Inflation”
Vorwurf: Sie zerstört Einkommen und Ersparnisse der Bürger

Deutschlands meistverkaufte Boulevardzeitung "Bild" hat am Samstag die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, scharf kritisiert und ihr vorgeworfen, die Einkommen und Ersparnisse der Bürger zu zerstören, indem sie einen Anstieg der Inflation toleriert.
Der Artikel, der an einen Angriff von Bild auf Lagardes Vorgänger Mario Draghi im Jahr 2019 anknüpft, könnte ein Zeichen für eine neue Feindseligkeit der deutschen Öffentlichkeit gegenüber der EZB sein, die der ultralockeren Politik der Bank seit einem Jahrzehnt skeptisch gegenübersteht.
Vor zwei Tagen ließ die Bank ihre Zinspolitik unverändert, obwohl das Wachstum der Verbraucherpreise ein 13-Jahres-Hoch erreichte.
Die Zeitung bezeichnete Lagarde als "Madam Inflation", warf ihr vor, eine Gutverdienerin zu sein, die gerne Luxusmode trägt, und sagte, sie scheine sich nicht um die Schwierigkeiten der einfachen Leute zu kümmern. "Christine Lagarde lässt Renten, Löhne und Ersparnisse schmelzen", hieß es.
Auf die Frage von Reuters nach dem Artikel erklärte ein EZB-Sprecher, dass Lagarde in ihrer Pressekonferenz am Donnerstag eingeräumt habe, dass die Inflation den Bürgern "eindeutig Sorgen" bereite, und dass die Entscheidungsträger "viel nachgedacht" hätten, bevor sie zu dem Schluss gekommen seien, dass die Inflation im nächsten Jahr wieder zurückgehen werde.
In einem Interview mit dem deutschen Magazin Spiegel, das ebenfalls am Samstag veröffentlicht wurde, zeigte Lagarde Verständnis für die Notlage der einfachen Deutschen und sagte, sie habe die Preissteigerungen bei Lebensmitteln aus erster Hand mitbekommen.
"Ich kaufe selbst ein und achte darauf, wie sich die Preise entwickeln", sagte Lagarde. "Ich sehe, dass einige alltägliche Dinge wie Joghurt, Brot oder Butter teurer werden."
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Attacke von Bild kommt eine Woche, nachdem der deutsche Zentralbankchef Jens Weidmann, ein unverblümter Kritiker der EZB-Politik, seinen Posten mit der Begründung aufgegeben hat, dass 10 Jahre im Amt genug seien, und gleichzeitig vor Inflationsrisiken gewarnt hat.
Die Inflation in der Eurozone hat in diesem Monat mit 4,1 % ihren bisherigen Höchststand erreicht, während die Inflation in Deutschland noch höher ist und sich bis zum Jahresende wahrscheinlich 5 % nähert.


