Deutsche Bank und Jeffrey Epstein: Wie ein Skandal entstand
Die Financial Times beleuchtet, wie die Deutsche Bank dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Zugang zu Bankdienstleistungen gewährte.

Die Deutsche Bank steht erneut im Fokus eines der größten Finanzskandale der jüngeren Geschichte. Eine investigative Recherche der Financial Times zeigt, wie Deutschlands größtes Kreditinstitut dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein den sprichwörtlichen roten Teppich ausrollte – und damit in einen der dunkelsten Skandale der internationalen Finanzwelt verwickelt wurde.
Jeffrey Epstein, der 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle tot aufgefunden wurde, war nicht nur wegen seiner Verbindungen zu mächtigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft bekannt. Er war auch ein Finanzmann, der über Jahrzehnte hinweg Zugang zu den exklusivsten Kreisen der Hochfinanz pflegte. Dass ausgerechnet die Deutsche Bank ihm dabei behilflich war, wirft bis heute schwere Fragen über die Compliance- und Sorgfaltspflichten des Frankfurter Instituts auf.
Die Deutsche Bank und Epstein: Eine belastende Verbindung
Die Geschäftsbeziehung zwischen der Deutschen Bank und Epstein ist kein neues Thema – aber sie bleibt brisant. Im Jahr 2023 einigte sich die Deutsche Bank auf einen Vergleich in Höhe von 75 Millionen US-Dollar mit Epstein-Opfern. Die US-Aufsichtsbehörde DFS (New York State Department of Financial Services) hatte die Bank zuvor mit einer Strafe von 150 Millionen Dollar belegt, weil sie es versäumt hatte, verdächtige Transaktionen Epsteins zu melden und angemessene Geldwäschekontrollen durchzuführen.
Die Deutsche Bank hatte Epstein trotz seiner Vorstrafe aus dem Jahr 2008 – damals wurde er wegen Prostitution Minderjähriger verurteilt – als Kunden aufgenommen. Zwischen 2013 und 2018 verwaltete das Institut Konten für Epstein und seine verbundenen Unternehmen. Interne Warnungen, die auf das problematische Hintergrundprofil des Kunden hinwiesen, wurden offenbar nicht ernst genug genommen.
Schwere Versäumnisse im Compliance-System
Regulatoren stellten fest, dass die Deutsche Bank Hunderte von Transaktionen nicht ausreichend überprüfte, die im direkten Zusammenhang mit Epsteins kriminellen Aktivitäten standen. Dazu gehörten Zahlungen an mutmaßliche Mittäter sowie Bargeldabhebungen in auffälliger Höhe. Das Versagen des internen Kontrollsystems gilt als eklatant – und als symptomatisch für eine Unternehmenskultur, in der Profitinteressen zeitweise über Compliance-Anforderungen gestellt wurden.
Für die Deutsche Bank reiht sich dieser Skandal in eine lange Liste regulatorischer Probleme ein. Das Institut hatte in den vergangenen Jahren mit zahlreichen weiteren Verfahren zu kämpfen, darunter Vorwürfe der Geldwäsche im Zusammenhang mit russischen Oligarchen sowie Manipulationen von Referenzzinssätzen wie dem LIBOR. Die Epstein-Affäre gilt jedoch als besonders rufschädigend, da sie die Bank in unmittelbare Nähe zu schwerstem kriminellen Unrecht rückt.
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Zur AktienanalyseBedeutung für Anleger und den Finanzsektor
Für Anleger der Deutschen Bank-Aktie sind solche Skandale stets ein Warnsignal. Regulatorische Strafen, Vergleichszahlungen und der damit verbundene Reputationsschaden belasten nicht nur die Bilanz, sondern auch das Vertrauen institutioneller und privater Investoren. Die Aktie des DAX-Konzerns hat in der Vergangenheit regelmäßig auf neue Enthüllungen reagiert.
Die FT-Recherche erinnert daran, dass die Aufarbeitung des Epstein-Komplexes noch lange nicht abgeschlossen ist. Immer wieder tauchen neue Details über die Netzwerke auf, die dem Straftäter über Jahrzehnte hinweg Schutz und finanzielle Infrastruktur boten. Die Deutsche Bank bleibt dabei ein zentrales Kapitel dieser Geschichte – eines, das die Frage stellt, wie viel Verantwortung Banken für das Handeln ihrer Kunden tragen.


