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Deutsche Bank: Steuererhöhungen in Großbritannien werden zunehmend unvermeidlich

Unabhängig vom nächsten Premierminister sieht die Deutsche Bank kaum Spielraum, um Steuererhöhungen vor dem Herbsthaushalt zu vermeiden.

Deutsche Bank: Steuererhöhungen in Großbritannien werden zunehmend unvermeidlich

Die Deutsche Bank warnte am Dienstag eindringlich: Steuererhöhungen für die nächste britische Regierung seien zunehmend unvermeidlich – unabhängig davon, wer das Land künftig führt. Die angespannte Lage der öffentlichen Finanzen lasse vor dem Herbsthaushalt nur wenig Spielraum. Sanjay Raja, Chefökonom der Deutschen Bank für Großbritannien, brachte es auf den Punkt: „Das Gespenst von Steuererhöhungen – ungeachtet ihres Ausmaßes – zeichnet sich vor dem kommenden Haushalt deutlich ab."

Der neue Premierminister werde eine Haushaltslage erben, die schlechter sei als die Prognosen aus dem sogenannten „Spring Statement" vom März dieses Jahres. Das Spring Statement ist die halbjährliche Haushaltsvorschau der britischen Regierung, vergleichbar mit dem deutschen Stabilitätsprogramm. Die Ausgangslage für den Nachfolger von Sir Keir Starmer ist damit von Beginn an belastet.

Andy Burnham als Favorit unter Druck

Als „klarer Favorit" für die Nachfolge von Sir Keir Starmer gilt laut der Mitteilung der Deutschen Bank Andy Burnham. Er hat versprochen, sowohl die aktuellen Fiskalregeln als auch das Wahlprogramm der Labour Party von 2024 einzuhalten. Burnham wird in dem Dokument zitiert: „All dies wird durch die Stabilität gestützt, die aus soliden öffentlichen Finanzen resultiert, wie ich bereits sagte, sowie durch die Disziplin unserer aktuellen Fiskalregeln." Zum Wahlprogramm erklärte er unmissverständlich: „Ich stehe zum Wahlprogramm und den darin gemachten Versprechen. Lassen Sie mich das also ganz deutlich sagen."

Genau diese doppelte Verpflichtung schränkt seinen Handlungsspielraum jedoch massiv ein. Laut Deutscher Bank wird es Burnham kaum möglich sein, Ausgabenerhöhungen allein über Kreditaufnahme zu finanzieren, ohne gegen eine der beiden Zusagen zu verstoßen.

Marktbewegungen verringern den Haushaltsspielraum

Die Deutsche Bank schätzt, dass Marktbewegungen seit dem Spring Statement – getrieben durch höhere Zinsen und Energiepreise infolge des Energie-Schocks im Iran – den Spielraum bei der Regel für den primären laufenden Haushaltssaldo um 5,5 Milliarden Pfund verringern werden. Damit sinkt dieser Puffer bis 2029/30 auf noch 18,1 Milliarden Pfund. Der Spielraum unter der Investitionsregel wurde auf 24,4 Milliarden Pfund geschätzt.

Unter Berücksichtigung von Fiskalpuffern in Höhe von jeweils 10 Milliarden Pfund unter beiden Regeln verbleibe ein maximaler zusätzlicher Ausgabenrahmen von rund 20 Milliarden Pfund, der bis 2029/30 allein durch Kreditaufnahme finanziert werden könnte. Der Ausgabendruck verkompliziert die Lage zusätzlich: Die Deutsche Bank prognostiziert, dass eine bevorstehende mittelfristige Ausgabenüberprüfung eine Aufstockung der Ressourcenbudgets der Ministerien zwischen 10 und 20 Milliarden Pfund erfordern wird – mit einer zentralen Schätzung am oberen Ende dieser Spanne.

Vier kurzfristige Risiken für den Haushalt

Die Mitteilung der Deutschen Bank benennt vier konkrete kurzfristige fiskalische Risiken, die die Haushaltslage weiter verschärfen könnten:

  • Mehrausgaben der Ministerien über die geplanten Budgets hinaus
  • Konservativere Annahmen zu Steuereinnahmen durch das Office for Budget Responsibility (OBR)
  • Eine Verlangsamung der Nettomigration auf 171.000 im Jahr bis zum 31. Dezember 2025 – das OBR hat jeden Rückgang um 100.000 Personen mit einer zusätzlichen Kreditaufnahme von 7 Milliarden Pfund verknüpft
  • Eine mögliche weitere Verzögerung bei der Erhöhung der Kraftstoffsteuer, die bei einem dauerhaften Einfrieren die jährliche Kreditaufnahme um 2 bis 3 Milliarden Pfund erhöhen würde

Nicht geschützte Ministerien stehen nach den aktuellen Plänen in den letzten beiden Jahren des Prognosezeitraums vor realen Ausgabenkürzungen von 4,4 Prozent pro Jahr – ein erheblicher Einschnitt, der politisch kaum ohne Gegendruck durchzusetzen sein dürfte.

Die derzeitige Regierung habe die Steuern bis 2029/30 bereits um kumuliert fast 70 Milliarden Pfund erhöht, so die Deutsche Bank. Unter den Beschränkungen des Wahlprogramms bleibe damit nur begrenzter Spielraum, diesen Schritt zu wiederholen. Für Anleger und Beobachter des britischen Marktes bedeutet dies: Die Frage ist nicht ob, sondern wie stark die Steuerlast in Großbritannien weiter steigen wird.

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