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Deutsche Bank senkt Eurozone-Wachstumsprognose 2026 drastisch auf 0,5 Prozent

Ein Energieschock infolge des Nahost-Konflikts belastet Wachstum, Inflation und Investitionen im Euroraum erheblich.

Deutsche Bank senkt Eurozone-Wachstumsprognose 2026 drastisch auf 0,5 Prozent

Die Eurozone steht laut einer aktuellen Analyse von Deutsche Bank Research vor einer deutlichen konjunkturellen Abkühlung. Das Bankhaus senkte seine Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum für 2026 von 1,1% auf nur noch 0,5%. Als zentrale Ursache nennen die Analysten einen durch den Nahost-Konflikt ausgelösten Energieschock, der Wachstum, Inflation und Investitionen gleichermaßen belastet.

Die Deutsche Bank erwartet konkret, dass die Wirtschaft im Euroraum im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 0,1% schrumpfen wird. Nach einer Stagnation im dritten Quartal soll in den letzten drei Monaten des Jahres ein moderates Wachstum einsetzen. Für 2027 prognostizieren die Analysten eine Erholung auf 1,1% Wachstum.

„Vor dem Energieschock war der makroökonomische Ausblick für Europa ein ‚Zwei-Wirtschaften-Problem': Eine binnenwirtschaftliche zyklische Widerstandsfähigkeit im Jahr 2025, gestützt durch deutsche Staatsausgaben im Jahr 2026, stand einem mittelfristigen Ausblick gegenüber, der durch schwache Wettbewerbsfähigkeit und mangelnde strategische Autonomie getrübt war", heißt es in dem Bericht.

Vier Übertragungskanäle des Energieschocks

Die Deutsche Bank identifiziert vier Hauptkanäle, über die sich der Schock auf die Wirtschaft überträgt: Erstens verringert die höhere Inflation die Kaufkraft der Haushalte. Zweitens belastet erhöhte Unsicherheit die Investitionsbereitschaft. Drittens führt der Schock zu einer strafferen Geldpolitik. Viertens schwächen nachlassende weltweite Nachfrage und damit schwächere Exporte die Konjunktur zusätzlich.

Die Kosten für Energieimporte im Euroraum werden 2026 schätzungsweise um rund 1% des BIP steigen. Die Gesamtinflation, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HICP), wird für 2026 auf durchschnittlich 3,1% und für 2027 auf 2,5% prognostiziert. Zum Vergleich: Vor dem Konflikt lagen die Erwartungen bei lediglich 1,7% bzw. 1,9%. Die Kerninflation wird für beide Jahre auf 2,4% geschätzt.

Als geldpolitische Reaktion erwartet die Deutsche Bank, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagensatz durch zwei Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkten – im Juni und September – bis September um insgesamt 50 Basispunkte auf 2,50% anheben wird. Das Bankhaus bezeichnet diesen Schritt als „maßvolle Straffung".

Deutschland, Frankreich und Italien im Vergleich

Für Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Eurozone, wird für 2026 ein Wachstum von 0,5% prognostiziert. Die Wirtschaftsleistung soll im zweiten Quartal leicht schrumpfen und im dritten Quartal stagnieren, bevor eine Erholung einsetzt. Eine expansive Fiskalpolitik gilt dabei als wichtigste stabilisierende Kraft, wobei sich das Staatsdefizit auf 4,1% des BIP ausweiten dürfte. Die Beschäftigung wird voraussichtlich um 0,3% zurückgehen.

Für Frankreich und Italien werden für 2026 Wachstumsraten von 0,5% bzw. 0,4% erwartet. Die Prognose für Italien stellt eine Herabstufung gegenüber einer Schätzung vor der Krise von 0,8% dar, womit das Land das schwächste Glied unter den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone bleibt. Das französische Haushaltsdefizit wird für 2026 auf 5,2% des BIP und für 2027 auf 5,4% prognostiziert. Italien dürfte weiterhin vom EU-Wiederaufbauprogramm NextGenerationEU profitieren – Ende 2025 stünden noch rund 72 Milliarden Euro zur Verfügung, was 3,5% des BIP entspricht.

Großbritannien mit vergleichsweise besseren Aussichten

Außerhalb der Eurozone wird für Großbritannien eine deutlich bessere Entwicklung erwartet. Die Wachstumsprognose für 2026 liegt bei 1,0%, gestützt durch eine starke Expansion von 0,6% im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal. Die Verbraucherpreisinflation wird auf 3,2% geschätzt, während die Bank of England die Zinssätze bis zum Jahresende voraussichtlich unverändert bei 3,75% belassen wird.

Die Deutsche Bank betont abschließend, dass die Risiken weiterhin abwärtsgerichtet seien. In einem Extremszenario, in dem die Straße von Hormus den gesamten Sommer über gesperrt bleibt, könnte das Wachstum in der Eurozone im Jahr 2026 auf null fallen, während die Inflation auf 3,5% steigen könnte. Für Anleger und Unternehmen bleibt die Lage damit angespannt und die Unsicherheit hoch.

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