Deutsche Bank warnt: Dollar-Risiko durch Aktien statt Anleihen
Die USA finanzieren ihr Außenhandelsdefizit zunehmend über ausländische Aktieninvestments – das macht den Dollar anfälliger für Marktschwankungen.

Die Vereinigten Staaten verlassen sich zur Finanzierung ihres Außenhandelsdefizits mehr denn je auf internationale Kapitalzuflüsse in US-Aktien statt auf Investitionen in US-Staatsanleihen. Laut einer Analyse der Deutschen Bank vom Donnerstag verändert dieser strukturelle Wandel das Risikoprofil des US-Dollars grundlegend. Geopolitische Spannungen schrecken Anleger zunehmend davon ab, US-Staatsanleihen zu halten, während der KI-Boom immer mehr Kapital in amerikanische Aktien lenkt.
Mallika Sachdeva, Strategin bei der Deutschen Bank, beschreibt die Konsequenzen dieses Wandels klar: „Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen war tendenziell antizyklisch und stützte den Dollar in Zeiten der Rezession oder bei Korrekturen von Risikoanlagen. Diese Diversifikationseigenschaften begünstigten ein ungesichertes Dollar-Engagement." Eine Verlagerung hin zu einer zyklischeren, von Privatanlegern getriebenen Aktienfinanzierung dürfte den Dollar sowohl risikoreicher als auch stärker an die KI-Entwicklung gekoppelt machen, so Sachdeva weiter.
Zwillingsdefizite als strukturelle Herausforderung
Der Hintergrund ist bedeutsam: Die USA weisen sogenannte Zwillingsdefizite auf – ein Leistungsbilanzdefizit von rund 1,12 Billionen US-Dollar im Jahr 2025 sowie ein Handelsbilanzdefizit von rund einer Billion US-Dollar. Das Anziehen ausländischer Kapitalflüsse ist daher von zentraler Bedeutung für die Finanzierungsfähigkeit der US-Regierung. Solange Anleihen diese Rolle übernahmen, profitierte der Dollar von einer stabilisierenden, antizyklischen Nachfrage – dieses Sicherheitsnetz entfällt nun zunehmend.
Sachdevas Einschätzung deckt sich mit der Analyse von Andrew Hauser, dem stellvertretenden Gouverneur der Reserve Bank of Australia. Hauser erklärte Anfang des Jahres, dass die Umschichtung von Anleihen in Aktien eine Abkehr vom sogenannten „exorbitanten Privileg" darstelle. Dieses Privileg ermöglichte es den USA jahrzehntelang, nahezu unbegrenzt Kredit aufzunehmen, da der Dollar die globale Reservewährung ist.
Dollar erholt sich trotz struktureller Risiken
Trotz dieser strukturellen Warnsignale hat der Dollar in diesem Jahr eine bemerkenswerte Erholung vollzogen. Im bisherigen Jahresverlauf war er zunächst um fast 10 Prozent gefallen – getrieben von der unberechenbaren Handelspolitik von Präsident Donald Trump und der wachsenden Schuldenlast der USA, die auf einen längerfristigen strukturellen Verfall der Währung hindeuteten. Inzwischen hat der Dollar jedoch fast die Hälfte dieses Rückgangs wieder aufgeholt.
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Zur AktienanalyseAls Treiber der Erholung nennt die Deutsche Bank mehrere Faktoren: die Unsicherheit durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran, die gestiegene Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung durch die Federal Reserve sowie Rekordsummen an Kapital, die in die US-Märkte fließen, um am KI-Thema zu partizipieren. Genau diese KI-Abhängigkeit ist es jedoch, die den Dollar laut der Deutschen Bank langfristig anfälliger macht – denn der Technologiesektor unterliegt einem ausgeprägten Boom-und-Bust-Zyklus.
Für deutsche Anleger mit Dollar-Engagements bedeutet diese Analyse, dass Währungsrisiken künftig stärker mit der Entwicklung des US-Technologiesektors korrelieren könnten. Wer bislang auf die stabilisierende Wirkung des Dollars in Krisenzeiten vertraut hat, sollte diese Annahme angesichts des strukturellen Wandels in der US-Außenfinanzierung kritisch hinterfragen.


